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Apotheken gegen die verpestete Luft

FIP Virtual 2020: Beeinflusst die Luftverschmutzung den COVID-19-Verlauf?

mp | Die International Pharmaceutical Federation (FIP) befasste sich auf ihrem Online-Kongress unter anderem mit den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die ­Gesundheit. In einem Vortrag geben Experten Anregungen, wie Apo­theken eine größere Rolle bei der Prävention spielen könnten.

Im Vortrag „The impact of air pollution on respiratory health and vulnerability to COVID-19“ am 14. September im Rahmen der „FIP Virtual 2020“ (siehe Kasten) beleuchtete der Verband das Thema Luftverschmutzung. Zu Beginn des Vortrages erläuterte Dr. Glenis Scadding, klinische Immunologin am Royal National ENT Hospital in London die Risiken, die mit Luftverunreinigungen einhergehen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) versterben jährlich sieben Millionen Menschen infolge von Luftverschmutzung unter anderem an Krebs-, Herz- oder Lungenerkrankungen. Zudem seien Verunreinigungen der Luft einer der wichtigsten Auslöser von Asthma. Die Immunologin betonte zwar, dass die Bewohner afrikanischer und asiatischer Länder deutlich stärker betroffen sind als Europäer oder Amerikaner. Aber auch bei uns liegen die gemessenen Konzentrationen an Feinstaub und schädlichen Gasen in der Luft oft über den definierten Grenz­werten der WHO. Die Bestand­teile der Verunreinigungen, deren schädigende Wirkung auf den Organismus am besten beschrieben wurde, sind Feinstaubpartikel (kleiner als 2,5 µm Durch­messer), Ozon, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid. Hauptemissionsquelle der zwei letzten genannten Gase sind Dieselmotoren. Scadding erklärte, wie Luftverschmutzungen unser Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen können. So könnten Makrophagen, die nach jahrelanger Phagozytose mit Dreck überladen ­wurden, ein Grund für die erhöhte Sterblichkeit älterer Patienten an COVID-19 sein. Die FIP ist sich bewusst, dass es noch weiterer Vorbe­reitung bedarf, bevor Apotheken effektive Präventionsarbeit beim Pro­blem der Luftverschmutzung leisten können. Zunächst müssten Schulungen angeboten werden und Leitlinien für die Beratung bei Luftverschmutzung erarbeitet werden. Dennoch möchte die FIP Apotheker bei ersten Schritten in der Offizin unterstützen. Dazu stellte Dr. Sundeep Salvi, Mitglied der Global Initiative for COPD (GOLD) im letzten Teil der Veranstaltung dar, welche Hinweise Apotheker ihren Patienten geben können.

FIP Virtual 2020

Der jährliche Kongress der International Pharmaceutical Federation (FIP) findet dieses Jahr mit dem FIP Virtual 2020 online statt. Seit dem 4. September veranstaltete die Pharmazeuten-Vereinigung mit Sitz in Den Haag zahlreiche Online-Vorträge, -Seminare und Diskussionen. Parallel dazu veröffentlicht die Organisation harmonisierte Handlungsempfehlungen zu wissenschaftlichen oder politischen Apotheken-Themen. Am Freitag, dem 25. September, wird der dreiwöchige Kongress-Marathon mit dem zehnten „World Pharmacist Day“ beendet.

Luft und Lunge kontrollieren

Apotheken können über geeignete Screening-Angebote den Patienten helfen, ihre respiratorische Gesundheit zu überwachen. Zum Beispiel kann mit einem Puls-Oxymeter die Sauerstoff­sättigung im Blut sensorisch gemessen werden. Durch ein Spirometer könnte das Atemvolumen oder mit dem Peak-Flow-Test der Schweregrad einer bronchialen Konstriktion überwacht werden. Vorbelasteten Patienten können Smartphone-Apps empfohlen werden, die aktuelle Standortinformationen zur Luftqualität anzeigen. Bei einer hohen Luftverschmutzung sollten z. B. Patienten mit schwerem Asthma oder COPD das Haus bestenfalls nicht verlassen, bis sich die Werte gebessert haben. Unter anderem bietet sich die App „Breezometer“ oder das WHO-Tool „AirQ+“ an.

Vorbeugen und behandeln

Das Tragen von Masken erweist sich nicht nur in Bezug auf die COVID-19-Pandemie als unkomplizierte und effektive Maßnahme, sondern auch, um die respiratorischen Schäden durch Luftverschmutzungen zu mildern. Beispielsweise hindern Masken mit der Kennzeichnung „N95“ 95% der Luftverunreinigungen, in die Atemwege zu gelangen. Ein weiterer Ansatz sind Nasenspülungen oder kochsalzhaltige Nasensprays, da diese möglichen Irritationen und Infektionen der Nasennebenhöhlen durch Feinstaub vorbeugen. Dr. Sundeep Salvi empfiehlt außerdem Änderungen im Lebensstil. So solle das Auto wenn möglich gemieden und der Motor auch beim kurzen Halten abgeschaltet werden. Für zu Fuß oder per Fahrrad zurückgelegte Strecken ­sollten von Autos weniger stark befahrene Wege genutzt und bei starken Luftverschmutzungswerten im Freien nur moderat Sport getrieben werden. Laut Salvi können mit diesen Maßnahmen die Folgeschäden vieler Patienten vermieden werden. „Apotheker sollten eine wichtigere Rolle spielen. Wir müssen beginnen, die Gesundheit unserer Patienten an dieser Stelle zu ver­bessern“, betont er zum Abschluss.

Der Vortrag „The impact of air pollution on respiratory health and vulnerability to COVID-19“ kann in voller Länge über den offiziellen Youtube-Kanal der International Pharmaceutical Federation angesehen werden. |

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