Gesundheitspolitik

Adexa kämpft für das Rx-Versandverbot

Offener Brief an Politiker in Bund und Ländern / Deutliche Kritik an Bundesgesundheitsminister Spahn

ks | In einem offenen Brief wendet sich der Vorstand der Apothekengewerkschaft Adexa an Gesundheitspolitiker in Bund und Ländern mit dem dringenden Appell, dass diese sich für eine „vollständige und zeitnahe Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit“ für verschreibungspflichtige Arzneimittel einsetzen. Und zwar im Sinne des Koalitionsvertrags: mit einem Rx-Versandverbot.

Der Brief der Adexa-Vorstände Andreas May und Tanja Kratt ist vor allem an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, an die Bundestagsfraktionen sowie die Gesundheitsminister der Länder gerichtet. Zur Einleitung zitieren May und Kratt die Passage zum Rx-Versandverbot im Koalitionsvertrag von Union und SPD: „Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein.“ Sodann bitten sie die Politik im Namen der rund 144.000 Angestellten in öffentlichen Apotheken sowie des Berufsnachwuchses: „Setzen Sie sich für die vollstän­dige und zeitnahe Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ein. Und zwar so, wie es im Koalitionsvertrag beschrieben ist: mit einem Verbot des Rx-Versandhandels.“

© Kai Felmy

Weiter heißt es im Brief: „Immer wieder stellen wir mit Sorge fest, dass Bundesgesundheitsminister Spahn dieses Ziel des Koalitionsvertrages nicht umsetzen will. Stattdessen propagiert er eine ‚90-prozentige Gleichpreisigkeit‘, die weder logisch, gerecht noch gerichtsfest ist. Als Argument gegen das Rx-Versandverbot führt er ein Veto anderer Ministerien (BMJ, BMWi) an, obwohl auch diese Häuser sich dem Koalitionsvertrag verpflichtet fühlen müssten. Eine Petition mit über 400.000 Unterzeichnern wird von Minister Spahn inhaltlich komplett ignoriert – angestoßen wohlgemerkt von einem Vertreter des apothekerlichen Berufsnachwuchses (!) und Mitglied seiner eigener Parteijugend.“

May und Kratt fragen sich, wie sich Wählerinnen und Wähler noch auf die Politik und ihre Versprechen verlassen können. Und sie verweisen auch auf das enorme „Apothekensterben“ im vergangenen Jahr: Rund 350 Apotheken gebe es weniger. Doch darüber gehe der Bundesgesundheitsminister hinweg und verweise als Alternative auf den Einsatz von Drohnen mit einem Beratungsmonitor. „Ist das die Vision der deutschen Gesundheitspolitik von ‚Heimat‘?“, fragen die Gewerkschaftsvertreter – und stellen klar: „Die Vision der Apothekenteams ist es nicht!“

Abschließend betonen sie, dass zeitnahe Lösungen nötig seien, um die Vor-Ort-Apotheken zu stärken und Arbeitsplätze im Inland zu sichern – „damit Patienten gut, empathisch und schnell von pharmazeutischem Fachpersonal beraten und versorgt werden können“. Die hei­mische Apothekenlandschaft sei für die Menschen in Deutschland unverzichtbar, so Kratt und May – so beispielsweise aktuell bei Fragen zur Prävention gegen Grippe- und Coronaviren. |

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