Rezension

Zwischen Agitation, Sedierung und Therapieresistenz

Ein Rundumschlag für die Lebensqualität

Welchen Weg geht der Patient? Dieser Leitfrage muss man sich als Apotheker stellen, um auf Patienten ideal einzugehen, und sie ist es auch, die im Buch „Psychopharmaka in der Apotheke – Patienten erkennen, verstehen, beraten“ beantwortet werden soll. Gerade bei psychischen Krankheiten ist es wichtig, das Gesamtbild aus Krankheitssymptomen, erwünschten wie unerwünschten Arzneimittelwirkungen, psychosozialen Aspekten und Komorbiditäten zu sehen. Der Weg einer psychischen Erkrankung dauert oft lebenslang und ist von Patient zu Patient unterschiedlich.

Mit Akribie beleuchten Dr. Otto Dietmaier und Dr. Daniel Schüpbach, ein Duo aus Apotheker und Arzt, in ihrem Buch, das 2018 im Deutschen Apotheker Verlag erschienen ist, umfangreich diese Erkrankungen, an denen schätzungsweise 28% der deutschen Bevölkerung leidet. Dabei beschreiben sie Symptome, Pathogenese und Krankheitsverläufe von Schizophrenien, affektiven Störungen, Angst- und Schlaf­störungen. Sie stellen den Leidensdruck und die Probleme der Patienten auch anhand von Fallbeispielen dar und veranschaulichen, worauf der Blick bei der Abgabe von Arzneimitteln geschärft sein sollte. Die Autoren gehen dabei auf Komorbiditäten und den Leidensdruck von Patienten und Angehörigen ein und vermitteln, was dieser für die Adhärenz bedeutet. Neben psychosozialen Aspekten und der besonderen Situation von Patienten, auf die sich die betreuenden Heilberufler einlassen müssen, legen die Autoren besonderen Wert auf die detaillierte Besprechung der Psychopharmako­therapie. Unter Einbeziehung neuester Erkenntnisse und Leitlinien werden die Wirkstoffe vorgestellt und innerhalb und zwischen ihren Gruppen verglichen. Dabei werden auch einige überholte Ansichten wie die Klassifizierung von Antipsychotika aufgeklärt. Auf diese Weise kann Apothekern eine Hilfe gegeben werden, arzneimittel­bezogene Probleme spezifisch ihrer Ursache zuzuordnen und so Empfehlungen für eine Verbesserung der Pharmakotherapie zu ermitteln. Ziel ist es, mit den Patienten eine Strategie zu finden, die Adhärenz und Lebensqualität in den Fokus der Therapie setzt. Das Absetzen und der Austausch von Arzneimitteln werden dabei ebenso besprochen wie Strategie, um die Therapietreue zu erhalten.

Leitliniengetreue Empfehlungen für Deutschland, Österreich und der Schweiz werden auch mithilfe von Fertigarzneimitteln dargestellt. Die Autoren gehen dabei auf eine große Bandbreite an Wirkstoffen ein, welche auch in Bezug auf ihre Anwendbarkeit bei Komorbiditäten und Komedikation präsentiert werden. Für viele mögliche Probleme wird ein Lösungsvorschlag geliefert, entweder allgemein oder für einen speziellen Einzelfall. Neben der Pharmakotherapie wird die Bedeutung von nicht medikamentösen Maßnahmen wie Schlafhygiene, Lebensstil und Psychotherapie miteinbezogen.

Die praxisnahe Darstellung von Patienten und deren Problemen macht „Psychopharmaka in der Apotheke“ zu einem für den Alltag sehr nützlichen Hilfsmittel als Grundlage, Nachschlagewerk oder auch zur Vertiefung der eigenen Kenntnisse. Die Synergie der beiden Berufsgruppen ergibt ein Buch, das umfangreiche Informationen bietet über Hintergründe, Symptomatik, Therapie und Komplikationen.

Psychopharmaka in der Apotheke

Patienten erkennen, verstehen, beraten

Von Otto Dietmaier und Daniel Schüpbach

XX, 275 S., 23 farb. Abb., 73 farb. Tab., 17,0 × 24,0 cm, Kartoniert, 23,80 Euro

ISBN 978-3-7692-6552-1

Deutscher Apotheker Verlag 2018


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Nach ausführlichen Beschreibungen werden wesentliche Bestandteile der jeweiligen Kapitel zusammengefasst und mit Merkkästen ein Fokus auf entscheidende Punkte gelegt, die bei der Beratung zu beachten sind. Alle relevanten Wirkstoffe werden außerdem noch in tabellarischer Form mit ihren Besonderheiten im Anhang aufgeführt. Den Autoren gelingt es, auf Grundlagen und Hintergründe gleichermaßen einzugehen wie auf Besonderheiten und dabei trotzdem den Umfang auf das Wesentliche zu begrenzen, wodurch es für alle Apotheker und PTA gleichermaßen nützlich ist.

Besonders empfehlenswert ist dieses Buch für Apotheker, die Patienten mit psychischen Erkrankungen über einen langen Zeitraum hin betreuen und beraten möchten. |

Apotheker Jonas Verstegen, Viersen

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