Rezension

Albrecht Kossel – Pionier der DNA-Forschung

Romanbiografie über einen Nobelpreisträger

Die Abfolge der Nukleinbasen Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin kodiert die Erbinformation in der DNA. Doch die Nukleinbasen waren schon lange bekannt, bevor diese Funktion bewiesen wurde. Bereits um 1900 beschrieb der aus Mecklenburg stammende Professor Albrecht Kossel die Nukleinbasen und erahnte ihre Bedeutung. Er widmete sein ganzes Forscherleben der physiologischen Chemie und wurde 1910 mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. An sein Leben und seine Arbeit erinnert nun eine Roman­biografie.

Kossel war ein hoch geachteter Forscher und hatte offenbar ein Gespür für die herausragende Bedeutung der Nukleinbasen. Dennoch ist sein Name in der einschlägigen Literatur zur Erforschung der DNA kaum zu finden. James Watson und Francis Crick klärten 1953 die Struktur der DNA auf. Dabei bleibt jedoch üblicherweise unbeachtet, dass die entscheidenden Bausteine damals schon lange bekannt waren – sogar so lange, dass ihr Entdecker längst tot war, als endlich die Methoden verfügbar waren, mit denen Watson und Crick die entscheidenden Nachweise führen konnten. Während andere frühe Medizin-Nobelpreisträger noch heute geradezu populär sind, ist über Kossel eher wenig zu finden. Nicht einmal in seiner mecklenburgischen Heimat ist er als Nobelpreisträger bekannt. Doch wer war dieser Albrecht Kossel?

Ein Leben für die Forschung

Antworten darauf gibt eine neue Romanbiografie der Ärztin Dr. Edith Framm und des Apothekers Dr. ­Joachim Framm, der auch Autor mehrerer Bücher ist, die im Deutschen Apotheker Verlag erschienen sind. Das Autorenpaar beschreibt wesentliche Stationen im Leben Albrecht Kossels und vor allem die Ergebnisse und die Rahmenbedingungen seiner Arbeit. Kossel stammte aus Rostock, studierte in Straßburg und Rostock Medizin und begann schon in seinem Studium mit physiologisch-chemischen Forschungen, die sein Leben ausfüllen sollten. Er habilitierte 1881 in Straßburg, arbeitete als wissenschaftlicher Assistent in Berlin und wurde 1895 Professor in Marburg, später in Heidelberg. Das Buch lässt die Leser in eine interessante Epoche eintauchen, in der sich die Forscher langsam vortasteten, um die Grundlagen unseres heutigen physiologisch-chemischen Weltbildes zu entschlüsseln. Für Leser mit naturwissenschaftlichem Hintergrund ist es spannend zu erfahren, welche teilweise heute noch bekannten und teilweise inzwischen vergessenen Forscher mühsam immer wieder neue Erkenntnisbruchstücke zusammenfügten. Das kleine und doch aufwendig recherchierte Buch vermittelt erhellende Eindrücke darüber, wie damals gelebt, gearbeitet und geforscht wurde. Kossel bemühte sich sehr um die Stellung der Chemie innerhalb der Physiologie. Trotz der damals großen Aufmerksamkeit für die Proteine behielt er die Nukleinbasen immer im Blickfeld, die er aus unterschiedlichen Quellen isolierte. Seine Forschung wurde zumindest in Fachkreisen hoch gewürdigt. Den Medizin-Nobelpreis 1910 erhielt Kossel für seine Arbeit sowohl an Proteinen als auch an den Bestandteilen des Zellkerns. Doch Kossel wurde nicht so populär wie andere Nobelpreisträger. Die Autoren der Romanbiografie erklären dies durch die bescheidene Art, die ihm nachgesagt wird. Zeitgenossen beschrieben Kossel als herausragende Gestalt und liebenswerten Menschen. Er litt offenbar sehr unter dem Bruch der wissenschaftlichen Kontakte zum Ausland als Folge des Ersten Weltkriegs und bemühte sich nach dem Krieg bald um die Normalisierung der Beziehungen. Er starb 1927 im Alter von 74 Jahren.

Albrecht Kossel und die DNA
Ein Nobelpreisträger aus Mecklenburg

Von Edith Framm und Joachim Framm
175 Seiten, 6 Abb., 12,5 × 19 cm, Softcover, 
9,75 Euro
ISBN 978-3-944211-64-0,
Verlag Koch und Raum, Wismar, 2019

erhältlich im Direktbezug über

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Späte Würdigung

Das mit 175 Seiten knapp formulierte Buch ist allen naturwissenschaftlich interessierten Lesern zu empfehlen, die mehr über die Vorgeschichte heute selbstverständlicher physiologischer Erkenntnisse wissen möchten. Nach der Lektüre drängt sich der Gedanke auf, dass Albrecht Kossel als Mensch und Forscher nachträglich mehr Würdigung verdient. Da die DNA-Bestandteile Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin von ihm beschrieben wurden, läge es nahe, sie als Kosselsche Nuklein­basen zu bezeichnen. |

Dr. Thomas Müller-Bohn

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