Aus den Ländern

Auch in der Krise zusammenstehen

Pharmazeutische Hilfsorganisationen in Deutschland im engen Austausch mit ihren Partnern weltweit

Pharmazeuten sind in der gegenwärtigen Corona-Krise gefragt. In Deutschland beraten sie unermüdlich Patienten und Kunden in der öffentlichen Apotheke. In Ländern des globalen Südens sind sie die ­Experten für die Beschaffung von Arzneimitteln und Medizinprodukten und der Schlüssel für ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Beeindruckend ist, wie in diesen Zeiten pharmazeutische Netzwerke als Wissensvermittler aktiv sind und sich gegenseitig unterstützen. Der Welt­apothekerverband (FIP) hat einen Rechner entwickelt, um den Bedarf von Schutzausrüstung und Sauerstoff abzuschätzen.

Action medeor e. V. arbeitet schon seit Längerem mit der Christian Social Service Commission (CSSC) in Tansania zusammen. CSSC ist eine gemeinnützige, kirchlich verankerte Organisation, die als ökumenischer Dach­verband 900 kirchliche Gesundheits­einrichtungen und 478 kirchliche Bildungseinrichtungen in Tansania vertritt. Action medeor schätzt zusammen mit seinen Partnern den aktuellen Bedarf für Krankenhäuser ab, um so auf COVID-19-Patienten vorbereitet zu sein. In die Überlegungen fließen der Beschaffungszyklus, die Anzahl der erwarteten Patienten und deren Gesundheitszustand und die Anzahl des medizinischen Personals ein.

Foto: action medeor

Mitarbeiter von Association des Femmes pour la Promotion et le Développement ­Endogène (AFPDE) in Südkivu/Kongo DRC.

Schulung in Bedarfsermittlung und Lagermanagement

Auch Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. (AoG) arbeitet in Tansania mit der lokalen Niederlassung von action medeor zusammen. Ein Gesundheitszentrum im Süden Tansanias kauft mit Unterstützung von AoG seit Jahren qualitativ hochwertige Medikamente und Hilfsmittel ein. Die Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch mit Covid-19 darf die normale Versorgung der Patienten, insbesondere chronisch Kranker, ­Malariapatienten oder von Schwangeren, nicht gefährden. AoG schult das Apothekenpersonal in Tansania und anderen Projekten in Bedarfsermittlung und Lagermanagement. In Uganda hat AoG zusammen mit Apotheker Helfen e. V. (AH) und der lokalen EMESCO Development Foundation einen pharmazeutischen Großhandel unter Leitung eines Apothekers im ­Kibaale Distrikt eingerichtet. In dieser ländlichen Gegend gab es vorher keinen einzigen ausgebildeten Pharmazeuten und die Gesundheitseinrichtungen bestellten Medikamente ausschließlich in der Hauptstadt. Die Einführung einer AoG-Software zum Lagermanagement erleichtert nun die Bestandsführung enorm.

EMESCO setzt mit der Unterstützung von AH neben der Verbesserung der Händehygiene durch Aufstellen von Waschplätzen im gesamten Distrikt auf Aufklärung. Community Health Worker beraten ihre Dorfbevölkerung, und das lokale Radio sendet Hunderte von Aufklärungsspots und produziert Informationssendungen.

Foto: Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Gemeinsame Bestandskontrolle von Arzneimitteln.

Erfahrungen aus der Ebola-Epidemie

Apotheker Helfen e. V. (AH) unterstützt Don Bosco Fambul in Sierra Leone dabei, seine Vorräte an Hygieneartikeln, Arzneimitteln und Grundnahrungsmitteln aufzustocken. Aus der Ebola-Epidemie 2014 gibt es vor Ort viel Erfahrung. Schutzmasken sind noch auf Lager. Heime, die Kindern und Jugendlichen ein Zuhause geben, sind für Besucher geschlossen. Junge Mädchen und Frauen, die sich zum Unterhalt ihrer Familien auf den Straßen von Freetown prostituieren, sind oft HIV-positiv. Diese vulnerablen Gruppen benötigen Schutz und Versorgung.

Die Fachstelle für Pharmazeutische Entwicklungszusammenarbeit des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) in Tübingen arbeitet eng mit kirchlichen Gesundheitspartnern in zwölf afrikanischen Ländern zusammen. Schwerpunkt­länder mit hohem Bedarf sind Liberia, Tschad und Kongo DRC.

