Wirtschaft

Von der Shop Apotheke direkt zu Zava

Versender und Online-Arztpraxis arbeiten Hand in Hand / Umgehen der Verschreibungspflicht mit Rezepten auf der Grundlage eines Fragebogens

cha | Alles aus einer Hand bietet die Shop Apotheke ihren Kunden an: Wer kein Rezept hat, wird von der Website des niederländischen Versenders per Mausklick direkt an die Online-Arztpraxis Zava weitergeleitet. Schnell noch ein Fragebogen ausgefüllt, und schon wandert das gewünschte Rezept zur Shop Apotheke, die das Arzneimittel dann versendet. Die beiden Geschäftspartner sehen darin weder eine unzulässige Zuweisung von Verordnungen und Patienten noch eine Umgehung der Verschreibungspflicht.

Nachdem die britische Online-Arztpraxis Zava zunächst ihre Kunden in Deutschland über EU-Versender mit Arzneimitteln versorgt hatte, gibt es seit Februar eine Kooperation mit deutschen Vor-Ort-Apotheken. Denn seither ist Zava an die Arzneimittel-Vorbestell-App „Call my Apo“ des apothekereigenen Dienstleistungskonzerns Noventi und somit an das etwa 5000 Apotheken starke Netzwerk angebunden. Doch seit April ist die Freude über diese Zusammenarbeit dadurch getrübt, dass die niederländische Shop Apotheke und Zava eine Kooperation ein­gingen. Und das nicht nur hinter den Kulissen, sondern mittler­weile auch ganz offensiv auf der Website der Shop Apotheke.

Zwar dürfen laut § 11 Apothekengesetz „Erlaubnisinhaber und Personal von Apotheken (…) mit Ärzten (...) keine Rechtsgeschäfte vornehmen oder Absprachen treffen, die eine bevorzugte Lieferung bestimmter Arzneimittel, die Zuführung von Patienten, die Zuweisung von Verschreibungen (…) zum Gegenstand haben“ – und das gilt ausdrücklich auch für EU-Versender. Aber das hält die Shop Apotheke nicht davon ab, den Kunden auf ihrer Website den Zugang zu einem „Online-Arzt“ per Mausklick anzubieten. Wörtlich steht dort: „Entdecken Sie jetzt unseren neuen Service in Kooperation mit der Online-Arztpraxis ZAVA (...) ZAVA behandelt aktuell rund 30 medizinische Indikationen und bietet Ihnen einen sicheren und komfortablen Weg Ihre verschreibungspflichtigen Medikamente ohne Besuch in einer Arztpraxis zu erhalten. Beantworten Sie dafür einfach einen standardisierten medizinischen Online-Fragebogen. Die ZAVA-Ärzte prüfen Ihre Anfrage, stellen bei Eignung Ihr Rezept aus und übermitteln es direkt an SHOP APOTHEKE.“ Der Versand des Medikamentes soll dann in ein bis zwei Werktagen erfolgen.

Damit ist klar: Neben der verbotenen Zuweisung von Patienten und Verschreibungen wird auch die Verschreibungspflicht ausgehebelt, da der „standardisierte medizinische Online-Fragebogen“ wohl kaum mit einer Fernbehandlung vergleichbar ist.

Shop Apotheke: Bieten eine Vielzahl an Alternativen

Die beiden Geschäftspartner sehen das naturgemäß ganz anders. Auf Anfrage der AZ, wie die auf der Website der Shop Apotheke bestehende direkte Verbindungsmöglichkeit zu Zava zu vereinbaren sei mit der freien Arzt- und Apothekenwahl, lautet die Antwort vom niederländischen Versender: „Die Patienten können frei entscheiden; ihnen wird – was die Arzt- und Apothekenauswahl angeht – eine Vielzahl von Alternativen angeboten. Die freie Apothekenwahl der Patienten sowie die Unabhängigkeit der Ärzte sind durch unsere Zusammenarbeit mit Zava in keiner Weise gefährdet.“ Tatsächlich findet sich auf der Webseite, auf der ein Button direkt „Zum ZAVA Online-Arzt“ führt und zudem dessen Leistungsspektrum ausführlich dargestellt wird, nach einigem Scrollen auch noch der Hinweis auf stationäre Ärzte in der Nähe mit zwei Links zu Jameda. Keine Bedenken hat man bei der Shop Apotheke auch bezüglich der bei Zava auf der Grundlage eines Fragebogens ausgestellten Verordnungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Auf die Frage, ob man dies für vereinbar mit der Verschreibungspflicht hält, lautet die Antwort schlicht „ja“.

Ähnlich sieht man dies bei Zava. Bezüglich der freien Arzt- und Apothekenwahl antwortet die Presseabteilung des Online-Arztes: „Patienten haben bei Zava immer die Wahlmöglichkeit: Im Gegensatz zu anderen Telemedizin-Anbietern können sich Patienten in der Zava App verschiedene Arztprofile ansehen und dann einen Arzt selbst aussuchen. Bei Rezeptausstellung übermittelt Zava das Rezept entweder an Versandapotheken oder an eine von mehr als 6500 Apotheken vor Ort.“

Bedenken, dass mit der Verordnung eines Rx-Medikaments aufgrund eines Fragebogens die Verschreibungspflicht ausgehebelt wird, hat man bei Zava nicht. „Jede Konsultation bei Zava wird persönlich von einem Arzt vorgenommen und verantwortet. Rezepte werden ausschließlich bei zweifelsfreier Diagnose ausgestellt. Und das nur für Indikationen, die unbedenklich telemedizinisch behandelt werden können.“ Bei Unklarheiten würden die Ärzte direkt beim Patienten nachfragen, nach weiteren Befunden oder Dokumenten fragen oder bei Verläufen, die gegen eine telemedizinische (Weiter-)Behandlung sprechen, an einen Arzt vor Ort verweisen. |

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