Gesundheitspolitik

Liebesgrüße aus Berlin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schreibt Dankesbrief an die Apotheken

cha | Bislang wurden die Vor-Ort-Apotheken von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nicht gerade mit Zuneigung überschüttet. Im Gegenteil: Nach wie vor lehnt Spahn es ab, das im Koalitionsvertrag vereinbarte Rx-Versandverbot umzusetzen und sie damit vor der unfairen Konkurrenz der EU-Versender zu schützen. Nun hat der Minister aber eine Charme-Offensive gestartet und den Apothekern in einem Brief gedankt.
Foto: imago images/Jens Schicke

Minister Spahn bittet die Apotheker um Vertrauen und Mithilfe.

Der Brief richtet sich an die „Leiterinnen und Leiter der öffentlichen Apotheken und der Krankenhausapotheken Deutschlands“. Nach einleitenden Worten zu den Folgen der Corona-Pandemie betont Spahn, die Apotheker und ihre Mitarbeiter seien „ein entscheidender Baustein in der Versorgung, um die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu unterstützen und zu schützen“. Weiter heißt es: „Mit Ihrer Expertise und Leidenschaft tragen Sie dazu bei, unter schwierigen Bedingungen die Versorgung mit Arzneimitteln, Desinfektionsmitteln und Medizinprodukten sicherzustellen.“ Als besonders wertvoll zeige sich in dieser besonderen Lage die für Apotheken prägende Verbindung von pharmakologischerArzneimittelkenntnis und technologischer Herstellungs- praxis, wodurch Vor-Ort-Apotheken und Krankenhausapotheken sehr schnell und flexibel auf besondere Anforderungen in der Pandemie-Situation reagieren könnten. „Nur durch Ihren Einsatz können wir es schaffen, die notwendige Versorgung von Patientinnen und Patienten, wie zum Beispiel von chronisch Kranken oder älteren Menschen, aber auch die Versorgung der COVID-19-Erkrankten bestmöglich zu sichern“, so Spahn weiter. Und er dankt den Apothekern ausdrücklich: „Vielen herzlichen Dank für diesen außergewöhnlichen Einsatz.“

Natürlich versäumt Spahn es aber auch nicht, darauf hinzuweisen, dass er die Apotheker bei ihren Aufgaben unterstützt. Es sei richtig, „dass Apotheken nur dann aufgesucht werden sollen, wenn es nötig ist – zum Schutz des Apothekenpersonals und der Patientinnen und Patienten“. Chronisch Kranke und ältere Menschen sollten sich keinem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen, zudem müssten Menschen in angeordneter Quarantäne und in häuslicher Isolation versorgt werden. Deshalb werde für die Erbringung von Botendiensten per Verordnung eine zeitlich befristete finanzielle Unterstützung von fünf Euro je Botendienst und eine Unterstützung von 250 Euro je Apotheke zur persönlichen Ausstattung des Botendienstes vorgesehen. Außerdem werde der Austausch von Arzneimitteln in der Apotheke bei Nichtverfügbarkeit erleichtert (s. auch Beitrag auf Seite 1).

Der Brief schließt mit den Worten: „In dieser für unser Land schwierigen Herausforderung bitte ich Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Mithilfe.“

Das Vertrauen der Apotheker dürfte der Minister allerdings in den vergangenen beiden Jahren weitgehend verspielt haben. Ob die Corona-Krise daran etwas zu ändern vermag, wird insbesondere davon abhängen, ob auf die „Liebesgrüße aus Berlin“ auch Taten zum Schutz der Vor-Ort-Apotheken folgen. |

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