Lokale Produktion von Desinfektionsmitteln geplant

Das Difäm unterstützt insbesondere kirchliche Zentralapotheken bei der Versorgung der Gesundheitseinrichtungen, beim Aufbau von Qualitäts­sicherungssystemen und in der Qualitätskontrolle durch das GPHF Minilab. Mit den Zentralapotheken plant Difäm nun die lokale Produktion von Desinfektionsmitteln nach WHO-Vorgaben (insbesondere die Zusammensetzung Ethanol, Glycerin, H202). Zwei kamerunische Zentralapotheken haben bereits mit der Produktion begonnen. Herausfordernd bleibt die lokale Beschaffung der Ausgangsstoffe in ausreichender Menge und Qualität.

Foto: Difäm

Händedesinfektionsmittel werden in der Zentralapotheke einer kirchlichen Organisation hergestellt.

Außerdem unterstützt das Difäm kirchliche Gesundheitsverbände und deren Krankenhäuser im klinischen Bereich. Dies schließt die Sauerstoffversorgung und die Bereitstellung von Schutzmaterialien ein. Aktuell führt das Difäm eine umfassende Bedarfsabfrage bei den lokalen Partnern durch. Mit Unterstützung von „Brot für die Welt“ und weiteren Akteuren sind ­große Beschaffungen geplant, für Schutzmaterialien sollen die Lieferungen gegebenenfalls auch direkt aus Asien kommen.

Spenden willkommen

Die pharmazeutischen Hilfsorganisationen aus Deutschland sorgen sich um ihre Partner, deren finanziellen Mittel begrenzt sind, aber für die Patienten da sein wollen. Deshalb zählt jede Spende auf die folgenden Konten:

  • Deutsches Medikamenten­hilfswerk, action medeor e. V, Spendenkonto: Deutsche Bank in Krefeld, IBAN: DE62 3207 0080 0011 8000 00, www.medeor.de
  • Apotheker Helfen e. V., Spendenkonto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE02 3006 0601 0004 7937 65, www.apotheker-helfen.de
  • Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V., Spenden­konto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE88 3006 0601 0005 0775 91, www.apotheker-ohne-grenzen.de
  • Deutsches Institut für Ärztliche Mission e. V. – Difäm e. V., Spendenkonto: Evangelische Bank eG, IBAN: DE36 5206 0410 0000 4066 60, www.difaem.de

Chloroquin-Fälschungen aufgedeckt

Im Zusammenhang mit COVID-19 kam es in vielen afrikanischen Ländern zu einer erhöhten Nachfrage nach dem Malariapräparat Chloroquin, obwohl es keine Belege gibt und es gerade in klinischen Studien untersucht wird. Unter solchen Bedingungen ist auch die Gefahr von Arzneimittel­fälschungen besonders hoch.

Ein Difäm-Partner in Kamerun deckte Ende März drei Chloroquin-Fälschungen anhand des GPHF Minilabs auf. Die nationale Behörde reagierte schnell und veröffentlichte am 30. März 2020 eine Warnmeldung. Im Kongo (DRC) haben Partnerorganisationen zwei Chloroquin-Fälschungen aufgedeckt. Daraufhin publizierte die WHO zeitnah am 31. März 2020 eine umfassende Warnmeldung bzgl. gefälschter medizinischer Produkte, Diagnostika und Medikamente, in Zusammenhang mit COVID-19.

Die Arbeit des Difäm, insbesondere das Minilab-Netzwerk mit 15 Partnern, steht in engem Zusammenhang mit dem „Ökumenisch-Pharmazeu­tischen Netzwerk“ (EPN).

Das EPN mit Sitz in Nairobi mit 115 Mitgliederorganisationen in 37 Ländern wird von den pharmazeutischen Hilfswerken in Deutschland unterstützt. Mehr als 300 Millionen Menschen sind auf die Gesundheitsversorgung durch Gesundheitseinrichtungen der Netzwerkmitglieder angewiesen. Die Mehrheit der Mitglieder sind christliche Organisationen, keine ist staatlich. Sie decken rund 40 bis 60% der Gesundheitsversorgung ab.

Es zeigt sich, dass Apothekerinnen und Apotheker für die Arzneimittelversorgung und Ausrüstung zur Prävention und Infektionskontrolle weltweit unverzichtbar sind. |

Apotheker helfen e. V./ba

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