Arzneimittel und Therapie

Antidiabetika unter Verdacht

Inkretinmimetika und das Gallengangkarzinom-Risiko

Zwar sind Karzinome der Gallengänge mit einer Inzidenz von 3 Fällen auf 100.000 selten, gehen aber mit einer hohen Mortalität einher. Daher ist die Kenntnis möglicher Risikofaktoren von besonderem Interesse.

Möglicherweise ist das Inkretinsystem in die Pathogenese von Cholangiokarzinomen involviert, da Inkretinhormone proliferative und anti-apoptotische Wirkungen an Cholangiozyten aufweisen. Daher besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Inkretin-basierte Antidiabetika wie DPP-4-Inhibitoren (z. B. Saxagliptin, Vildagliptin oder Sitagliptin) und GLP-1-Analoga (z. B. Exenatid, Liraglutid, Dulaglutid oder Albiglutid) das Risiko für eine Tumorerkrankung der Galle erhöhen. Um dies genauer zu untersuchen, wurde in England eine popula­tionsbasierte Kohortenstudie durchgeführt. Dazu wurden die Daten von 154.162 erwachsenen Diabetikern ausgewertet, die mit unterschiedlichen Antidiabetika behandelt worden waren, unter anderem mit Inkretinmimetika sowie mit Sulfonylharnstoffen bzw. Thiazolidindionen (die letzteren zwei dienten als Vergleichsgruppe). Bei diesen drei Gruppen wurde in einem Follow-up von 614.274 Personenjahren das Auftreten von Gallengangkarzinomen ermittelt. Dies war bei 105 Patienten der Fall. Ein Vergleich innerhalb der drei Gruppen zeigte unter der Einnahme Inkretin-basierter Antidiabetika ein beinahe doppelt so hohes Risiko als unter der Einnahme von Sulfonylharnstoffen oder Thiazolidindionen (HR für DPP-4-Inhibitoren 1,77; HR für GLP-1-Agonisten 1,97). Angesichts der geringen Fallzahlen sprechen die Autoren von einem möglicherweise erhöhten Risiko; das absolute Risiko ist gering. |

Quelle

Abrahami D et al. Incretin based drugs and risk of cholangiocarcinoma among patients with type 2 diabetes: population based cohort study. BMJ. 2018 Dec 5;363:k4880. doi: 10.1136/bmj.k4880.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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