Gesundheitspolitik

Virologe Kekulé setzt auf Apotheker

Den niederschwelligen Zugang nutzen: Apotheker sollen beraten, testen und impfen

ks | Für den Virologen Prof. Alexander Kekulé vom Universitätsklinikum Halle ist schon lange klar: Auch Apotheken sollten Antigen-Schnelltests durchführen dürfen. In anderen Ländern ist das bereits möglich – und manch einer reibt sich die Augen, dass nun auch Lehrer testen dürfen, zumindest sich selbst. Auch Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein findet: Die Schnelltests müssen jetzt auch für die Abgabe an Laien freigegeben werden.

Die Apothekerverbände Niedersachsen, Bayern und Nordrhein sowie der Versicherungsrechtsexperte Jascha Arif hatten am vergangenen Donnerstag zu einer Online-Gesprächsrunde zu neuen Aufgabenfeldern für Apotheken geladen, speziell dem Impfen und der Durchführung von Coronatests. Mit von der Partie waren neben Preis und Kekulé auch die Schweizer Apothekerin Natalia Blarer Gnehm, die selbst in ihrer Apotheke impft und auf Corona testet, sowie Josef Kammermeier, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes, der am Modellprojekt zur Grippeimpfung in der Oberpfalz teilnimmt. Beide berichteten von ihren guten Erfahrungen mit ihren zusätzlichen Angeboten.

Kekulé erklärte, er habe schon im vergangenen März Schnelltests empfohlen, während etwa die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesgesundheitsministerium diese noch lange skeptisch gesehen hätten. Die Überzeugungsarbeit, dass Antigen-Schnelltests nutzen, sei „ähnlich mühsam wie bei den Masken“ gewesen. Ab August sei man immerhin nicht mehr beschimpft worden, wenn man für den breiten Einsatz von Schnelltests plädierte. „Es geht um einen niederschwelligen Zugang“, betonte Kekulé – und den biete die Apo­theke. Zumal es immer mehr skeptische Leute gebe, die nicht zum Gesundheitsamt gehen wollten, weil sie von diesem Einschränkungen fürchten. Sie hätten lieber ein schnelles Ergebnis, etwa um die Großeltern sorgenfrei besuchen zu können. Wichtig sei für diese Menschen auch die Beratung. Der Test selbst, so der Virologe, sei nach kurzer Übung unproblematisch durchführbar. Antikörpertests, wie sie etwa bei dm angeboten werden, hält Kekulé übrigens für völlig überschätzt, sogar unsinnig.

Was Impfungen betrifft, sähe Kekulé die Apotheken auch gern stärker eingebunden – nicht nur bei Grippeimpfungen in Modellprojekten, sondern auch sonst bei Standardimpfungen, die keine Komplikationen befürchten lassen und bei denen der Aufklärungsaufwand überschaubar ist. Allerdings erwartet er hier Widerstand seitens der Ärzte. Die Impfung gegen COVID-19 gehört für ihn jedoch nicht in die Apotheke – was derzeit ohnehin nicht diskutiert wird, zumal der erste Impfstoff von Bion­tech/Pfizer in mehrerer Hinsicht heikel ist: Nicht nur aus Gründen der Stabilität, sondern auch, weil er keine allgemeine Marktzulassung haben wird.

Ein Plädoyer pro Schnelltests in der Apotheke kam auch von Preis. Man müsse aufpassen, hier nicht in ein Zwei-Klassen-System zu geraten: Kann der Lehrer an Weihnachten die Eltern besuchen, weil er selbst einen Test bei sich durchführen darf, während andere keine Chance haben, einen Schnelltest in der Apotheke zu bekommen? Aber Preis ist optimistisch: Es gebe Signale, dass sich an der gegen­wärtigen Situation etwas ändern wird, wenn die Kapazitäten reichen. Denn ein Knackpunkt ist derzeit die begrenzte Verfügbarkeit der Antigentests.

Anwalt Arif erklärte perspektivisch, dass das Testen auch versicherungstechnisch kein Problem ist. Wichtig sei aber, dem Versicherer die neue Tätigkeit anzuzeigen und eine Deckungszusage einzuholen. |

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