Arzneimittel und Therapie

Fünf Tage Penicillin reichen auch

Bei Streptokokken-Angina muss die Therapie nicht zehn Tage dauern

Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, geschwollene Lymphknoten: In 15 bis 30% der Fälle sind Streptokokken A die Ursache einer akuten Rachen- und/oder Gaumenmandelinfektion. Dann wird für gewöhnlich zehn Tage lang Penicillin verordnet. Doch es geht auch deutlich kürzer, wie aktuelle Studienergebnisse belegen.

Erreger einer Tonsillopharyngitis sind überwiegend Viren (z. B. Parainfluenza-, Rhino-, Adenoviren). Wird sie durch Bakterien wie Streptococcus pyogenes verursacht, besteht in der Regel eine Indikation zur Antibiotikatherapie. Deutsche und europäische Fach­gesellschaften empfehlen in diesem Fall orales Phenoxymethylpenicillin als erste Wahl, da es viele Vorteile besitzt: Es wirkt rasch bakterizid, hat eine große therapeutischen Breite, ist auch für Kinder und Schwangere geeignet und zudem preisgünstig.

Die empfohlene Therapiedauer mit Phenoxymethylpenicillin beträgt zehn bzw. – zum Beispiel laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektio­logie (DGPI) – sieben Tage. Von einer Reduktion auf fünf Tage erhofft man sich unter anderem weniger Nebenwirkungen wie eine geringere Beeinträchtigung der Darmflora und eine bessere Adhärenz. Die nun veröffentlichte Unter­suchung hatte das Ziel heraus­zufinden, ob die bisher übliche zehn­tägige Gabe von Phenoxymethylpenicillin bei Streptokokken-Angina reduziert werden kann, ohne dass die klinische Effektivität beeinträchtigt wird.

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Bei einer Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A, deren bedeutendster Vertreter Streptococcus pyogenes ist, beträgt die Inkubationszeit für eine Pharyngitis ein bis drei Tage.

Nichtunterlegenheit getestet

Die randomisierte kontrollierte unverblindete Nichtunterlegenheitsstudie wurde zwischen September 2015 und Februar 2018 in 17 Hausarzt-Zentren in Schweden durchgeführt. Eingeschlossen waren 433 Patienten mit einem Mindestalter von sechs Jahren und bestätigter Tonsillopharyngitis durch Streptokokken A. Rund 75% der Teilnehmer waren über 18 Jahre alt. Neben einem Schnelltest auf Streptokokken-A-Antigen wurden auch der Centor-Score als Einschlusskriterium verwendet. Danach ist beim Vorliegen von drei oder vier der Symptome „Fieber über 38,5 °C, geschwollene und druckempfindliche Hals-Lymphknoten, Beläge auf den Mandeln und Abwe­senheit von Husten“ eine bakterielle Streptokokken-A-Angina wahrscheinlich. Ein Antibiotika-Einsatz erscheint dann sinnvoll.

Vier- statt dreimal täglich

Verglichen wurde die Gabe von 800 mg Phenoxymethylpenicillin viermal täglich über fünf Tage (insgesamt 16 g) mit der herkömmlichen Dosierung von dreimal täglich 1000 mg für zehn Tage (insgesamt 30 g). Primärer Endpunkt war die klinische Heilung fünf bis sieben Tage nach dem Ende der Antibiotikabehandlung. Zu den sekun­dären Endpunkten zählten unter an­derem die Rückfallhäufigkeit, eine Eradikation des Erregers und die Zeit bis zum Abklingen der Symptome.

In der Fünf-Tage-Gruppe wurde bei 181 von 202 Teilnehmern (89,6%), in der Zehn-Tage-Gruppe bei 182 von 195 Patien­ten (93,3%) eine Heilung erzielt. Die Eradikationsrate lag bei 80,4% nach fünf und bei 90,7% nach zehn Tagen.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Diarrhö, Übelkeit und vulvo­vaginale Beschwerden. In der Zehn-­Tage-Gruppe waren sowohl die Inzidenz als auch die Dauer der Neben­wirkungen höher als in der Fünf-Tage-Gruppe. Die Zahl der Rückfälle und Komplikationen unterschied sich nicht wesentlich zwischen den Behandlungsarmen. Die Studienautoren schlussfolgern aus diesen Ergebnissen, dass das Fünf-Tage-Regime eine Alternative zu den herkömmlichen Therapieempfehlungen bei bakterieller Tonsillopharyngitis sein könnte. |

Literatur

Ståhlgren GS et al. Penicillin V four times daily for five days versus three times daily for 10 days in patients with pharyngotonsillitis caused by group A streptococci: randomised controlled, open label, non-inferiority study. BMJ 2019;367:l5337

Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis. S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie u. a. Fachgesellschaften. Stand 08/2015, AWMF-Registernr. 017/024

Pelucchi C et al. ESCMID Sore Throat Guideline Group. Guideline for the management of acute sore throat. Clin Microbiol Infect 2012;18(Suppl 1):1-28

van Driel ML et al. Different antibiotic treatments for group A streptococcal pharyngitis. Cochrane Database Syst Rev 2016;9:CD004406

Centor RM et al. The diagnosis of strep throat in adults in the emergency room. Med Decis Making 1981;1(3):239-246

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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