Pandemie Spezial

Bargeld als Statement

Ein Kommentar

Dr. Thomas Müller-Bohn, DAZ-Redakteur

In der Pandemie ist fast alles anders. Hoch geschätzte und auf die Dauer lebensnotwendige menschliche Kontakte werden zum Problem. Als kleiner Nebeneffekt wird kontaktloses Bezahlen zu einem relevanten Argument. Kontaktverfolgung über das Smartphone könnte zu einem aussichtsreichen Werkzeug gegen die unsichtbare Bedrohung durch Viren werden. Doch das alles wird sich wieder ändern – hoffentlich bald. Soziale Distanzierung ist auf die Dauer zutiefst unmenschlich. Darum kann diese Krise kein Maßstab für langfristige Entscheidungen sein.

Bargeldloses und besonders kontaktloses Bezahlen hat derzeit einige Vorteile, aber auf die Dauer dürfen die Nachteile nicht vergessen werden. Das sind zunächst die Kosten, die entstehen müssen, wenn ein zusätzlicher Dienstleister beteiligt wird. Außerdem hinterlässt jede elektronische Zahlung eine Datenspur. Dabei wird nicht nur die Anwesenheit eines Kunden registriert, sondern meist werden auch die gekauften Produkte und die gezahlten Beträge erfasst. Solche Daten verraten viel über Kunden. Mit Bargeld zu zahlen, ist damit auch ein Statement gegen das Sammeln persönlicher Daten und gegen eine diffuse Überwachung, von der niemand weiß, wer letztlich welche vielleicht auch falschen Schlüsse aus den Daten ziehen wird. Wer bar zahlt, setzt ein Signal für persönliche Freiheit, Unabhängigkeit und die Wahrung der Privatsphäre. Wer die möglichen Folgen des wachsenden Berges an sinnlosem Datenmüll weiter denkt, wird Bargeld chic finden. Letztlich sind Geldscheine und Münzen die „smartesten“ Zahlungsmittel, weil sie immer wieder anderen Menschen für neue Zahlungsvorgänge dienen. Das schließt nicht aus, dass es gelegentlich gute Gründe gibt bargeldlos zu zahlen. Doch je häufiger dies geschieht, umso schwerer wiegen auf die Dauer die Nachteile. Nach der Pandemie sollten wir uns darauf besinnen.

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