Aus den Ländern

Apotheke und Literatur

Pharmaziehistorische Herbsttagung der DGGP Baden-Württemberg

diz | Das Bild des Apothekers im Spiegel der Literatur und Karikatur und die Geschichte der ältesten Apotheke Stuttgarts waren die Themen der traditionellen Herbst­tagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie (DGGP), Landesgruppe Baden-Württemberg, die am 19./20. Oktober 2019 im Alten Schloss von Stuttgart stattfand. Ein Besuch des württembergischen Landesmuseums und der Stuttgarter Hof-Apotheke rundeten das Programm ab.

Stuttgart war in diesem Jahr Tagungsort, weil sich hier die Pharmazeutische Zentralbibliothek befindet, deren 50-jähriges Jubiläum bereits im April und Mai mit einer Sonderausstellung begangen wurde. Für die Veranstalter lag es daher nahe, das Thema Apotheke und Literatur zu wählen, wie Prof. Dr. Marcus Plehn, Vorsitzender der DGGP-Landesgruppe, erklärte. Dr. Rupert Schaab, Direktor der Württembergischen Landesbibliothek, hob in seinem Grußwort die „respektvolle Sammlung“ von über 20.000 Bänden hervor, die sich in der „gut gepflegten“ Pharmazeutischen Zentralbibliothek befinden. Wie Dr. Günther Hanke, Präsident der LAK Baden-Württemberg, in seinem schriftlichen Grußwort anmerkte, sind der Beruf des Apothekers und die Arbeit der Apotheke einem steten Wandel ausgesetzt. Die gesammelten Werke der pharmazeutischen Zentralbibliothek belegten diesen Berufswandel. Und Prof. Dr. Michael Mönnich, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Zentralbibliothek, erinnerte kurz an die Entwicklung dieser Einrichtung. Er freue sich, dass die pharmazeutische Zentral­bibliothek, die von verschiedenen Verbänden, Organisationen und Verlagen finanziert werde, seit 1969 eine Heimat in der Württembergischen Landesbibliothek gefunden habe.

Zwischen Satire und sozialem Kontext

Die Rolle des Apothekers in der Literatur ist äußerst vielfältig, wie der Medizinhistoriker Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt, Karlsruhe, anhand von zahlreichen Textstellen und Zitaten belegte (z. B. Bechstein: Der Lehrling zum König Salomo; Fontane: Effi Briest; Raabe: Zum wilden Mann; Keller: Die misslungene Vergiftung; Noll: Die Apothekerin u. v. m.). Die literarischen Texte befassen sich beispielsweise mit der Ausbildung und dem Beruf des Apothekers an sich, mit seiner sozialen Stellung, mit dem Verhältnis von Apotheker und Arzt. Aber auch das Engagement des Apothekers als Forscher, seine Persönlichkeit, seine Interessen und sein Weltbild und nicht zuletzt die Apotheke und der Apotheker als Symbol spielen in der Literatur eine Rolle. Die Renaissance und der Barock zeigten beispielsweise die grotesken und gefährlichen Seiten des Apothekers (die Geschäftstüchtigkeit des Apothekers), die Aufklärung widmete sich dem Konflikt zwischen Vernunft und Aberglaube mit Abenteuer und Satire. Im Realismus und Naturalismus waren z. B. der Alltag des Apothekers oder Hinweise zur sozialen Situation des Apothekers Themen in der Literatur. Und im 20./21. Jahrhundert ging es vor allem um die privaten Lebenssituationen des Apothekers und den sozialen Kontext.

Foto: Larissa Plehn

DGGP-Herbsttagung in Stuttgart (v. l.): Mönnich, Plehn, Müller-Jahncke, von Engelhardt, Geyer.

„Pharmazie mit spitzer Feder“

Prof. Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Herausgeber des Buches „Pharmazie mit spitzer Feder“, konnte anhand zahlreicher Beispiele zeigen, dass der Apotheker im Lauf der Jahre immer wieder Zielscheibe von Karikaturen, Cartoons und Comics ist. Sind es anfangs oft Darstellungen, die den Apotheker in seiner Offizin oder im Labor zeigen, finden sich in späteren Jahren und bis heute oft Karikaturen und Cartoons, die kauzige und eigenbrödlerische Eigenschaften des Apothekers darstellen oder witzige Situationen zwischen Apotheke und Kunde erkennen lassen – als Beispiel die Situation Apotheker und Kunde am Handverkaufstisch am Jahresende: Der Apotheker überreicht dem Kunden seine Arzneimittel mit dem freundlichen Hinweis: „Hier sind Ihre Zäpfchen und Guten Rutsch.“

500 Jahre Kreuser’sche Apotheke

Einen kurzweiligen Abriss über die 500-jährige Geschichte der „Kreuser’schen Apotheke“, Stuttgarts ältester Apotheke, stellte der heutige Inhaber Wolf Geyer vor. Zeugnisse belegen, dass am 29. September 1500 der Stuttgarter Apotheker Cyriakus Horn von Herzog Ulrich zu seinem Apotheker bestellt wurde. Im Lauf der Jahrhunderte erlebte die Apotheke mehrere Apothekerfamilien. Namensgeber der Apotheke war schließlich Apotheker Christoph Heinrich Kreuser, der die Apotheke 1817 übernommen hatte. Mit dem Schwiegersohn von Kreuser, dem Apotheker Karl Heinrich Geyer, ging die Apotheke in die Hände der heutigen Apothekerfamilie Geyer über. Wie die Apotheke die schwere Zeit zweier Weltkriege überstand und im Zweiten Weltkrieg sogar eine mehrmalige Zerstörung erleben musste, ist besonders beeindruckend. Wolf Geyer, der heutige Inhaber der Apotheke, tritt 1990 als angestellter Apotheker in die Apotheke ein und pachtet sie kurz darauf. Nach dem Tod seines Vaters im April 1995 führt er die Apotheke bis heute. In seine Zeit fallen schwierige Entscheidungen und Situationen, z. B. der Verkauf des Apothekengebäudes, ein Umbau mit Umzug in einen Container und Zeiten mit hohen Schulden. Wolf Geyer: „Der Kreuser’schen Apotheke, wie auch allen anderen Apotheken, weht der Wind des Wandels in besorgnis­erregender Weise entgegen.“ |

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