Aus den Ländern

„Corona hat den Überlebenskampf verschärft“

Action Medeor stellt Jahresbericht 2019 vor

„Corona hat die Welt im Griff. Aber für viele Menschen in Entwicklungs­ländern sind die Corona-­Folgen schon jetzt schlimmer als die Pandemie selbst“ – mit diesen Worten legten die beiden Vorstände des Medikamentenhilfswerks Action Medeor Sid Peruvemba und Christoph Bonsmann kürzlich den Jahresbericht 2019 vor.
Screenshot: DAZ

Unter www.medeor.de kann man den detaillierten Jahresbericht einsehen oder herunterladen.

Die Corona-Pandemie habe die Sichtweisen auf das, was wichtig ist, grundlegend verschoben, so Peruvemba und Bonsmann, die Probleme, die uns 2019 noch als Überlebens­fragen der Menschheit beschäftigt hätten und nun im Corona-Schatten lägen, seien aber nicht verschwunden. Das Gegenteil sei der Fall: „Corona hat den Überlebenskampf von Millionen Menschen in armen Ländern noch deutlich verschärft“, geben sie zu bedenken.

Als „Notapotheke der Welt“ ist Action Medeor täglich in diesen Überlebenskampf einbezogen. Und es mangelt nicht an Beispielen: „In Entwicklungsländern sterben nach wie vor 2,6 Millionen Menschen jedes Jahr an Tuberkulose, HIV/Aids und Malaria“, schildert Sid Peruvemba. „Das bedeutet, dass in den ersten vier Monaten dieses Jahres über 850.000 Menschen an diesen behandelbaren Krankheiten gestorben sind – fast fünfmal so viel wie im gleichen Zeitraum an Corona.“ Vor allem Kinder litten darunter, wenn die medizinische Versorgung unzureichend ist. „Eine infektiöse Durchfallerkrankung etwa überleben eine ­halbe Million Kinder im Jahr nicht“, so Peruvemba. „Und auch an Hunger sterben noch immer Kinder, alle zehn Sekunden eins.“

Bei Action Medeor betont man, dass dies kein relativierender statistischer Blick sei, sondern eine Sicht aus humanitärer und ethischer Perspektive. „Uns geht es darum, auch in dieser besonderen Zeit eine globale Gesundheitsversorgung zu stärken, zu der alle Menschen Zugang haben und die die Ausbreitung von allen Krankheiten eindämmt“, so Bonsmann und Peruvemba.

In den letzten Jahren seien dabei durchaus Erfolge zu verzeichnen gewesen. „Die Medikamentenversorgung in vielen Teilen der Welt hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert“, schildern Bonsmann und Peruvemba. „Aber es gibt deutliche Anzeichen, dass nun durch die Folgen der Corona-Pandemie diese Erfolge wieder verspielt werden.“ So erwarte die WHO inzwischen eine ansteigende Verbreitung von Malaria und Tuberkulose in den Entwicklungsländern, weil die notwendigen Vorsorgemaßnahmen und Behandlungen wegen der Corona-Gefahr nicht mehr kontinuierlich durchgeführt würden.

„Der Jahresbericht von Action Medeor weist aus, dass man die Abgabe von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung im Jahr 2019 um 1,6 Millionen Euro auf rund 7,6 Millionen Euro steigern konnte. In der Humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit wurden 40 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 5,1 Millionen Euro umgesetzt, von denen 4 Millionen Menschen in 13 Ländern profitiert haben. Auch das Spendenauf­kommen des Medikamentenhilfswerks ist in 2019 gestiegen, und zwar um 20 Prozent auf 9,7 Millionen Euro. |

Action Medeor/daz

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