Gesundheitspolitik

Kommentar: Die Besten, nicht die Billigsten

 Armin Edalat

Blicken wir mal für einen Moment durch die Brille der AOK. Nein, gemeint ist nicht das berühmt-berüchtigte Kassengestell, sondern die rosaroten Gläser beim Thema Rabattverträge. Für die AOK (und die gesamte GKV) ist dieser Konditionenwettbewerb unter den Generikaherstellern goldwert. Zwar werden die Einsparungen jedes Jahr auf mehrere Milliarden Euro beziffert, doch als Außenstehender ist es eher undurchsichtig, unter welchen Bedingungen die Rabatte zustande kommen – die Verhandlungen sind geheim und die Bezugsgrößen häufig unklar. Doch diese Geiz-ist-geil-Argumentation zieht in Zeiten der Lieferengpässe nicht mehr allein. Und so findet die AOK, dass die Rabattverträge zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Gerade bei Exklusivverträgen wären die Absatzmengen für den einen Anbieter viel besser kalkulierbar als bei Mehrpartnerverträgen mit mehreren (kleinen) Anbietern. Die Indus­trieverbände halten dagegen, dass es bei Ausfall des einen Herstellers häufig gar keinen Ersatz gibt, weil unter­legene Mitbewerber nach und nach aus dem Markt aussteigen würden. Zur Vermeidung von Lieferausfällen sollte daher eine ausreichende Anzahl an Alternativ­anbietern vorhanden sein, die vor allem in Deutschland und der EU produzieren. Auch die Unionsfraktion im Bundestag will die Exklusivverträge am liebsten verbieten (S. 8) – übrigens gegen den Willen von SPD und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU!). Man kann diesen Vorstoß nur unterstützen, denn die Corona-Krise lehrt uns doch gerade, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung eben nicht durch die billigsten Anbieter, sondern langfristig nur durch die besten gelingt.

Dr. Armin Edalat, Chefredaktion der AZ

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