Gesundheitspolitik

„Ich bin nicht Nummer 53“

Jungunternehmer will Insellösungen bei eRezept-­Plattformen ­verbinden – was steckt dahinter?

eda | Apothekerverbände, Krankenkassen, Softwarehäuser, ­Abrechnungsdienstleister und ausländische Arzneimittelversender – sie alle beschäftigen sich auf ihre Weise mit der Einführung des eRezeptes. Seitdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Startschuss für die elektronischen Verordnungen gegeben hat, sind Modellprojekte, Plattformkonzepte und neuartige Geschäftsmodelle wie Pilze aus dem Boden geschossen. 52 Pilot- und Modellprojekte will Gematik-Chef Dr. Markus Leyck Dieken gezählt oder vielmehr geschätzt haben. Nun kommt mit eRixa ein weiteres System um die Ecke – doch Nummer 53 will es nicht sein, sondern alle Lösungen im Markt unter einen Hut bringen.

Der junge Mann hinter eRixa hat es nicht leicht, wenn er sein Konzept Vor-Ort-Apothekern erklären soll. Wenn Stefan Odenbach mit seinen Gesprächspartnern Kontaktdaten austauscht, übergibt er nämlich stets zwei Visitenkarten. Auf der einen steht er als Geschäftsführer seiner eigenen Firma PSO (PrimaSmartOffice), mit der er eRixa in den letzten Jahren entwickelt hat. Auf der anderen prangt das Logo von König IDV, dem Abrechnungsdienstleister von DocMorris und Shop Apotheke – einer Tochtergesellschaft der Zur Rose-Gruppe. Einen schlechteren Gesprächseinstieg für den 37-Jährigen könnte man sich wahrlich nicht vorstellen.

„eRixa ist das Bindeglied zwischen den Insellösungen für das eRezept. Wir verknüpfen bestehende Pilotprojekte, damit das eRezept so bald wie möglich deutschlandweit in der Versorgung aller Kassen- und Privatpatienten ankommt“, verkündete der Jungunternehmer in einer Pressemitteilung. Aus ­Ravensburg stammt er und beobachtete in den vergangenen Monaten quasi vor der eigenen Haustür das Prestige-Modellprojekt der Apothekerschaft in Sachen eRezept, GERDA. Eigenen Angaben zufolge war er selbst der erste Patient, der sich per Fernbehandlung seine Asthma-Präparate elektronisch verordnen ließ und sie in einer Apotheke in Empfang nehmen konnte. Aus seinem eigenen Blickwinkel lernte er auch das eRezept-Pilotprojekt der Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg kennen. Mit dabei ist seit letztem Jahr u. a. neben Ärzten und Apotheken der Abrechnungsdienstleister König IDV.

Von GERDA über die TK in Hamburg zu eRixa

Odenbach wirkte also an vorderster Front mit und erhielt wichtige Einblicke in die technische Machbarkeit von eRezepten. Dabei vermisste er von Anfang an die Patientensicht. Daher wollte er nicht noch ein weiteres Konzept auf den Markt werfen, sondern eine inter­operable Plattform kreieren, die alle bisherigen Lösungen vereint. Ärzte, Apotheker und Patienten müssten so nicht eine Vielzahl an Anwendungen gleichzeitig nutzen. Mit Sorge werden auch weniger die Patienten und Apotheker betrachtet, sondern eher die Ärzte, deren Bereitschaft für die Ausstellung von eRezepten als nicht so hoch bewertet wird.

eRixa ist als Smartphone-App für Android und iOS sowie als Webportal im Browser verfügbar und soll den gesamten Rezeptprozess lückenlos abdecken – von der Verordnung bis zur Verrechnung. ­Dabei wird die vorläufige eRezept-Spezifikation der Gematik berücksichtigt. Und weil eRezepte erst ab Juli 2021 verpflichtend über die Telematikinfrastruktur (TI) versendet werden müssen, lässt Odenbach die verordnenden Ärzte sich per qualifizierter elektronischer Signatur authentifizieren. Dazu nutzt er das TrustCenter von T-Systems. Neben eRezepten sollen auch klassische Papierrezepte, etwa für Hilfsmittel, Betäubungsmittel oder digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) digitalisiert und verschickt werden können. Auf Apotheker- und Arztseite ist übrigens keine spezielle Anwendung notwendig – und das könnte der entscheidende Vorteil von eRixa sein. Denn damit können elektronische Verordnungen unabhängig vom jeweiligen Softwaresystem in der Apotheke empfangen, bearbeitet und beliefert werden und die Bereitschaft bei den Ärzten zur Ausstellung von eRezepten werde deutlich größer.

Niederländischer Versender während Testphase dabei

Mit 25.000 Euro Innovationsförderung unterstützte das Land Baden-Württemberg Odenbachs Entwicklung über anderthalb Jahre. Ein ­offener Feldversuch läuft seit gut zwei Wochen. Mit an Bord sind vier Ärzte und – ausgerechnet eine niederländische Versandapotheke aus Bad Neuschanz (Apons.eu). Doch das sieht der Unternehmer als großen Vorteil in der aktuellen Testphase an. Weil der Arzneimittelversender Apons Awinta-Kunde ist, könnte diese Erfahrung auf rund 7000 Vor-Ort-Apotheken in ganz Deutschland übertragen werden. Die Schnittstelle zu Awinta stehe, die Einrichtung dauere nur wenige Minuten und laufe per Fernwartung, erklärt Odenbach. Die aktive Mitwirkung des Softwareanbieters sei dabei nicht notwendig. Auch die anderen Anbieter im Markt könnten problemlos angebunden werden. Diese würden jedoch größtenteils noch auf die endgültige Gematik-Spezifikation warten.

Eine Erfolg versprechende Lösung?

Nach Informationen der AZ laufen aktuell sehr konkrete Gespräche zwischen Odenbach und einem bedeutenden Softwareanbieter im Apothekenmarkt. Es scheint, als kristallisiere sich eRixa in den ­Augen der IT-Spezialisten als eine Erfolg versprechende Lösung heraus und könnte alle Beteiligten im Rezeptprozess tatsächlich lückenlos und niederschwellig verbinden.

Wer weiß, wo Stefan Odenbach und sein Projekt in einem Jahr ­stehen und welche Visitenkarten er dann mit seinen Gesprächs­partnern austauscht. |

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