Die Seite 3

Haben wir (k)eine Wahl?

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Dr. Armin Edalat, Chefredakteur der DAZ

Liegt es am Corona-Trott oder gibt es im Lager der Standesvertreter tatsächlich niemanden sonst mit Ambitionen auf die nächste ABDA-Präsidentschaft? Seit Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer West­falen-Lippe, Anfang März ihren Hut in den Ring geworfen hat, ist es auffallend still geworden: Keine Alternativen, keine Gegenkandidaten, kein wirkliches Postengerangel innerhalb der ABDA. Doch viel schlimmer ist, dass es im Hinblick auf den Amtswechsel bisher überhaupt keine öffentlichen Auseinandersetzungen und Diskussionen über Inhalte, Strategien und Visionen gibt. Dazu passt, dass der Deutsche Apothekertag dieses Jahr ersatzlos gestrichen wurde.

Es ist deprimierend. Wir befinden uns in einer äußerst turbulenten Zeit für den gesamten Berufsstand. Den noch verbliebenen rund 19.000 Vor-Ort-Apotheken brechen die wirtschaftlichen Grundlagen weg. Immer weniger junge Kolleginnen und Kollegen sehen ihre berufliche Zukunft in der Offizinpharmazie. Die Bundesregierung erteilt dem Rx-Versandverbot erneut eine klare Absage und lässt sehenden Auges einen gefährlichen Strukturwandel zu, der rein ökonomisch getriebene Kapitalgesellschaften im deutschen Gesundheitswesen weiter beflügeln wird.

Wie lässt sich dagegen die Apothekenzukunft aktiv gestalten, anstatt nur zu verwalten? Eine Antwort auf diese Frage wird zunehmend außerhalb der Kammern und Verbände gesucht … und offenbar auch gefunden. Auf Plattformen sollen sich die Vor-Ort-Apotheken organisieren und ihr Angebot zusammen mit anderen Playern im Gesundheitswesen den Patienten präsentieren. Noweda und der Burda-Verlag preschten mit dem „Zukunftspakt Apotheke“ vor. Die Initiative Pro AvO bastelt ­(inzwischen gemeinsam mit Phoenix) seit mehr als zwei Jahren an einer Plattform, die noch größer und umfassender werden soll, damit Konzernen wie Amazon auch wirklich die Stirn geboten werden kann. „Ich bin davon überzeugt, dass unser Vorgehen alternativlos ist“, betont Phoenix-Deutschlandchef Marcus Freitag im Interview auf S. 14.

Ist das wirklich so? Haben wir weder Alternativen noch eine Auswahl an Möglichkeiten? Sollte eine Plattform tatsächlich über den Erfolg oder Misserfolg der Apotheken in Zukunft entscheiden, müsste die Diskussion darüber längst in den Versammlungen und Gremien der Apotheker angekommen sein. Eine Präsidentin oder ein Präsident der ABDA in spe wäre also gut beraten, sich genau mit dieser Fragestellung schon jetzt zu profilieren – auch, wenn die Kollegen an der Basis bei dieser Personalie bekanntermaßen sehr wenig Einfluss- und Wahlmöglichkeiten haben.

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