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Neuigkeiten zu SARS-CoV-2 in Kürze

mab | Die Corona-Pandemie hält die Welt seit Monaten in Atem. Nach wie vor wird an verschiedenen Therapieoptionen, Impfstoffen und Eigenschaften von SARS-CoV-2 geforscht. Daraus ergeben sich täglich neue Publikationen.

Die wichtigsten Erkenntnisse und Mitteilungen über SARS-CoV-2 haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Grafik: GEMINI – stock.adobe.com

Bewertungsscore soll Ärzten helfen

Eine der größten Sorgen der Ärzte während der aktuellen Corona-Pandemie sind überfüllte Krankenhäuser. Hilfreich wäre hier eine frühzeitige Kategorisierung, die zeigt, welche Patienten ein niedriges, mittleres oder hohes Sterberisiko haben. Solch einen Score zu entwickeln, haben sich britische Forscher zum Ziel gesetzt und haben in einer Kohortenstudie mit 35.463 Personen (Durchschnittsalter 74 Jahre, Sterblichkeitsrate 32,2%) versucht, relevante Kennzahlen für die Krankenhausaufnahme der Patienten zu erfassen und daraus einen Score zu entwickeln, um das Sterberisiko der SARS-CoV-2-Infizierten abschätzen zu können. Heraus gekommen ist der 4C-Score (Coronavirus Clinical Characterisation Consortium), der an weiteren 22.361 COVID-19-Patienten (Mortalitätsrate 30,1%) validiert wurde und im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde. Einbezogen werden folgende acht Parameter, die sich bereits bei der Krankenhausaufnahme leicht ermitteln lassen: Alter des Patienten, männliches Geschlecht, Anzahl der Begleiterkrankungen, Atemfrequenz, periphere Sauerstoffsättigung, Bewusstseinsgrad, Harnstoffspiegel und C-reaktives Protein. Insgesamt können auf dem Score maximal 21 Punkte erreicht werden. 62% der untersuchten COVID-19-Patienten, die einen Wert größer 15 hatten, verstarben, dagegen waren es nur 1%, wenn der Score-Wert 3 oder weniger betrug. Um die vorhandenen Ressourcen bestmöglich nutzen zu können, empfehlen die Autoren daher, Patienten mit einem niedrigen Sterberisiko (Score-Werte bis 3) zur weiteren Behandlung beim Hausarzt aus dem Krankenhaus zu entlassen. Patienten mit mittlerem Sterberisiko sollten auf der Normalstation überwacht werden, wohingegen Patienten mit einem Score-Wert größer 15 auf die Intensivstation verlegt werden und dort aggressiv mit den vorhandenen Therapeutika behandelt werden sollten [Knight SR et al. BMJ 2020. doi:10.1136/bmj.m3339].

Kein Nutzen von Azithromycin

Während die Behandlung von COVID-19-Patienten mit Hydroxychloroquin große Wellen in der Fachpresse geschlagen hat, wurde die Bewertung von Azithromycin, welches häufig kombiniert mit Hydroxychloroquin eingesetzt wurde, eher stiefmütterlich behandelt. In einer im „Lancet“ veröffentlichten Studie wurde die Wirksamkeit und Sicherheit des Makrolid-Antibiotikums an 397 COVID-19-Patienten aus Brasilien, die bei der Krankenhausaufnahme beatmet werden mussten, randomisiert untersucht. 214 mit SARS-CoV-2 Infizierte erhielten randomisiert einmal täglich 500 mg Azithromycin oral, nasogastral oder intravenös über zehn Tage zusätzlich zur Standardtherapie verabreicht, die übrigen 183 bekamen nur die Standardtherapie. Diese inkludierte zum Zeitpunkt der Studie auch die zweimal tägliche Gabe von 400 mg Hydroxychloroquin über zehn Tage. Primärer Endpunkt war der klinische Status der Patienten an Tag 15 nach der Randomisierung, gemessen an einer 6-Punkte-Skala. Zwischen dem mit dem Makrolid-Antibiotikum behandelten Patientenkollektiv und der Kontrollgruppe konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden (Odds Ratio = 1,36, 95%-Konfidenzintervall: 0,94 bis 1,97, p = 0,11). Auch bezüglich der unerwünschten Nebenwirkungen, einschließlich ventrikulärer Arrhythmien, Herzstillstand mit Wiederbelebung, akutem Nierenversagen und QT-Zeitverlängerung, konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen ausfindig gemacht werden [Furtado R H M et al. The Lancet 2020. doi: 10.1016/S0140-6736(20)31862-6].

