Gesundheitspolitik

ABDA-Wahlen: Kandidatenfeld lichtet sich

Doch keine bayerische Doppelspitze

eda/cha | Seit vergangener Woche steht fest, wer Ambitionen auf die einzelnen Ämter an der ABDA-Spitze hat – und jeder hat seinen eigenen Posten in Aussicht. Damit werden die Wahlen Ende 2020 – aus heutiger Sicht – eher unspektakulär ablaufen, denn Gegenkandidaten sucht man vergebens.

Im März dieses Jahres kündigten sich die ABDA-Vorstandswahlen noch mit einem Paukenschlag an: Die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Regina Overwiening, eröffnete auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Berlin allen Anwesenden, dass sie als ABDA-Präsidentin kandidieren will. Der amtierende Präsident Friedemann Schmidt hatte seinen Rückzug von der standespolitischen Bundesbühne bereits zum Jahreswechsel bekannt gegeben. In den letzten Tagen kristallisierte sich heraus, wer an die Spitze der Bundesapothekerkammer (BAK) und des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) strebt. Auch die jeweiligen Stellvertreter haben ihre Hüte in den Ring geworfen.

Foto: ABDA / Peter van Heesen

Thomas Dittrich aus Sachsen ist bislang einziger Bewerber für den DAV-Vorsitz.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob an der ABDA-Spitze zukünftig eine bayerische Dominanz drohe: Als im August der schwer erkrankte und vergangene Woche verstorbene BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer eine weitere Amtszeit für sich ausschloss, warf Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Landesapotheker­kammer, seinen Hut in den Ring. Gleichzeitig positionierte sich Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes (BAV), als ein möglicher Nachfolger von Fritz Becker an der Spitze des DAV. Becker hatte Ende August angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Doch Hubmann lenkte in der vergangenen Woche ein: Er werde auch als stellvertretender Vorsitzender weiterhin für den DAV aktiv sein.

Ambitionen auf das Amt des DAV-Vorsitzenden hat seitdem einzig und allein Thomas Dittrich, der seit 2015 an der Spitze des Sächsischen Apothekerverbands steht und Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des Deutschen Apothekerverbands ist. In seiner Pressemeldung zur Kandidatur äußerte Dittrich: „Ich halte die aktuelle Situation mit weniger als 19.000 bundesweiten öffentlichen Apotheken für äußerst alarmierend. Diesen Abwärtstrend müssen wir dringend stoppen, insbesondere um die Versorgungsstruktur auf dem Land zu stabilisieren. Dazu brauchen wir junge Apothekerinnen und Apotheker, die die Selbstständigkeit mit all ihren Risiken und Chancen suchen und eine öffentliche Apotheke übernehmen möchten.“ Dabei ging Dittrich auch auf die große Konkurrenz durch alle anderen Bereiche, in ­denen Apotheker tätig sind, ein. In den kommenden Monaten und Jahren müsse der Berufsstand sich u. a. mit der Frage befassen: „Was macht den Arbeitsplatz in der öffentlichen Apotheke attraktiver?“

Benkert und Funke an der BAK-Spitze

Gegenüber der AZ erklärte Thomas Benkert: „An der Spitze der BAK möchte ich in den nächsten Jahren an den zahlreichen Herausforderungen wie der Umsetzung des E-Rezepts, der Etablierung honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen, der Novellierung der Approbationsordnung und dem Abbau überbordender Bürokratie im Apothekenbereich mitwirken.“ Als seine mögliche Stellvertreterin hat sich Ursula Funke aus Hessen ins Gespräch gebracht. „Sehr gerne würde ich als Stellvertreterin von Thomas Benkert die Bundesapothekerkammer durch die nächsten Jahre führen“, so Funke auf An­frage der AZ. Im Fokus ihrer Arbeit sieht sie den Patienten: „Die Zahl der Verkehrstoten ist in den letzten Jahrzehnten durch zahlreiche präventive Maßnahmen wie Gurte, ABS oder Airbags massiv gesunken. Das muss dringend auch bei der Zahl an Patienten geschehen, die jährlich durch arzneimittelbezogene Probleme versterben.“ Im Hinblick auf die Einführung der pharmazeutischen Dienstleistungen weist sie auf die ergänzenden Aufgaben von BAK und DAV hin: „Eine vertrauens­volle Zusammenarbeit unter dem Dach der ABDA ist wichtig, um den Apothekerberuf und die Apotheke weiterzuentwickeln. Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, unsere hochwertige und flächendeckende Arzneimittelversorgung durch inhabergeführte Apotheken für die Patienten zu erhalten und zu stärken.“

Gegen eine bayerische Mehrheit an der ABDA-Spitze – mit Benkert als BAK-Präsident und Hubmann als DAV-Vorsitzender – hätte übrigens keine Satzungsregelung gesprochen. Das hat es schon in der Vergangenheit gegeben. „Erinnern wir uns nur an die gemeinsame Amtszeit von Heinz-Günter Wolf als ABDA-Präsident und Magdalene Linz als BAK-Präsidentin“, erklärt Benkert. Wolf und Linz kamen damals aus Niedersachsen. |

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