Aus den Ländern

Sonst verborgene Schätze

Deutsche Pharmazeutische Zentralbibliothek feiert den 50. Geburtstag mit einer Ausstellung

STUTTGART (wes) | Am 10. April 1969 wurde die Deutsche Pharmazeutische Zentralbibliothek gegründet. Ihren 50. Geburtstag feiert diese bemerkenswerte Institution mit einer Ausstellung in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart, wo die Pharmazeutische Zentralbibliothek auch untergebracht ist.

Über 80.000 Bände, die rund 1000 Regalmeter belegen, darunter ungefähr 20.000 Bücher („Monografien“) und rund 2000 Zeitschriftentitel in insgesamt 60.000 Bänden – das sind die eindrucksvollen Zahlen einer einmaligen Institution. Seit 50 Jahren sammelt die Deutsche Pharmazeutische Zentral­bibliothek in Stuttgart pharmazeutische und Apothekenliteratur. Die meiste Zeit lagern die Titel gut klimatisiert im sogenannten Tiefmagazin der Württembergischen Landesbibliothek. Doch anlässlich des Jubiläums sind nun einige ausgewählte Schätze aus diesem riesigen Fundus für die Öffentlichkeit zugänglich. Noch bis zum 6. Juni 2019 werden in sieben Vitrinen „typische, aber auch besondere Werke aus der Sammlung“ der Öffentlichkeit präsentiert, wie Prof. Dr. Michael W. Mönnich, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Zentralbibliothek, bei der Ausstellungseröffnung am 9. April in Stuttgart erklärte.

Foto: DAZ/wes

Bücher, Zeitschriften – und Kuriositäten

In sieben Vitrinen zeigt die Ausstellung liebevoll ausgewählte Bücher, Zeitschriften und Apothekerkalender, aber auch einige Kuriositäten wie den Katalog eines Apothekeneinrichters aus den 1970er-Jahren, eine Schall­platte mit einem Englisch-Kurs für deutsche Apotheker oder das Buch „Die bösen Krankenkassen“, in dem ein Krankenkassenvorsitzender Ende des 19. Jahrhunderts die „Sparsamkeit“ der Krankenkassen erklären wollte.

Dabei sind die Kästen nicht chronologisch oder nach Medienformat gegliedert, sondern thematisch: Eine Vitrine widmet sich der Literatur über Arzneimittel, eine der über die Pharmakognosie und Botanik, ein Kasten ist Literatur aus und über die pharma­zeutische Industrie vorbehalten, einer pharmazeutischen (Fach-)Zeitschriften, einer den Arzneibüchern. Sicher ein Highlight der Ausstellung ist die Vitrine mit dem Titel „Der Apotheker im Spiegel der Kunst“. Hier findet sich nicht nur ein Kochbuch mit den „Leibgerichten des Apothekers und Malerpoeten Carl Spitzweg“, sondern auch die berühmte Schallplatte, auf der Bundespräsident Walter Scheel das Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen singt“. Dessen Melodie hat nämlich der Berliner Apotheker Heinz Höhne 1922 komponiert.

Foto: DAZ/wes

Eine Bibliothek von Apothekern für Apotheker

Dass die Deutsche Pharmazeutische Zentralbibliothek solche Apotheken-Zeitzeugnisse sammeln und bewahren kann, verdankt sie einem Trägerverein, dem (leider nicht alle) Landesapothekerkammern und -verbände, der Deutsche Apothekerverband, die Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie (DGGP) und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG), das Deutsche Apotheken-Museum Heidelberg sowie die beiden pharmazeutischen Fachverlage Govi-Verlag und der Deutsche Apotheker Verlag angehören.

Ausstellung geöffnet

Die Ausstellung „Verborgene Schätze ans Tageslicht gebracht – 50 Jahre Deutsche Pharmazeutische Zentralbiblio­thek“ ist bis zum 6. Juni 2019 zu den Öffnungszeiten der Württembergischen Landes­bibliothek in Stuttgart im dortigen Foyer zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen unter ww.wlb-stuttgart.de

Gesammelt werden Zeitschriften und Monografien zur Pharmazie aus dem In- und Ausland im Allgemeinen und zur Pharmaziegeschichte. Das kann auch Literatur aus angrenzenden Fachgebieten sein, soweit sie eindeutig pharmazeutische Inhalte aufweist. Ein Schwerpunkt bildet die Literatur über Apotheker, Apotheken und Pharmazie oder von Apothekern und Pharmazeuten (z. B. Theodor Fontane). Aber auch Jubiläums- und Festschriften der pharmazeutischen Industrie, pharmazeutischer Hochschulinstitute sowie einzelner Apotheken werden gesammelt, dazu Publikationen der pharmazeu­tischen Industrie (sogenannte graue Literatur), „Verbrauchsliteratur“ des Apothekenbetriebs (z. B. Taxen, Arzneimittelverzeichnisse, Jahrbücher, Kalender), Berichte von pharmazeu­tischen sowie pharmaziehistorischen Kongressen und Symposien und Juristische Texte mit eindeutigem Bezug zur Apotheke, z. B. Publikationen über Versicherungen und Krankenkassen. Kurz: „Eine Bibliothek von Apothekern für Apotheker“, wie der Geschäfts­führer der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, Dr. Karsten Diers, in seinem Grußwort auf der Vernissage betonte. |

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