Schutz auch für den Träger?

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung zählt zu den wichtigsten Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2. Dabei wird die primäre Wirkung der Masken darauf zurückgeführt, dass Erkrankte weniger infektiöses Virusmaterial mittels Töpfchen und Aerosolen beim Ausatmen verteilen, und somit die Umgebung vor Infektionen geschützt wird. Eine Forscher­gruppe um Monica Gandhi greift nun die jahrzehnte alte Hypothese auf, dass eine kleine Menge aufgenommener Viren zu leichteren Krankheitsverläufen führt, und schließt daraus, dass auch der Träger der Maske vor schweren Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus geschützt ist. Zwar filtern die Masken je nach Typ unterschiedlich viel Virusmaterial heraus, jedoch wird die Menge der aufgenommenen Viren durch die Maske reduziert und infolge treten weniger schwere, häufig asymptomatische Erkrankungen auf. Die Forscher spekulieren, dass jede Maßnahme, die den Teil der asymptomatischen Infizierten erhöhe, die Immunität in der Bevölkerung steigern könne und gleichzeitig nicht mehr schwere Erkrankungen oder Todesfälle zu befürchten seien. Eine Begründung für ihre These sehen sie zum einen in an Hamstern durchgeführten Versuchen, bei denen mehr asymptomatische und weniger schwer verlaufende SARS-CoV-2-Infektionen auftraten, wenn die Hamster maskiert wurden. Eine weitere Bestätigung ihrer Hypothese sehen sie in einem argentinischen Kreuzfahrt­schiff, bei dem die Passagiere chirurgische Masken trugen, das Personal N95-Masken. Hier war die Rate asymptomatischer COVID-19-Erkrankungen mit 81% wesentlich höher als bei Untersuchungen auf Kreuzfahrtschiffen zuvor, bei denen niemand eine Maske getragen hatte (20%). Auch die Daten aus zwei lebensmittelverarbeitenden Firmen, in denen täglich mit einer Mund-Nasen-Bedeckung gearbeitet werden muss, festigen die Hypothese. Dort waren von den 500 mit SARS-CoV-2 infizierten Personen 95% asymptomatisch, die restlichen fünf Prozent hatten nur leichte bis mittelschwere Symptome. Die Forscher schließen daraus, dass trotz unterschiedlicher Schutzwirkung das Tragen einer Maske die Exposition mit viralem Material reduziert, und so schweren COVID-19-Verläufen vorgebeugt werden kann. Sie fordern weiterhin Studien, die speziell die T-Zell-vermittelte Immunantwort von asymptomatisch Infizierten mit der von symptomatisch Infizierten vergleicht [Gandhi M et al. NEJM 2020. doi: 10.1056/NEJMp2026913].

Impfstoffstudie in Großbritannien fortgesetzt

Nach wenigen Tagen Unterbrechung ist in Großbritannien die Phase-III-Studie des vielversprechenden SARS-CoV-2-Impfstoffkandidats AZD1222 von AstraZeneca wieder aufgenommen worden. Nachdem bei einem Probanden der Verumgruppe nach der Impfung neuroimmunologische Komplikationen aufgetreten waren, war die Studie am 6. September 2020 pausiert worden und die nationalen Behörden waren gebeten worden, die Sicherheit des Impfstoffs zu überprüfen. Laut Hersteller treten solche Pausierungen regelmäßig in Impfstoffstudien auf, es bestehe kein Grund zur Sorge. Die britische Gesundheits­behörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) gibt nun grünes Licht, sodass die Studie zu dem Adenovirus-Impfstoff in Großbritannien fortgeführt werden darf. Die unabhängigen Gutachten der nationalen Behörden der USA, Brasilien und Ländern aus Südafrika, in denen der Impfstoff außerdem geprüft wird, stehen noch aus [Pressemitteilung AstraZeneca 12. September 2020]. |

 

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