Pandemie Spezial

Corona-Ticker

Neuigkeiten in Kürze

Seit Beginn des Jahres hält die SARS-CoV-2-Pandemie die Welt in Atem. Dabei überschlagen sich förmlich die Meldungen zum ­neuartigen Coronavirus. Jeden Tag ergeben sich neue Erkenntnisse zu Übertragung, Verlauf und ­Behandlungsoptionen des Virus.

Wir haben die Informationsflut gesichtet und wichtige Mitteilungen und neue Erkenntnisse zusammengefasst:

Schützende MicroRNA nimmt im Alter ab

Winzige RNA spielt eine bedeutende Rolle bei der körpereigenen Immunabwehr von Viren. Amerikanische Forscher haben nun herausgefunden, dass MicroRNA, die SARS-CoV-2 abwehren soll, mit zunehmendem Alter abnimmt. Auch chronische Erkrankungen reduzieren die Menge an schützender MicroRNA. Dies erklärt möglicherweise, warum ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen ein höheres Risiko für schwere COVID-19-Verläufe haben [Fulzele S et al. Aging and Disease 2020; 11(3):509-522].

Grafiken: GEMINI – stock.adobe.com

Darmnekrosen im CT

Viele Patienten mit COVID-19 klagen über gastrointestinale Symptome. Eine Forschergruppe um Rajesh Bhayana hat beobachtet, dass schwere Infektionen mit dem neuen SARS-CoV-2 zu Darmschäden wie verdickten Darmwänden bis hin zu Nekrosen der Darmschlingen führen können. Dabei waren die abgestorbenen Darmabschnitte nicht wie üblich dunkelviolett bis schwarz, sondern gelblich verfärbt. Laut Bhayana wird diese Verfärbung möglicherweise durch Fibrinablagerungen hervorgerufen [Bhayana R et al. Radiology. 2020; DOI: 10.1148/radiol.2020201908].

Coronavirus-Wirt Hauskatze

In einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie berichten Forscher aus den USA und Japan, dass Katzen sich mit SARS-CoV-2 infizieren können und das Virus auch auf andere nicht infizierte Katzen übertragen können. In der Studie wies keine der sechs getesteten Katzen Symptome auf oder verstarb an COVID-19. Welche Rolle eine mögliche Virusübertragung von der Katze auf den Menschen spielt, muss weiter erforscht werden [Halfmann PJ et al. NEJM 2020, DOI: 10.1056/NEJMc2013400].

Metabolische Angriffspunkte für neue Wirkstoffe

Ein Team aus Biochemikern und Virologen der Goethe Universität und des Universitätsklinikums Frankfurt konnte zeigen, wie sich verschiedene Prozesse in menschlichen Zellen während einer Infektion mit SARS-CoV-2 verändern. Im Labor wurden dabei unter anderem die Proteinsynthese in der Wirtszelle, der Kohlenhydrat-Stoffwechsel und der Nukleinsäure-Metabolismus unter Virusbefall analysiert. Die Wissenschaftler testeten eine Reihe von Substanzen, die in diese Prozesse eingreifen, und fanden heraus, dass einige die Virusreplikation verlangsamten oder sogar stoppten. Die gewonnenen Erkenntnisse können bei der Wirkstoff-Suche gegen COVID-19 hilfreich sein [Bojkova D et al. Nature 2020, DOI: 10.1038/s41586-020-2332-7].

Infektiös vor ersten Symptomen

Deutsche Wissenschaftler bestätigten den Verdacht, dass Infizierte bereits vor den ersten Symptomen ansteckend sein können. Die Autoren berichten, dass in mindestens bei einem der 16 untersuchten Fälle ein Infizierter das Virus weitergegeben hatte, bevor er selbst Symptome spürte. Eventuell trifft dies auf fünf weitere Fälle zu. Dabei scheint selbst ein kurzer Kontakt auszureichen, um das Virus zu übertragen. Eine Infektiösität noch vor Symptombeginn stellt eine große Herausforderung für die Eindämmung der Pandemie dar [Böhmer MM et al. Lancet Infectious Diseases 2020, DOI:10.1016/S1473-3099(20)30314-5].

COVID-19-Kollateralschäden

Aus Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 vermeiden möglicherweise etliche Patienten notwendige und sinnvolle Arztbesuche. In Kalifornien ist die Zahl der Klinikbehandlungen aufgrund eines akuten Herzinfarktes um knapp 50% gesunken. Dabei lassen viele Patienten außer Acht, dass das Sterberisiko bei einem akuten koronaren Ereignis ungleich größer ist. Auch die Zahl der Impfungen bei Säuglingen ist seit Beginn der Pandemie rückläufig. So sind in der Vergangenheit zirka zwei Drittel aller Kinder mit den empfohlenen Impfstoffen immunisiert worden, in den ersten Maiwochen dieses Jahres nur noch 49,7%. In der Apotheke kann hier entsprechend beraten werden [Solomon MD et al. NEJM 2020, DOI: 10.1056/NEJMc2015630 und Bramer CA et al. MMWR 2020, DOI: 10.15585/mmwr.mm6920].

