Arzneimittel und Therapie

Statine könnten vor Glaukom schützen

Einnahme ist mit geringerem Risiko assoziiert

Patienten, die mit Statinen behandelt werden, könnten möglicherweise von einem positiven Nebeneffekt profitieren: Das Risiko ein primäres Offenwinkelglaukom zu entwickeln scheint bei einer langfristigen Therapie deutlich verringert.

Die Prävalenz des primären Offenwinkelglaukoms steigt mit dem Alter an, ab dem 40. Lebensjahr beträgt sie in Europa etwa 2,5%. Nach der akuten Makuladegeneration ist der „grüne Star“ der zweithäufigste Grund für Blindengeldbezug in Deutschland [1]. Neben einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung des primären Offenwinkelglaukoms, mit dem Ziel, den Intra­okulardruck zu senken, ist die Ermittlung von potenziellen Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen von hoher Relevanz. Interessant sind in diesem Zusammenhang Befunde, welche die Einnahme von Statinen mit einem geringeren Risiko für die Entstehung eines primären Offenwinkelglaukoms in Verbindung bringen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie untersuchten Forscher der Harvard Medical School, ob zwischen erhöhten Cholesterol-Werten und dem Auftreten eines primären Offenwinkelglaukoms ein Zusammenhang besteht und ob der Einsatz von Statinen dieses Risiko senken könnte [2]. Hierfür wurden Daten von insgesamt 136.782 Studienteilnehmern ausgewertet, die an der Nurses’ Health Study (NHS), der NHS 2 und der Health Professionals Follow-up Study teilgenommen hatten. Alle Teilnehmer waren über 40 Jahre alt und ohne Vorbefund eines Glaukoms. Über einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren wurden alle zwei Jahre die Cholesterol-Werte abgefragt und Daten zur Statin-Therapie erhoben.

Von den Teilnehmern der drei Kohorten entwickelten 886 ein primäres Offen­winkelglaukom. Ein Anstieg des Gesamtcholesterols im Serum um 20 mg/dl war hierbei mit einem um 7% erhöhten Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom assoziiert (Relatives Risiko [RR] 1,07; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,02 bis 1,11). Die Einnahme von Statinen war hingegen mit einem um 15% verringerten Risiko verbunden (RR 0,85; 95%-KI 0,73 bis 0,99). Bei einer Statin-Therapie über einen Zeitraum von fünf oder mehr Jahren konnte im Vergleich zu keiner Therapie sogar ein um 21% verringertes Risiko festgestellt werden (RR 0,79; 95%-KI 0,65 bis 0,97). Durchschnittlich verringerte jedes Jahr mit einem Statin das Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom um 3%. Die inverse Korrelation war insbesondere bei Patienten über 65 Jahren deutlich ausgeprägt.

Die Studienautoren postulieren, dass Mechanismen, die direkt den Intraokulardruck senken sowie neuro­protektiv wirken, zur verbesserten Prognose unter einer Statin-Therapie beitragen könnten. Um das Zusammenspiel von Hyperlipidämien, Statinen und der Pathogenese des primären Offenwinkelglaukoms genauer zu untersuchen, sollten nun kontrollierte Studien durchgeführt werden. |

Quelle

[1] Leitlinie Nr. 15a des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e. V. (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V. (DOG). Primäres chronische Offenwinkelglaukom, Normaldruckglaukom und okuläre Hypertension. Stand 10/2006

[2] Kang JH et al. Association of Statin Use and High Serum Cholesterol Levels With Risk of Primary Open-Angle Glaucoma. JAMA Ophthalmol 2019; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2019.0900

Apotheker Dr. Peter Meiser

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