Deutscher Apothekertag 2019

In der Kommunikation klemmt’s

Ein Kommentar von Peter Ditzel

Peter Ditzel, DAZ-Herausgeber

Nein, unsere ABDA will nicht, sie mag nicht: eine transparente Kommunikation passt ihr einfach nicht in den Kram. Dieser Eindruck drängt sich mir immer wieder auf und verfestigt sich. Besonders an Apothekertagen, wenn z. B. aus den Reihen der Mitgliedsorganisationen – und damit letztlich auch von Seiten der Basis – höflichst und zaghaft, vielleicht zu zaghaft Anträge gestellt werden, mal darüber nachzudenken, woher denn diese Unzufriedenheit mit dem Informationsfluss von oben nach unten kommt und wie man ihn denn verbessern könnte.

Bei solchen Verbesserungswünschen macht es sich die ABDA gerne leicht: Sie zieht sich darauf zurück, es sei ja nicht Aufgabe des ABDA-Vereins, des Headquarters, die Basis, also den gemeinen Apotheker vor Ort zu informieren. Die ABDA sei zuständig für ihre Mitgliedsorganisationen, also für die Kammern und Verbände, und deren Aufgabe wiederum sei es, ihre Mitglieder, mithin die Apothekerinnen und Apotheker vor Ort, zu informieren. So weit, so gut, aber zu einfach gedacht.

Es geht doch auch darum, den Verlauf und die Ergebnisse von Arbeitsgruppen transparenter zu machen. Und da klemmt’s noch gewaltig. Wenn die ABDA bestimmte Informationen sichtlich nicht zu den ABDA-Mitgliedsorganisationen weiterreicht, können sie von dort auch nicht weiter an die Basis kommuniziert werden. Ein Beispiel: So nebenbei erfuhr man erstmals auf diesem Apothekertag, welches Ergebnis die Arbeitsgruppe Honorierung, die acht Jahre lang getagt hatte, hervorgebracht hat: Alles soll so bleiben mit unserer Honorarstruktur. Da hätte man doch mal liebend gern gewusst, welche Alternativen, welche Modelle diskutiert wurden. Anderes Beispiel: die vielzitierten pharmazeutischen Dienstleistungen, die künftig honoriert werden sollen: Auch hier soll’s eine Arbeitsgruppe geben, die sich Gedanken macht, welche Dienstleistungen es denn sein sollen oder gar welches Honorar man sich dafür vorstellt. Doch nach außen dringt da nichts. Noch ein Beispiel gefällig? Gerne: Wie steht es bitte mit der Novellierung der Approbationsordnung? Was hat die Bundesapothekerkammer in diese Richtung bereits unternommen? Schweigen.

Und dann das Informationsloch Digitales: In welche Richtung denkt eigentlich die Arbeitsgruppe IT? Hat sie neue Entwicklungen auf dem Schirm wie beispielsweise Künstliche Intelligenz, 3D-Druck, stratifizierte Pharmazie und andere zukünftige Entwicklungen? Man hört so gar nichts, was sich hier tut. Ein Antrag aus Westfalen-Lippe, der eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema ins Leben rufen wollte, wurde abgelehnt, weil sich die bereits bestehende AG IT angeblich schon damit beschäftige. Mag sein, aber wie soll man das wissen, wenn nicht kommuniziert wird?

Ein Antrag der AK Nordrhein regte vollkommen berechtigt an, neue Impulse und innovative Instrumente für die Interessenvertretung der Apotheker gegenüber der Politik zu entwickeln. Die ABDA habe hier Nachholbedarf, die Lobbyarbeit brauche neue Impulse. Wie wahr! Doch dieser Antrag kam gar nicht gut an. Man verwies auf Kommunikationsmittel wie Newsroom, Newsletter, Facebook- und Twitter­accounts – was in diesem Zusammenhang natürlich nicht gemeint ist. Schließlich, der Antrag wurde abgewürgt mit einem Antrag auf Übergang zum nächsten Antrag.

Das alles ist frustrierend, wenn ­Bitten nach einer transparenten, offenen Kommunikation und neuen Wegen ins Leere laufen. Die ABDA-Mitgliedsorganisationen und die ­Basis haben Besseres verdient. Da bleiben berechtigte Wünsche offen, da gibt’s immensen Nachholbedarf. Und eigentlich könnte es so einfach und besser sein.

 

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