Arzneimittel und Therapie

Magenkrebs langfristig vorbeugen

Helicobacter-Eradikation, Vitamin- und Knoblauchsupplementation im Vergleich

Die Eradikation von Helicobacter (H.) pylori gilt als wichtige Präventivmaßnahme im Kampf gegen Magen­karzinome. Doch könnte die Einnahme von Vitamin- oder Knoblauchpräparaten auf lange Sicht ebenfalls protektive Effekte entfalten? Die Ergebnisse einer Nachbeobachtung einer randomisierten, kontrollierten Studie sprechen dafür.

Eine Infektion mit H. pylori ist ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung von Magenkarzinomen, sodass die Therapie eine präventive Strategie darstellt. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass eine vitamin- und knoblauchreiche Ernährungsweise Populationen schützen könnte, die ein hohes Risiko für Magenkrebs und Nährstoffdefizite aufweisen. Daher wurde im Jahr 1995 eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie in einer solchen Bevölkerungsgruppe in China initiiert. Ziel war es, die Effekte der Helicobacter-Eradikation sowie der Vitamin- und der Knoblauchsupplementation genauer zu untersuchen.

Von insgesamt 3365 eingeschlossenen Probanden waren 2258 Teilnehmer seropositiv für H. pylori. Diese wurden mittels 2 × 2 × 2-Design zufällig den drei Interventionen oder Placebo zu­geteilt. Die 1107 seronegativen Teilnehmer erhielten mittels 2 × 2-Design zufällig die Vitamin- und/oder Knoblauchsupplementation oder Placebo. Die zweiwöchige Therapie zur Eradikation von H. pylori bestand aus zweimal täglich 1 g Amoxicillin und 20 mg Omeprazol. Die Vitaminsupplementa­tion enthielt Vitamin C (250 mg), Vitamin E (100 IU) sowie Selen (37,5 µg). Die Knoblauchsupplementation bestand aus einem Extrakt (200 mg) und dampfdestilliertem Öl (1 mg). Die Supplemente bzw. die entsprechenden Placebo-Kapseln wurden jeweils zweimal täglich über eine Dauer von gut sieben Jahren eingenommen. Die randomisierte Studienphase endete im Jahr 2003, die Teilnehmer wurden jedoch weiter beobachtet: Bis 2017 traten 151 Fälle von Magenkrebs auf sowie 94 Todes­fälle, die auf ein Magenkarzinom zurückzuführen waren. Ein protektiver Effekt der Eradikationstherapie auf die Inzidenz von Magenkarzinomen war noch 22 Jahre nach der Behandlung nachweisbar (Odds Ratio [OR] 0,48; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,32 bis 0,71). Auch die Vitamineinnahme war mit einer signifikant geringeren Inzidenz assoziiert (OR 0,64; 95%-KI 0,46 bis 0,91), während sich im Zusammenhang mit der Knoblauchsupplementation kein signifikanter Rückgang zeigte (OR 0,81; 95%-KI 0,57 bis 1,13).

Foto: lom123 – stock.adobe.com
Eine Infektion mit H. pylori kann die Progression präkanzerogener Magenläsionen begünstigen.

Weniger Magenkarzinome, geringere Mortalität

Alle drei Interventionen waren mit einer verringerten Magenkrebsmortalität verbunden. Die jeweilige Hazard Ratio (HR) betrug für die

  • H. pylori-Therapie 0,62 (95%-KI 0,39 bis 0,99), für die
  • Vitaminsupplementation 0,48 (95%-KI 0,31 bis 0,75) und für die
  • Knoblauchsupplementation 0,66 (95%-KI 0,43 bis 1,00).

Für beide Endpunkte lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Effekte der Interventionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten statistische Signifikanz erreichten, wobei die positiven Auswirkungen der Knoblauchsupplementation die längste Verzögerung aufwiesen.

Die Ergebnisse zeigen präventive Möglichkeiten gegen Magenkarzinome auf, wobei die ausgewählte Studienpopulation die generelle Übertragbarkeit limitiert. Auch wenn die Interventionen zum Teil erst nach vielen Jahren einen positiven Einfluss zeigen konnten, stellen sie möglicherweise eine kostengünstige und gut verträgliche Maßnahme dar. Um entsprechende Empfehlungen abgeben zu können, sind jedoch weitere Studien erforderlich. |

Literatur

Li WQ et al. Effects of Helicobacter pylori treatment and vitamin and garlic supplementation on gastric cancer incidence and mortality: follow-up of a randomized intervention trial. BMJ 2019;366:l5016

Apothekerin Jutta Hupfer

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