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Management

Erfa-Gruppe vs. Einzel-Coaching

Was bringt Führungskräfte weiter?

Bei der Frage, was grundsätzlich am hilfreichsten ist, ein Einzel-Coaching oder die Teilnahme an einer Erfahrungsaustausch-Gruppe, wird Ihre Antwort vielleicht lauten: „Das hängt doch ganz vom Anliegen oder der Frage ab, die ich habe.“ Auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt. Um im Bedarfsfall beide Optionen nutzen zu können, braucht es ­einen gewissen Vorlauf und einen Blick auf die Details.

Bei einer Erfahrungsaustausch-Gruppe treffen sich die Teilnehmer regelmäßig, um sich über die Belange ihrer Unternehmen (aus der gleichen oder aus verschiedenen Branchen) auszutauschen. Die Organisation und Moderation können die Mitglieder leisten, häufig wird dies jedoch von einem externen Experten, z. B. einem Steuerberater, übernommen, der bei den Tagungen zusätzlichen Input bietet. Die thematische Gestaltung richtet sich nach den Wünschen der Teilnehmer und lässt meistens Platz für individuelle Fragestellungen. Die Gruppen liegen in einer Größe von 10 bis 15 Personen, bei deren Zusammensetzung darauf geachtet wird, dass es sich nicht um Leitungskräfte konkurrierender Betriebe handelt.

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In einer Erfa-Gruppe findet ein Informationsaustausch auf Augenhöhe statt. Jeder hat die Chance, vom anderen zu lernen.

Wer sich für eine Erfa-Gruppe entscheidet, bekommt die Vorteile von Unternehmensberatung, Fortbildung und Netzwerk in einem. Betriebswirtschaftliche Themen stehen zumeist im Fokus und werden durch den Erfahrungsschatz der Kollegen angereichert. Im Austausch auf Augenhöhe wird die Entwicklung der einzelnen Unternehmen besprochen. Zu dem Zweck finden abwechselnd Besichtigungen in den zugehörigen Betrieben statt. Geschäftskonzepte, Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung oder Umstrukturierungen werden vorgestellt und diskutiert. Die Mitglieder der Erfa-Gruppe fungieren als Netzwerkpartner. Im optimalen Fall stellen sie ihr Wissen, ihre Ideen und ihre Kontakte zur Verfügung, um sich gegenseitig weiterzubringen. Aus den Fragestellungen, die in anderen Betrieben auftauchen, lassen sich auch für das eigene Unternehmen neue Ansätze gewinnen. Dienen sollen die Treffen dementsprechend dem Austausch von Informationen und Wissen, der Zusammenarbeit an gemeinsamen Zielen, der Sicherung von Qualität sowie dem Wettbewerbsvorteil durch schnelles Wachstum und eine verbesserte Zukunftsperspektive.

Um die Vorteile nutzen zu können, ist eine regelmäßige Teilnahme an den Treffen ratsam, was wiederum einen gewissen Zeitaufwand über einen längeren Zeitraum bedeutet. Dieser ist nicht so groß wie beim Aufbau eines Business-Netzwerkes, sollte aber einkalkuliert werden. Da sich eine Erfa-Gruppe wie ein Netzwerk verhält, gehört es meist zum guten Ton, auch selbst etwas beizusteuern und die anderen Teilnehmer bei ihrem Vorankommen zu unterstützen.

Durch die festen zeitlichen Rhythmen ist die Kompetenz der Erfa-Gruppe nicht immer dann verfügbar, wenn es im Unternehmen günstig wäre. Die umfangreiche Betrachtung eigener Anliegen ­sowie die persönliche Weiterentwicklung sind ein Fall für das ­Einzel-Coaching.

Eigene Kompetenzen optimal ausschöpfen

Wenn es nicht mehr darum geht, ein Unternehmen auf dem optimalen Weg zum Erfolg zu bringen, sondern um unser eigenes Ziel und unseren Weg dorthin, dann ist Coaching gefragt. Kennen Sie diese Momente, wo Ihnen alle gute (und es sind wirklich gute) Ratschläge geben, aber in Ihrer Situation sind diese Vorschläge einfach unpassend? Genauso kann und darf es einem bei der Arbeit in einer Erfa-Gruppe gehen. Es ist ein Hinweis darauf, dass die gewählte Methode „Erfa-Gruppe“ bei dieser Fragestellung nicht zur Lösung führt. Wenn Standardlösungen nicht mehr funktionieren oder man sich nicht mehr mit ihnen zufriedengeben möchte, braucht es etwas Kreatives, Neues und Individuelles. Coaching bedeutet neue Sichtweisen auf komplexe Situationen, die optimale Ausschöpfung der eigenen Kompetenzen und Selbstbestimmtheit.

Zu den komplexen Situationen gehören u. a. durch Organisationsstrukturen bedingte Probleme, wie der Anstieg von Krankmeldungen oder Mitarbeiterfluktuation. Anders als bei der Erfa-Gruppe, kann das Unternehmen situationsbezogen die Leistungen eines Coaches in Anspruch nehmen. Coaches sollten aber nicht als „die Feuerwehr“ missverstanden werden, die nur vonnöten ist, wenn es brennt. Vor­rausschauender ist es, einen Coach mit einzubeziehen, wenn sich starke Veränderungen abzeichnen, z. B. bei größeren Umstrukturierungen im Unternehmen oder wenn ein Mitarbeiter neu in eine Führungsposition befördert wird.