Präventiver Einsatz von ­Prazosin?

Für schwere COVID-19-Verläufe kann auch eine überschießende Immunantwort in Form eines Zytokinsturms verantwortlich sein. Sobald die Immunreaktion einmal begonnen hat, ist diese nur noch schwer zu unterbrechen. Daher ist Prävention an dieser Stelle umso wichtiger. Bereits in der Vergangenheit wurden Mäusen mit bakteriellen Infektionen Alpha-Blocker verabreicht, die die für Zytokinstürme verantwortlichen Zellsignale stören konnten. In einer Studie untersucht die Johns Hopkins University School nun auch an COVID-19-Patienten, ob eine prophylaktische Prazosin-Gabe Zytokinstürme reduzieren kann [Konig MF, et al. J Clin Invest 2020, DOI: 10.1172/JCI139642].

Kinder seltener an COVID-19 erkrankt

SARS-CoV-2 benötigt das Rezeptorprotein Angiotensin Converting Enzym 2 (ACE2), um in die Wirtszelle einzudringen. Nun konnte gezeigt werden, dass Kinder weniger ACE2 in der Nasenschleimhaut exprimieren als Erwachsene. Das könnte ein Grund dafür sein, warum Kinder ein niedrigeres Risiko haben an COVID-19 zu erkranken [Bunyavanich S et al. JAMA Netw Online 2020, DOI:10.1001/jama.2020.8707].

Gefäßneubildungen in der ­Lunge bei Corona-Patienten

Erste Obduktionsergebnisse von zehn an COVID-19 Verstorbenen zeigten diffuse Alveolarschäden vor allem in den mittleren und unteren Lungenbereichen. Das Ärzteteam geht davon aus, dass dies die Todesursache der Patienten war. Es wurden keine Anzeichen von Thromboembolien in zentralen Gefäßen entdeckt, weder zum Zeitpunkt der Obduktion noch in der Zeit vor dem Tod. Die Lungenschädigungen lassen sich laut den Autoren nicht auf Komplikationen bei der künstlichen Beatmung zurückführen, sondern vielmehr sind sie direkt durch das Virus verursacht worden. Andere Autopsie-Befunde haben neben alveolären Schäden auch verstopfte Lungengefäße und eine besondere Form von Gefäßneubildungen in der Lunge feststellen können. Dies stellt einen gravierenden Unterschied zu durch Influenza-Viren verursachten Pneumonien dar [Schaller T et al. JAMA Network 2020, DOI:10.1001/jama.2020.8907 und Ackermann M et al. NEJM 2020, DOI: 10.1056/NEJMoa2015432].

Malariamittel enttäuschen

Als erste Zellversuche mit dem Malariamittel Chloroquin gute Ergebnisse bei der Bekämpfung von SARS-CoV-2 gezeigt haben, war die Hoffnung groß, dass eine Behandlungsoption gefunden worden war. Jetzt wurde in einer großen internationalen Beobachtungsstudie herausgefunden, dass Chloroquin und Hydroxychloroquin nicht nur unwirksam gegen COVID-19 waren, sondern wahrscheinlich auch zu mehr kardialen Arrhythmien und Todesfällen geführt haben. Von den knapp 96.000 Patienten hatten 14.888 entweder Chloroquin oder Hydroxychloroquin allein oder in Kombination mit einem Makrolid-Antibiotikum erhalten. Bei allen vier Behandlungsgruppen erhöhte sich das Sterberisiko. Vor allem die Kombination Hydroxychloroquin plus Makrolid-Antibiotikum erwies sich als problematisch, fast jeder vierte so behandelte Patient starb. In der Kontrollgruppe hingegen war es nur einer von elf Patienten. Auch die bereits bekannte QT-Zeit-Verlängerung im EKG trat bei den mit Hydroxychloroquin in Kombination mit Makrolid behandelten Patienten mit zirka acht Prozent häufiger auf als bei der Kontrollgruppe mit 0,3%. Endgültige Klarheit über den Nutzen und das Risiko von Chloroquin bzw. Hydroxychloroquin bei COVID-19-Patienten werden erst die Ergebnisse weiterer randomisierter Studien zeigen [Mehra MR et al. The Lancet 2020, DOI:10.1016/S0140-6736(20)31180-6]. |

Apothekerin Marina Buchheit
 

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