DAZ aktuell

Apotheker mal wieder außen vor

eImpfpass-Modellprojekt in Sachsen und Thüringen

cm/ral | Seit Generationen findet man es praktisch in jedem Haushalt: das gelbe Impfheft. Damit könnte bald Schluss sein, denn statt auf Papier soll der Impfpass künftig digital erstellt werden. In Sachsen und Thüringen erprobt die AOK Plus derzeit gemeinsam mit ihren Versicherten und den Kassenärzt­lichen Vereinigungen den elektro­nischen Impfpass. Auf eine Beteiligung der Apotheker hat man – mal wieder – verzichtet.
Foto: Zerbor – stock.adobe.com

Bald Geschichte? Das gelbe Impfheft soll künftig durch einen eImpfpass ersetzt werden. Ein Modellversuch dazu läuft aktuell in Sachsen und Thüringen.

Der elektronische Impfpass soll eine der ersten Anwendungen in der ePatientenakte werden. Vor wenigen Tagen hat die AOK Plus in Sachsen und Thüringen ein Modellprojekt gestartet, um den Nutzen dieses eImpfpasses praktisch zu prüfen und gemeinsam mit Ärzten und Patienten weiterzuentwickeln. Wie aus einer Pressemitteilung der Kasse zu entnehmen war, haben sich bereits mehr als 15.000 Versicherte für das Projekt angemeldet. Insgesamt sollen 3,4 Millionen Menschen die Möglichkeit erhalten, den eImpfpass zu nutzen. „Alle Versicherten der sächsisch-thüringischen Gesundheitskasse haben ab sofort über die Online-Geschäftsstelle unter „Meine AOK Plus“ Zugriff auf ihren eImpfpass“, informiert die AOK Plus. Wer ihn nutzen möchte, kann bereits erfolgte Impfungen dort eintragen und diese von einem teilnehmenden Arzt elektronisch bestätigen lassen. Impf-Informationen aus den sechs Jahren vor der Aktivierung pflegt die Kasse automatisch ein. Auch automatische Impf-Erinnerungen sollen über die Plattform erfolgen.

„Erst mal nur für Ärzte“

Was für die Versicherten nach einem deutlichen Komfortgewinn klingt, hat für Apotheker einen Haken: Sie sind nicht dabei. „Unseren taufrischen elektronischen Impfpass haben wir – wie in der Presseinformation beschrieben – mit der KV Sachsen (erst mal) nur für Ärzte entwickelt und mit Ärzten modellhaft umgesetzt“, teilte die AOK Plus auf Anfrage von DAZ.online mit. Dabei hat der Gesetzgeber dieses Jahr mit dem Masernschutzgesetz den Weg frei gemacht für Modellprojekte zur Grippeimpfung in den Apotheken. In Nordrhein ist sich der Verband bereits mit der ortsansässigen AOK Rheinland/Hamburg einig geworden. Dort will man im Herbst mit dem Impfen in den Apotheken starten. Die grassierende Coronavirus-Pandemie könnte dem Vorhaben zusätzlichen Schwung verleihen.

Dokumentation als Hürde?

Wie aber soll der Pharmazeut die erfolgte Impfung dokumentieren, wenn er nicht an das Impfbuch herankommt? Denn auf das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV SafeNet), in dem der Pass gespeichert werden soll, können Apotheker nicht zugreifen. Das könnte zum Problem ­werden, denn die AOK Plus ist die ­mitgliederstärkste Krankenkasse in Sachsen und Thüringen.

Dass Apotheker gegen Grippe impfen könnten, hat man bei der Planung ­offenbar nicht bedacht. Dazu die AOK Plus: „In Bezug auf den relativ neuen Modellversuch in Nordrhein, Grippeschutzimpfungen auch von Apothekern durchführen zu lassen, kann ich Ihnen nur sagen, dass die Apothekerverbände in Sachsen und Thüringen mit diesem Ansinnen noch nicht auf die AOK Plus zu­gekommen sind. Wir sind für Gespräche offen, aber ein zeitnahes Modellvorhaben ist deswegen unwahrscheinlich.“

Kein Hindernis für Grippeschutzimpfung in der Apotheke

Möglicherweise ist dies von Apothekerseite her auch gar nicht gewünscht. Der Vorsitzende des Landesapothekerverbands Thüringen, Stefan Fink, erklärte auf Anfrage von DAZ.online zum eImpfpass-Projekt, dass eine Teilnahme „nicht im Sinne der Apothekerschaft“ liege. Denn sofern die verwendete Schnittstelle nicht Teil der Gematik-Infrastruktur sei, würde dabei eine Insellösung speziell für die AOK Plus geschaffen.

Die Datenstrukturen, die die AOK mit dem eImpfpass-Projekt etablieren möchte, würden möglichen zukünf­tigen Modellprojekten mit der AOK Plus zur Grippeschutzimpfung in Apotheken aber nicht im Wege stehen, meint Fink.

Aus Sachsen war kurzfristig keine Antwort auf eine Anfrage von DAZ.online zu bekommen. |

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