Coaching gehört zu den wirksamsten und nachhaltigsten Angeboten zur Personal- und Führungskräfteentwicklung. Nirgends sonst steht die persönliche Entwicklung so stark im Vordergrund. Dabei ist die Bearbeitung verschiedener Anliegen möglich. Es kann sich sowohl um die Entwicklung von ­Managementkompetenzen oder Leistungspotenzialen als auch um Stressmanagement oder die Reflexion der eigenen Arbeit handeln. Weitere Einsatzgebiete sind Unstimmigkeiten in der Leitungs­ebene oder Differenzen bzgl. der Unternehmenskultur, meist unter den übergeordneten Begriffen „Coaching der Führungsebene“ und „Team-Coaching“.

Der konkrete Nutzen eines Coachings für das Unternehmen wird sehr schnell deutlich, wenn eine innovative Idee oder eine betriebswirtschaftlich nötige Änderung nicht umgesetzt wird. Die Führungskraft, die mit der Umsetzung betraut ist, bekommt das ­Gefühl, dass die Neuerungen im Team quasi verpuffen, obwohl sie sich den Mund fusselig redet. Menschen folgen Menschen und nicht Zahlen, deswegen bedarf es – neben betriebswirtschaftlichen Updates – auch hin und wieder der persönlichen Reflexion.

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Ein Coach gibt nach einer Analyse der Problemsituation gezielt Hilfe zur Selbsthilfe.

Die kleinen, aber feinen ­Unterschiede

Coaching ist nicht gleich Coaching. Zum einen ist der Begriff „Coach“ nicht geschützt, zum ­anderen gibt es beim Coaching ganz unterschiedliche Ansätze. Wer sich auf die Suche nach einem Coach macht, sollte bei der Auswahl darauf achten, dass der Coach eine umfangreiche Aus­bildung genossen hat und bei ­einem führenden Verband zerti­fiziert ist (siehe Kasten „Worauf Sie bei der Auswahl des Coaches achten sollten“).

Worauf Sie bei der Auswahl des Coaches achten sollten

  • Informieren Sie sich über den Umfang der Weiterbildung des Coaches.
  • Ist er von einem der ­führenden Verbände oder Gesellschaften zertifiziert bzw. gehört er einer berufsständischen Vertretung an?
  • Welche Spezialisierung bzw. welchen methodischen Schwerpunkt hat der Coach? Passt das zu Ihrem Anliegen?
  • Im Coaching wird oft sehr intensiv gearbeitet. Stimmt die Chemie zwischen Ihnen und dem Coach?
  • Findet die Kommunikation auf Augenhöhe statt?
  • Arbeitet der Coach an ­Ihrem Anliegen oder gibt er Lösungen vor?
  • Sind Verschwiegenheit und Diskretion für den Coach eine Selbstverständlichkeit?
  • Kann der Coach unabhängig arbeiten ohne ­Interessenskonflikte?
  • Werden im Vorfeld alle organisatorischen Details, auch Kosten und zeitlicher Rahmen, geklärt?
  • Wirbt der Coach mit einer Erfolgsgarantie? Im Kontext Coaching ist das eher als unseriös zu werten.

Bei dem sehr verbreiteten Systemischen Coaching gelten andere Grundsätze als in der Beratung bzw. bei der Arbeit in Erfa-Gruppen. Ein Coach berät nicht, er liefert keine Lösungsansätze für Probleme vor, sondern gibt dem Auftraggeber über passende Methoden die Möglichkeit, die für ihn stimmige Lösung selbst zu finden. Im systemischen Verständnis ist der Auftraggeber der Experte für sein Problem und dementsprechend auch der Experte für die Lösung. Der Coach ist der Experte für die Gestaltung des Prozesses, die Auswahl der Methoden und ein wertschätzender, ressourcen­orientierter Wegbegleiter. Beim Coaching geht es nicht darum, immer wieder neue Lösungen extern einzukaufen, sondern seine eigenen Ressourcen zu mobilisieren.

Und der Preis?

Beide Dienstleistungen, sowohl eine professionell moderierte Erfa-Gruppe als auch ein Einzel-Coaching, haben ihren Preis. Dabei machen die meisten Coaches beim Einzel-Coaching wesentlich preiswertere Angebote als beim Team-Coaching. Der zeitliche Aufwand schlägt sicher bei der Erfa-Gruppe umfangreicher zu Buche.

Fazit: sowohl – als auch

Neue Infos, mehr Wissen, betriebswirtschaftliche Aspekte und Schwarmintelligenz nutzen, gehören zu der Arbeit in der ­Erfa-Gruppe. Seine eigene Entwicklung fördern, individuelle Lösungen finden, die Lösungskompetenz steigern, den Sachen auf den Grund gehen und komplexe Führungsthemen klären, sind Themen für ein Coaching. Es ­sollte also nicht „entweder – oder“ heißen, sondern vielmehr „sowohl – als auch“, denn die Kombination aus einem guten Netzwerk und der persönlichen Weiterentwicklung ist für eine Führungskraft und das Unter­nehmen optimal. |

Anja Keck ist Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie, Filialleiterin, Master-Coach (DGfC) und Systemische Beraterin, www.anjakeck.de

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1 Kommentar

Auswahl des Coaches

von Tatiana Dikta am 02.05.2020 um 10:26 Uhr

Liebe Frau Keck,

Sie sprechen insbesondere im Bezug darauf, worauf man bei der Auswahl der Coaches achten soll, sehr wichtige Punkte an.
Es freut mich das zu lesen!

Die Berufsbezeichnungen Coach, Trainer und psychologischer Berater sind nicht geschützt, so sind die Qualitätsunterschiede bei den Dienstleistungen sehr groß und natürlich somit ist auch der Erfolg des Coachings ungewiss.

Es ist das Herzensanliegen der Arbeitspsychologen darüber aufzuklären.

Herzlichen Dank für den interessanten Beitrag!

Beste Grüße
Tatiana Dikta


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