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Cave Riech- und Geschmacksstörungen!

DGN rät bei neurologischen Symptomen zur schnellen Abklärung

Foto: Jens Komossa

Prof. Dr. med. Peter Berlit

Wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mehrfach hervorgehoben hat, ist die neurologische Versorgung in Deutschland auch während der SARS-COV-2-Pandemie gesichert. Darüber hinaus arbeiten neurologische Praxen und Kliniken unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Patienten und des Personals. Es besteht also kein Grund, aus Sorge vor einer Infektion mit SARS-COV-2 oder aus falscher Rücksichtnahme, weil man denkt, andere benötigen ärzt­liche Hilfe dringender, Symptome zu ignorieren und Praxen/Kliniken zu meiden.

Allerdings muss befürchtet werden, dass viele Patienten genau das machen. Das Patientenaufkommen auf den deutschen Stroke Units ist deutlich rückläufig! Offensichtlich stellen sich Betroffene, insbesondere mit leichten Symptomen oder transitorischen ischämischen Attacken (TIA) derzeit nicht einem Arzt vor. Das ist fatal, denn diese leichten Ereignisse ziehen häufig schwere Insulte nach sich – und der Schlaganfall ist unverändert eine Erkrankung mit häufig dramatischen Folgen und eine der Hauptursachen für bleibende Behinderung oder Tod.

Bitte ermuntern Sie Ihre Patienten, bei neurologischen Leitsymptomen (Kopfschmerzen, Schwindel, Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprachstörungen, Gangstörung, Verwirrtheit) einen Arzt aufzusuchen! Das gilt für alle Patienten und sogar in einem besonderen Maße für Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind oder waren. Aktuelle Publikationen zeigen, dass die neuartige Viruserkrankung ganz unterschiedliche neurologische Krankheitsbilder nach sich ziehen kann, wie Riech- und Geschmacksstörungen, Meningoenzephalitis oder Polyneuropathien. Aus diesem Grund muss bei Patienten mit neurologischen Beschwerden an COVID-19 gedacht und umgekehrt bei COVID-19-Patienten auf neurologische Symptome geachtet werden, damit eine neurologische Begleit-/Folgeerkrankung rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird.

Ältere Menschen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind im Kontext der COVID-19-Pandemie nicht nur im Falle einer Ansteckung besonders gefährdet, sie haben auch ein erhöhtes Risiko von Delir und Depression aufgrund der für sie bestehenden erheblichen Einschränkungen und Kontaktverbote. Auch das Risiko der fehlerhaften Einnahme einer Dauermedikation nimmt in diesem Kontext zu. Bei einer Wesensänderung oder Hinweisen auf Verwirrtheit muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden!

Prof. Dr. med. Peter Berlit

Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Berlin

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