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Corona-Kinderbonus ab September

Wer kann wann damit rechnen?

Im September 2020 startet die Auszahlung der ersten Tranche vom Kinderbonus. Jede Familie erhält pro kindergeldberechtigtem Kind insgesamt 300 Euro. Damit sollen Belastungen durch die Corona-­Pandemie abgemildert werden. Die Regierung erhofft sich außerdem einen Konjunkturimpuls.

Mit insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro rechnet das Bundesfamilien­ministerium (BMFSFJ) für diese Corona-bedingte Finanzspritze. Sie soll Familien mit kleinen und mittleren Einkommen zugutekommen. Deshalb wird der Kinderbonus auch nicht mit anderen Familien- oder Sozialleistungen wie dem Kinderzuschlag und Wohngeld verrechnet.

Anders ist es bei der Steuer: Hier wird die Bonuszahlung auf den Kinderfreibetrag angerechnet. Eltern mit hohen Einkommen machen daher unterm Strich kein oder nur ein geringeres Plus. Das BMFSFJ rechnet damit, dass bei ca. 80 Prozent der Familien die Entlastung vollumfänglich ankommt.

Wer profitiert?

Der Kinderbonus soll für rund 18 Millionen Kinder ausgezahlt werden. Voraussetzung ist, dass für das Kind im Jahr 2020 für mindestens einen Monat Anspruch auf Kindergeld besteht.

Muss man einen Antrag stellen?

Wenn Sie Kindergeld erhalten, ist im Regelfall kein gesonderter Antrag nötig. Die Kindergeldkassen zahlen den Kinderbonus dann automatisch aus.

Wenn Sie in den nächsten Monaten des Jahres 2020 ein Kind bekommen, reicht ebenfalls der normale Kindergeldantrag aus.

Foto: Nelos – stock.adobe.com

Wann wird der Bonus ausgezahlt?

Grundsätzlich erfolgt die Auszahlung in zwei Raten (200 Euro und 100 Euro). Das hat mit bestimmten Regelungen für den Kindesunterhalt und den Unterhaltsvorschuss zu tun.

Für Kinder, für die im September Anspruch auf Kindergeld besteht, wird die erste Rate von 200 Euro im September ausgezahlt und die zweite Rate von 100 Euro im Oktober.

Der genaue Auszahlungstermin im September ist von der Endziffer der jeweiligen Kindergeldnummer ab­hängig, die man den Unterlagen der Familienkasse entnehmen kann:

Endziffer 0:  7. September

Endziffer 1:  8. September

Endziffer 2:  9. September

Endziffer 3: 10. September

Endziffer 4: 11. September

Endziffer 5: 14. September

Endziffer 6: 16. September

Endziffer 7: 18. September

Endziffer 8: 21. September

Endziffer 9: 22. September

Bei Kindern, bei denen zwar nicht für den September 2020 Anspruch auf Kindergeld besteht, aber für mindestens einen anderen Monat in diesem Jahr (s. o.), erfolgt die Auszahlung nicht vor September, aber unter Umständen zu anderen Zeitpunkten ebenfalls in zwei Raten.

Was ist mit Alleinerziehenden?

Den Kinderbonus erhält jeweils der Elternteil, der auch das Kindergeld bekommt. Es erfolgt dabei keine Anrechnung auf einen etwaigen staatlichen Unterhaltsvorschuss. Weitere Infos zum Thema Unterhalt gibt es auf der Website des Familienministeriums. |

Quelle

Fragen und Antworten zum Kinder­bonus. Informationen des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ), www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/corona-pandemie/finanzielle-unterstuetzung/faq-kinderbonus, Stand 31. Juli 2020

sjo

Gut gemeint

Kommentar von ADEXA-Vorstand Andreas May

Foto: Regine ChristiansenADEXA

Andreas May

Macht es Sinn, einen kleinen Geld­regen über allen Familien auszuschütten – denen in prekären finanziellen Verhältnissen ebenso wie den wohlhabenden? 4,3 Milliarden Euro, das ist nicht wenig. Aber pro Kind sind 300 Euro wiederum nicht so viel, gerade wenn man die Belastungen der Familien in den letzten Monaten bedenkt. Ein Laptop, der den Anforderungen eines digitalen Unterrichtes genügt, ist damit kaum zu stemmen. Und ein Ausgleich für das Homeschooling, das viele Eltern und Kinder an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hat, ist mit 300 Euro auch nicht zu schaffen.

Also doch vor allem eine Konsum­ankurbelung, die mehr der Wirtschaft zugutekommt (die es zugegebenermaßen in manchen Branchen bitter nötig hat), als dass sie die Familien nachhaltig stärkt? Dann ist zu hoffen, dass nicht nur die Online-Bestellungen bei Corona-Profiteuren wie Amazon noch weiter steigen …

Andererseits ist der Auszahlungsmodus unbürokratisch. Denn komplizierte Anträge mit Einkommensnachweis halten ja doch vor allem diejenigen ab, die das Geld am meisten brauchen. Und der Staat kann hoffen, dass er sich das Geld über die Einkommenssteuer von denen zurückholt, die es nicht nötig haben.

Was mir generell fehlt, ist ein starker Fokus auf die Unterstützung von Betreuungseinrichtungen, Kitas und Schulen. Für einzelne Großkonzerne wie die Lufthansa sind etliche Milliarden möglich. Für kostenfreies, gesundes Mittagessen für Kinder aus sozial schwachen Familien, für die Ausstattung der Schulen (ja, das ist leider weitgehend Ländersache), für den Ausbau von kostenloser Kinderbetreuung muss noch viel mehr gemacht werden. Das sind echte Investitionen in die Zukunft unseres Landes, die sich auf jeden Fall rentieren. Wir müssen jetzt die Gelegenheit nutzen, um die Weichen für eine kinder-, familien- und klimafreundliche Gesellschaft zu stellen! Dazu ist mehr nötig als ein Kinderbonus, dessen Wirkung schnell verpufft.

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