Arzneimittel und Therapie

Besser als der Ruf

Kaum langfristige Nebenwirkungen unter Pantoprazol

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) werden oft über viele Jahre hinweg eingenommen und stehen unter Verdacht, langfristig das Risiko zahlreicher Nebenwirkungen zu erhöhen. Nun liegen Langzeitdaten zu Pantoprazol vor, die einige Sorgen entkräftigen.

PPI verringern die Säuresekretion der Magenschleimhaut und sind daher Mittel der ersten Wahl bei vielen gastrointestinalen Erkrankungen wie Refluxösophagitis und Helicobacter-pylori-Infektionen sowie zur Prävention von iatrogenen Magengeschwüren beispielsweise bei Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS). Trotz des weitverbreiteten Einsatzes haben die Ergebnisse verschiedener Beobachtungsstudien Zweifel an der Sicherheit der langfristigen Anwendung von PPI gesät. Um die Verträglichkeit von Pantoprazol über einen Einnahmezeitraum von drei Jahren zu ermitteln, wurden die Daten der groß angelegten COMPASS-Studie (Cardiovascular Outcomes for People Using Anticoagulant Strategies) analysiert. In der COMPASS-Studie war die Überlegenheit einer Kombinationstherapie aus Rivaroxaban und ASS im Vergleich zu einer ASS-Monotherapie in der Sekundärprävention bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit gezeigt worden. Doch die Studie hatte noch ein weiteres Ziel: das Nutzen-Risiko-Profil einer langfristigen PPI-Prophylaxe zu bestimmen.

Über 17.000 Teilnehmer wurden in drei mal zwei Gruppen unterteilt und alle sechs Monate zu unerwünschten Ereignissen befragt. Die Gruppen unterschieden sich in der Einnahme von Pantoprazol (40 mg täglich oder Placebo) und den eingesetzten Antikoagulanzien (Rivaroxaban und ASS, nur Riva­roxaban oder nur ASS). Als Endpunkte wurden kardiovaskuläre Ereignisse, Pneumonie, Clostridium-difficile-Infektion, andere Darminfektionen, Frakturen, Magenatrophien, chronische Nierenerkrankungen und Demenz definiert. Zudem wurden die Häufigkeiten von Diabetes mellitus, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung und Krebserkrankungen sowie die Hospitalisierungs- und Mortalitätsraten ausgewertet.

Es gab keine signifikanten Unterschiede im Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen oder Krebserkrankungen zwischen den Patienten, die Pantoprazol einnahmen, und denen, die Placebo bekamen. Auch die Hospitalisierungs- und Mortalitätsraten waren ähnlich. Von den weiteren untersuchten Endpunkten war lediglich das Risiko für Darminfektionen signifikant um 33% erhöht (Odds-Ratio 1,33; 95%-Konfidenzintervall 1,01 bis 1,75). Dieses Risiko war jedoch niedriger als zuvor aufgrund von Beobachtungsstudien angenommen.

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Pantoprazol zumindest für eine Anwendungsdauer von bis zu 3 Jahren gut vertragen wird. Die erhöhte Anfälligkeit für Darminfektionen sollte dennoch beachtet und die Indikation zum Einsatz von Pantoprazol beim einzelnen Patienten geprüft werden, da PPI oft unnötig verschrieben werden. |

Literatur

Moayyedi P. et al. Safety of Proton Pump Inhibitors Based on a Large, Multi-year, Randomized Trial of Patients Receiving Rivaroxaban or Aspirin. Gastroenterology 2019; doi: 10.1053/j.gastro.2019.05.056

Apothekerin Sarah Katzemich

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