Arzneimittel und Therapie

Naproxen schützt nicht vor Alzheimer

Kein Vorteil durch frühzeitige Intervention

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie lassen Zweifel an der „Entzündungs-Hypothese“ der Alzheimer-Demenz aufkommen: Bei asymptomatischen Risiko­patienten kann Naproxen die Prognose nicht verbessern.

Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland wird auf etwa 1,2 Millionen geschätzt, von denen 50 bis 70% aufgrund der klinischen Symptomatik der Alzheimer-Demenz zuzuordnen sind [1]. Da die Alzheimer-Erkrankung bis heute nicht heilbar ist und gleichzeitig eine genetische Disposition besteht, kommt präven­tiven Maßnahmen vor allem bei Personen mit positiver Familien­anamnese eine große Bedeutung zu.

Die Beteiligung entzündlicher Prozesse bei der Pathogenese der Alzheimer-Erkrankung führte zu der Hypothese, dass sich der Einsatz nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken könne. In Beobachtungsstudien zeigte sich zwar eine negative Korrelation zwischen NSAR-Gebrauch und Alzheimer-Inzidenz, allerdings konnten Interventionsstudien die Vermutung bisher nicht bestätigen. Wissenschaftler der Universität Montreal vermuteten, dass die Erkrankung bei den Probanden dieser Negativstudien bereits zu weit fortgeschritten war, und wählten daher für eine aktuell publizierte Studie gezielt 195 Personen aus, deren Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung aufgrund familiärer Belastung erhöht war, die aber bisher selbst noch keinerlei kognitive Einschränkungen aufwiesen. Die durchschnittlich 63 Jahre alten Probanden erhielten über einen Zeitraum von zwei Jahren entweder zweimal täglich 220 mg Naproxen oder ein Placebo. Als Messinstrument wurde der Alzheimer Progression Score (APS) verwendet. Der Score fasst mehrere für die Früherkennung einer Alzheimer-Erkrankung relevante Parameter wie Kognitionstests, bildgebende Verfahren und die Konzentration verschiedener Biomarker im Liquor zusammen. Dies liefert Hinweise auf ein graduelles Fortschreiten der Erkrankung, bevor die Symptome klinisch manifest werden. In beiden Studienarmen verschlechterte sich der APS über den Studienzeitraum in ähnlichem Umfang – der Einsatz von Naproxen hatte hierauf keinerlei Auswirkungen.

Bekannte unerwünschte Wirkungen wie Sodbrennen und Bluthochdruck traten unter Naproxen häufiger auf als unter Placebo. Da die Zielgruppe einer Alzheimer-Prävention primär ältere Menschen mit ohnehin erhöhtem Risiko für Blutungen und kardiovaskuläre Ereignisse umfasst, wäre der Einsatz von Naproxen bei bisher Gesunden nur dann ethisch vertretbar, wenn der zu erwartende Nutzen diese Risiken überwiegt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Entzündungs-Hypothese widerlegt sei und man sich in der Alzheimer-Prävention fortan auf andere Forschungsansätze konzentrieren müsse. |

Quelle

[1] S3-Leitlinie „Demenzen“. AWMF-Registernummer: 038-013, Stand Januar 2016

[2] Meyer PF et al. INTREPAD: A randomized trial of naproxen to slow progress of presymptomatic Alzheimer disease. Neurology 2019;92:e1-e11; doi:10.1212/WNL.0000000000007232

Apothekerin Dr. Julia Podlogar

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