Arzneimittel und Therapie

Mit dopaminergen Vorläuferzellen gegen Parkinson

Fallbericht macht Hoffnung auf erfolgreiche Zelltransplantation

Bei Morbus Parkinson kommt es zum Verlust dopaminerger Neurone. Seit den 1980er-Jahren wird versucht, Zellen in die Substantia nigra zu transplantieren, um dem entgegenzuwirken. Bislang allerdings ohne eindeutigen Benefit. In einem Fallbericht wurde nun die erfolgreiche Zelltransplantation bei einem Parkinson-Patienten beschrieben.

Der 69-jährige Patient hatte seit zehn Jahren ein idiopathisches Parkinson-Syndrom. Er erhielt zuletzt viermal täglich Levodopa/Carbidopa (285 mg / 71,25 mg) mit verzögerter Wirkstofffreisetzung. Zusätzlich nahm er einmal täglich 4 mg Rotigotin und 1 mg Rasagilin. Trotz der Dreifachkombination aus Levodopa/Decarboxylasehemmer, D2-Dopamin-Agonisten und MAO-B-Hemmer traten bei dem Patienten täglich drei Stunden Off-Phasen auf. In diesen Phasen litt er unter Tremor, Verlustkontrolle der Feinmotorik und posturaler Instabilität (Haltungsinstabilität). Eine höhere Dosis Levodopa verursachte bei ihm orthostatische Hypotonie und kam somit nicht infrage. Bislang hatte er keine Dyskinesien (unkontrollierte Bewegungen).

Dem Patienten wurde nun von einem Forscherteam in den USA zunächst eine Hautbiopsie entnommen. Aus dieser wurden Fibroblasten gewonnen, die in vitro zu körpereigenen pluripotenten Stammzelllinien umgewandelt wurden. Diese wurden auf ihr ­Potenzial zur Ausdifferenzierung getestet. Außerdem wurde in Analysen nachgewiesen, dass es bei der Aus­differenzierung nicht zu Mutationen kommt. Eine dieser pluripotenten Stammzelllinien wurde ausgewählt und in vitro in dopaminerge Vorläuferzellen ausdifferenziert. Diese wurden in vitro und im Mausmodell analysiert. Hierbei konnten eine Dopamin-Sekretion und funktionelle Effektivität im Mausmodell festgestellt werden.

Keine Immunsuppressiva nötig

Schließlich erhielt der 69-jährige Patient im Abstand von sechs Monaten ­zunächst in die linke Hemisphäre des Putamen, dann in die rechte Hemisphäre jeweils vier Millionen dopaminerge Vorläuferzellen injiziert. Das Putamen übernimmt mit der Substantia nigra wichtige Funktionen bei der Steuerung der Willkürmotorik. Da es sich bei der Transplantation um autologe Zellen handelte, war zu keinem Zeitpunkt eine Unterdrückung des Immunsystems des Patienten notwendig.

Bei den Messungen nach 6, 12, 18 und 24 Monaten wurde ein Anstieg der ­Dopamin-Aufnahme im Putamen festgestellt. Am Ende der Beobachtungszeit (24 Monate nach der ersten Zelltransplantation) berichtete der Patient keine Nebenwirkungen und keine Verschlechterung der Symptome. Insgesamt konnte die Medikation um 6% ­Levodopa-Äquivalente reduziert werden. Die Off-Phase betrug zudem nur noch eine Stunde täglich.

Der Fallbericht zeigt, dass die Transplantation autologer dopaminerger Vorläuferzellen in das Putamen bei Parkinson eine zukünftige Therapieoption sein könnte. Allerdings sind hierfür Untersuchungen an weiteren Patienten und über einen längeren Zeitraum notwendig. |

Literatur

Schweitzer JS, Song B et al. Personalized iPSC-Derived Dopamine Progenitor Cells for Parkinson´s Disease. N Engl J Med 2020;382: 1926-1932

Apothekerin Dr. Karin Schmiedel

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