Arzneimittel und Therapie

NSAR gehen auch Jüngeren an die Nieren

Risiko für renale Komplikationen erhöht

Forscher in den USA haben umfangreiche Daten über den Analgetika­gebrauch von Soldaten im aktiven Dienst dazu genutzt, das Risiko für Nierenschäden durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bei Jüngeren zu ermitteln. Bisherige Untersuchungen zu dieser Thematik hatten sich überwiegend auf ältere, multimorbide Menschen konzen­triert. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf das Schädigungspotenzial dieser Wirkstoffe bei Sportlern oder Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen zu.

Der Gesundheitszustand von aktiven Militärangehörigen wird in der Regel gut dokumentiert. Dies war auch in der kürzlich publizierten retrospektiven Kohortenstudie der Fall. Sie basiert auf Daten von 764.228 US-Soldaten (85,8% Männer) im aktiven Dienst, die zwischen Januar 2011 und Dezember 2014 erhoben worden waren. Es wurden die mittleren definierten Tagesdosen (defined daily doses, DDD) von verordneten NSAR erfasst. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei knapp 29 Jahren. Den meisten von ihnen (65,8%) waren im Beobachtungszeitraum keine Schmerzmittel verschrieben worden. 137.108 (17,9%) hatten im Mittel zwischen einer und sieben DDD pro Monat erhalten, 124.594 (16,3%) mehr als sieben DDD pro Monat. Am häufigsten waren Ibuprofen (als 800-mg-Tablette, drei- oder mehrmals täglich) und Naproxen (500 mg, mindestens zweimal täglich) verordnet worden.

Foto: staras – stock.adobe.com
Sport und Schmerzmittel sind keine gute Kombination für die Nieren.

Gefahr bei hohem Gebrauch

Im vierjährigen Beobachtungszeitraum war bei 2365 Soldaten (0,3%) ein akutes Nierenleiden, bei 1634 (0,2%) eine chronische Nierenkrankheit diagnostiziert worden. Verglichen mit den Soldaten ohne Schmerzmitteleinnahme hatten Teilnehmer mit dem höchsten Anal­getikagebrauch ein um 20% höheres Risiko sowohl für akute als auch für chronische Nierenschäden (adjustierte Hazard ratio [aHR] 1,2; 95%-KI 1,1 bis 1,4 bzw. aHR 1,2; 95%-KI 1,0 bis 1,3). Der Unterschied war statistisch signifikant. In der Gruppe, die zwischen einer und sieben DDD pro Monat verordnet bekommen hatte, zeigte sich eine geringe, aber nicht signifikante Zunahme renaler Komplikationen. Die Forscher hatten in der Auswertung Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes und Hypertonie berücksichtigt. Bei Soldaten mit Hypertonie in der Anam­nese zeigte sich ein mehr als doppelt so hohes renales Nebenwirkungsrisiko wie bei Gesunden.

Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf zivile Personen ähnlichen Alters ist nach Ansicht der Studienautoren nur begrenzt möglich. Am ehesten erscheint dies bei Sportlern oder solchen Berufstätigen gegeben, die anstrengende Dehydratations-fördernde Tätigkeiten verrichten, da ein vorüber­gehender Flüssigkeitsmangel die Belastung für die Nieren zusätzlich zur Analgetika-Einnahme erhöhen kann. Dazu zählen beispielsweise Feuerwehrleute, Arbeiter in der Landwirtschaft oder im Baugewerbe. |

Cave Nierenschäden

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen sind bei schwerer Niereninsuffizienz kontraindiziert. Bei Patienten mit leichter oder mittelschwerer Nierenfunktionsstörung wird eine reduzierte Anfangsdosis empfohlen. Aber auch bei intakter Nierenfunktion sollten die Wirkstoffe nur so kurz wie unbedingt nötig und in der niedrigst wirk­samen Dosierung angewendet werden. Bei notwendiger Dauereinnahme empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung der Nierenfunktion. Denn die Hemmung der Synthese von Prostaglandinen wie PGE2, das durch seine gefäßerweiternde Wirkung eine ausreichende Nierendurchblutung sicherstellt, bewirkt eine Minderdurchblutung des Organs. Eine Verringerung des Filtrationsdrucks, Ischämien oder Nekrosen können die Folge sein.

Quelle

Nelson DA et al. Association of nonsteroidal anti-inflammatory drug prescriptions with kidney disease among active young and middle-aged adults. JAMA Network Open 2019;2(2):e187896

Fachinformationen von Präparaten mit den genannten Wirkstoffen

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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