Arzneimittel und Therapie

Stammzelltransplantation wird sicherer

Ruxolitinib verbessert Therapieansprechen bei akuter Graft-versus-Host-Reaktion

Patienten, die nach einer allogenen Stammzelltherapie eine Glucocorticoid-refraktäre akute Graft-versus-Host-Reaktion entwickeln, konnten bisher nicht befriedigend behandelt werden. Den Ergebnissen einer ­aktuellen Studie zufolge wurde nun mit dem Januskinase-Inhibitor ­Ruxolitinib ein bemerkenswerter Erfolg erzielt. Somit scheint die ­Therapie seit über 30 Jahren erstmals verbessert werden zu können.

Bei akuten Leukämien und weiteren hämatologischen Erkrankungen ist eine Stammzelltransplantation oft der einzige kurative Therapieansatz. Eine gefürchtete Begleiterscheinung ist die akute Graft-versus-Host-Re­aktion (GvHR), die bei 30 bis 70% der Patienten nach allogener Blut­zelltransplantation oder Knochenmarktransplantation auftritt. Die ­GvHR ist eine systemische, entzünd­liche Erkrankung, die zur Schädigung von Darm, Haut und Leber führt und in 15 bis 30% der Fälle tödlich verläuft. Zur First-line-Therapie werden Glucocorticoide (Prednison, Prednisolon) eingesetzt. Bei Nicht-Ansprechen ‒ rund der Hälfte der Betroffenen ‒ werden unterschiedliche Immunsuppressiva angewandt, meist ohne überzeugenden Erfolg.

Stammzelltransplantation

Foto: TwilightArtPictures – stock.adobe.com

Die Stammzelltransplantation wird bei vielen lymphatischen Krebserkrankungen angewendet, am häufigsten bei der akuten myeloischen Leukämie (AML). Voraussetzung für die Spende ist, dass Spender und Empfänger gewebekompatibel sind. Zur Typisierung potenzieller Spender wird neben einer Blutprobe ein Abstrich der Wangeninnenwand benötigt. In Absprache mit dem Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden (VKS) oder dem Zentralen Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) können Apotheken als Typisierungsstützpunkte ­fungieren und Wangenschleimhautabstriche anbieten.

Logischer Therapieansatz

Ein neuer Therapieansatz orientiert sich an der Pathogenese der Erkrankung: Die akute Graft-versus-Host-­Reaktion entsteht, wenn T-Zellen des Spenders das Gewebe des Empfängers als fremd erkennen und schädigen. Dabei sind entzündliche Immunreaktionen beteiligt, die durch die Aktivität der sogenannten Januskinasen getriggert werden. Ein neu verfolgter Therapieansatz ist daher die Blockade der Januskinasen durch Ruxolitinib. Ruxolitinib ist ein selektiver Hemmer der Janus-assoziierten Kinasen (JAK1 und JAK2), die unter anderem die Signale mehrerer Zytokine und Wachstumsfaktoren weiterleiten. Der Wirkstoff ist nicht neu auf dem Markt. Die EMA-Zulassung für Ruxolitinib beinhaltet die Therapie der Myelofibrose sowie der Polycythaemia vera, die Zulassung der Food and Drug Administration (FDA) schließt bereits die Behandlung der akuten GvHR mit ein.

In einer multizentrischen, rando­misierten Phase-III-Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit von ­Ruxolitinib bei erwachsenen Patienten überprüft, die nach einer Stammzelltransplantation eine Glucocorticoid-refraktäre Graft-versus-Host-Reaktion entwickelt hatten.

154 Probanden erhielten zweimal ­täglich 10 mg Ruxolitinib (Ruxolitinib-Gruppe). 155 Patienten (Kontroll-Gruppe) wurden einer von neun ­üblichen Therapien nach Wahl des ­Behandlers unterzogen (z. B. Photopherese, Mycophenolatmofetil oder niedrig dosiertes Methotrexat). Die Patienten beider Gruppen erhielten weiterhin das Glucocorticoid und eine Standard-Supportivtherapie (z. B. Wachstumsfaktoren oder Antiinfektiva). Der primäre Studienendpunkt war das Therapieansprechen nach 28 Tagen. Dieses lag nach vier ­Wochen in der Ruxolitinib-Gruppe bei 62% und in der Kontroll-Gruppe bei 39% (Odds ratio [OR] 2,64; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,65 – 4,22). Nach 56 Tagen lag das Ansprechen in der Ruxolitinib-Gruppe bei 40%, in der Kontroll-Gruppe bei 22% (OR 2.38; 95% KI 1.43 – 3.94). Die Behandlung mit Ruxolitinib war mit einem längeren rückfallfreien Überleben von durchschnittlich fünf Monaten gegenüber einem Monat in der Kontroll-Gruppe verbunden. Das mittlere Gesamtüberleben war mit 11,1 Monaten gegenüber 6,5 Monaten verlängert. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Thrombozytopenie (33% in Ruxolitinib-Gruppe vs. 18% in Kontrollgruppe), Anämie (30% vs. 28%) sowie Cytomegalievirus-Infektionen (26% versus 21%). |
 

Literatur

Zeiser R et al. Ruxolitinib for Glucocorticoid-­Refractory Acute Graft-versus-Host Disease. N Engl J Med 2020; 382:1800-10.

Chao N. Finally, a Successful Randomized Trial for GVHD. N Engl J Med 2020; 382:1853-1854.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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