Aus den Ländern

Chancen sehen, nicht nur Risiken

Kammerversammlung in Schleswig-Holstein / Christiansen: optimistischere Sicht nötig

KIEL (tmb) | Dr. Kai Christiansen, Präsident der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, forderte die Apotheker zu einer optimistischeren Sicht auf. „Statt Chancen sehen wir die Risiken und Nebenwirkungen“, erklärte er bei der Kammerversammlung am 20. November in Kiel und verwies auf Chancen bei der neuen Botendienstregelung und beim E-Rezept. Da die Kammer dem Athina-Projekt beigetreten ist, ergab sich außerdem eine Diskussion zu den denkbaren künftigen Abrechnungsmöglichkeiten für Medikationsanalysen.
Foto: DAZ/tmb

Bei der Kammerversammlung (v. l.) Kammerjustiziar Dr. Stefan Zerres, Kammerpräsident Dr. Kai Christiansen, Kammergeschäftsführer Frank Jaschkowski

Christiansen beklagte, die berufspolitische Motivation der Apotheker speise sich nicht aus den Möglichkeiten, sondern aus der Angst vor der Krise. So würden die neuen Botendienstregelungen verteufelt, statt sie als wich­tigen Schritt zu feiern, „die flächendeckende Versorgung auch in Zukunft mit immer weniger Apotheken weiter gewährleisten zu können“. Die Länder hätten über den Bundesrat den klaren Auftrag erteilt, die Kombination aus Telepharmazie und Botendienst zu nutzen. Bezeichnend sei, dass die Politik den Begriff Telepharmazie ins Spiel gebracht habe und nicht die ABDA. Christiansen bedauerte auch, dass die ABDA die Auswahl der geplanten pharmazeutischen Dienstleistungen geheim hält. Sie sollten nicht zerredet werden, aber so könne man keine Rückkopplung geben.

Menschlichkeit und Digitalisierung

Das E-Rezept sollten die Apotheker als Chance sehen, sich vom Standort des Arztes unabhängig zu machen, forderte Christiansen. Beim „Telepakt“, dem Modellversuch für das E-Rezept in Schleswig-Holstein (siehe DAZ 2019, Nr. 44, S. 72), könnten die Beteiligten sich sehr gut darüber austauschen, was ihnen jeweils besonders wichtig ist. Er halte diesen weiteren Modellversuch für sinnvoll, weil die Gematik hoffentlich die besten Lösungen übernehmen werde. Doch beklagte Christiansen, bei der Digitalisierung seien viele neue Player nur am Gewinn, aber nicht an der Versorgung interessiert. Daher sei es eine Aufgabe der Apotheker, „der Digitalisierung in unserem Bereich ein menschliches Antlitz zu geben“. Eine Schattenseite der Ökonomisierung seien auch die Lieferengpässe. Die Apotheker würden dafür enormen unbezahlten Mehraufwand erbringen. Christiansen warnte die Retaxationsabteilungen der Krankenkassen deutlich, „diese Situation im Nachhinein nicht gegen die Apotheken zu verwenden“.

Neue Approbationsordnung mit den Hochschullehrern

Zum Beschluss der Bundesapothekerkammer (BAK), die Approbationsordnung anzupassen, mahnte Christiansen, die einheitliche Approbation müsse erhalten bleiben. Er bemängelte, dass die Hochschullehrer in den bisherigen Diskussionsprozess nicht eingebunden gewesen seien. Daher freue es ihn, dass BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer zugesagt habe, jetzt Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. In der anschließenden Aussprache wurde kritisiert, dass die Chance zur Diskussion mit den Hochschullehrern auch beim Deutschen Apothekertag nicht genutzt und die Debatte dort über einen Geschäftsordnungsantrag beendet wurde.

Medikationsanalysen – wie abrechnen?

Foto: DAZ/tmb

Jutta Clement stellte das Athina-Projekt vor.

Bei der Kammerversammlung berichtete Jutta Clement, Leiterin der Fortbildungsakademie der Kammer, dass die Apothekerkammer Schleswig-Holstein sich nun am Athina-Projekt beteiligt. Dies unterstütze die teilnehmenden Apotheker bei der Medikationsanalyse und helfe, arzneimittelbezogene Probleme zu identifizieren und zu lösen. Die Teilnehmer erhielten eine „lebenslange Flatrate für Webinare“. Außerdem erhöhe sich die Mitarbeiterzufriedenheit durch ein solches Projekt, das damit bei der Personalsuche helfe. Bei der anschließenden Diskussion ging es insbesondere um die Frage, wie künftig Medikationsanalysen als Dienstleistungen abgerechnet werden könnten. Eine Position dazu war, dass ein Programm wie Athina zwar sehr sinnvoll sei, Apotheker aber für Medikationsanalysen ausgebildet würden und eine Zertifizierung daher keine Voraussetzung für die Abrechnung sein dürfe. Allerdings würden Krankenkassen einen standardisierten Ablauf und insbesondere eine standardisierte Dokumentation erwarten, wie sie auch beim Athina-Projekt stattfindet. Doch zeigte die Diskussion, dass die Nutzung einer standardisierten Dokumentation nicht zwangsläufig eine Zertifizierung eines Apothekers im Rahmen eines AMTS-Programms erfordert. Außerdem seien viele Aspekte der Lebenswirklichkeit schwer zu standardisieren.

Haushalt und Nachwuchsarbeit

Die Kammerversammlung verabschiedete den Haushalt für 2020. Die Beiträge sollen unverändert bleiben. Kammergeschäftsführer Frank Jaschkowski berichtete, dass 2019 in über der Hälfte der Apotheken in Schleswig-Holstein Testkäufe durchgeführt worden seien, wobei sich über die Hälfte davon freiwillig beteiligt hätten. Die Testkäufe sollen 2020 fortgesetzt werden. Die Zusammenarbeit mit der Fachschaft Pharmazie an der Universität Kiel wurde intensiviert. Fachschaftsvertreter nahmen an der Kammerversammlung als Gäste teil. Prof. Dr. Christian Peifer berichtete über den gemeinsamen „Pharma-Abi-Preis“ der Deutschen Pharma­zeutischen Gesellschaft (DPhG) und der Apothekerkammer Schleswig-Holstein. Dieser Wettbewerb in den Abiturjahrgängen soll die Pharmazie insbesondere bei den naturwissenschaftlich interessierten Abiturienten stärker ins Bewusstsein rücken. |

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