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DocMorris will 2020 mit E-Rezept starten

Kooperation mit über 160.000 deutschen Fachärzten

bro/ral | Paukenschlag aus den Niederlanden: Der Versandhändler DocMorris will 2020 mit einem eigenen E-Rezept starten und kooperiert dafür mit dem Spitzenverband der Fachärzte. Dieser vertritt mehr als 160.000 Mediziner hierzulande. Für deutsche Apotheken eine gefährliche Entwicklung.

Der Arzneimittel-Versandhändler DocMorris steigt ins Geschäft mit den E-Rezepten ein – und das nach eigener Aussage bereits 2020. Dank einer erprobten E-Rezept-Technologie und umfassenden Arzneimitteltherapie-Sicherheitsprüfung könnten alle Marktbeteiligten bereits vor der offi­ziellen Einführung des E-Rezepts im kommenden Jahr von den Vorteilen profitieren, heißt es vonseiten DocMorris. Verkündet wurde der geplante E-Rezept-Start am Montag zusammen mit der Nachricht, dass der niederländische Versandhändler für die Umsetzung seines Konzepts mit dem Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) kooperiert. Der Verband umfasst zahlreiche Facharzt-Verbände der einzelnen Fachrichtungen und vertritt in Deutschland mehr als 160.000 Mediziner. In einer Pressemitteilung, die der SpiFa gemeinsam mit DocMorris veröffentlicht hat, schreibt der Verband, dass das Projekt seitens der Ärzte über die Sanakey-Gruppe gesteuert werden soll; eine Unternehmens­gruppe, die zum SpiFa gehört und vom ehemaligen FDP-Bundestags­abgeordneten Lars Friedrich Lindemann geleitet wird. Konkret heißt es in der Mitteilung: „Der SpiFa und die zu ihm ge­hörende Sanakey-Gruppe werden mit der Apotheke DocMorris bei der Suche nach innovativen Lösungen bei Themen wie Arzneimittel­therapiesicherheit und -distribution zusammenar­beiten sowie ein Pilot­projekt zur Einführung des elektro­nischen Rezepts umsetzen.“

Der Markt könnte sich schlagartig verändern

Für die Apotheker ist diese Marktentwicklung gefährlich. Denn vor nichts hat die ABDA in Bezug auf das E-Rezept in den vergangenen Monaten mehr gewarnt, als dass die freie Apothekenwahl verloren geht. Erst beim DAV-Wirtschaftsforum vor etwa zweieinhalb Wochen sagte ABDA-IT-Chef Sören Friedrich noch: „Am schlimmsten wäre es, wenn DocMorris mit einer eigenen E-Rezept-App auftaucht.“ Das ist nun passiert und wenn tausende Fachärzte von ihren Fachverbänden die Empfehlung bekommen, bei der Ausstellung eines E-Rezeptes auf DocMorris hinzuweisen, kann sich der Markt alleine dadurch schlagartig verändern.

Vor diesem Hintergrund bekommen auch die geplanten Neuregelungen im Apotheken-Stärkungsgesetz eine ganz neue Bedeutung. Zur Erinnerung: Das Bundesgesundheitsministerium will es den EU-Versendern mit Blick auf das E-Rezept verbieten, Absprachen mit Ärzten zur Weiterleitung von Rezepten zu vereinbaren. Auch das „Makeln“ von E-Rezepten soll verboten werden. Und: Ebenfalls soll es Ärzten und Krankenkassen im SGB V verboten werden, Patienten hinsichtlich ihrer Apothekenwahl zu beeinflussen. |

Geld für Zukäufe ist gesichert

Bis zu 39,27 Millionen Franken kann sich Zur Rose, die Muttergesellschaft von DocMorris, über eine Kapitalerhöhung für weitere Zukäufe und Finanzierungen besorgen. Auf der Generalversammlung des Unternehmens haben die Aktionäre dafür vergangene Woche grünes Licht gegeben. Um die Summe zu erreichen, sollen bis zu 1,3 Millionen Namensaktien im Nennwert von 30 Franken ausgegeben werden. Der Verwaltungsratspräsident Stefan Feuerstein und die Verwaltungsratsmitglieder Volker Amelung, Walter Oberhänsli und Thomas Schneider wurden laut Zur Rose für eine weitere Amtsdauer von einem Jahr bestätigt.

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