Arzneimittel und Therapie

Hoffnungsschimmer Vitamin D

Zwei Studien bei Darmkrebs liefern ermutigende Ergebnisse

bj | Die Datenlage zur Chemoprävention mit Vitaminen ist ernüchternd. Weder Vitamin C, A, E noch Selen konnten in randomisierten kontrollierten Studien überzeugen. Doch zu Vitamin D gibt es neue Erkenntnisse: Zwei aktuelle Studien deuten auf positive Effekte bei Magen-Darm-Tumoren hin – allerdings erst auf den „zweiten statistischen“ Blick.

Dem Vitamin-D-Hormon werden die verschiedensten Wirkungen zugeschrieben. Viele Effekte haben sich in kontrollierten Studien nicht bestätigt. Nun überraschen zwei Untersuchungen zur Vitamin-D-Supplementation bei gastrointestinalen Tumoren, deren Ergebnisse im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht und kommentiert wurden.

Positiver Trend bei Hochdosis

Die beiden Studien SUNSHINE [1] und AMATERASU [2] unterscheiden sich deutlich in ihrem Design. So handelt es sich bei SUNSHINE um eine Phase‑II-Studie aus Nordamerika mit 139 Patienten, die an einem nicht operablen oder metastasierten Kolorektalkarzinom litten. Die Vitamin-D-­Gabe erfolgte begleitend zu einer Chemotherapie mit Bevacizumab und einer Kombination von 5-Fluorouracil, Leucovorin und Oxaliplatin. 69 Patienten erhielten „Hochdosis“-Vitamin-D (8000 I.E. während des ersten 14-tägigen Chemotherapiezyklus und 4000 I.E. während der folgenden Zyklen). Die 70 Patienten der Standard­dosis-Gruppe wurden mit 400 I.E. behandelt. Beim primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben, gab es keinen statistischen Unterschied zwischen den Dosierungen. Die Hochdosis-Gruppe zeigte allerdings einen nicht signifikanten Trend zu einem um zwei Monate längeren progressionsfreien Überleben (13,0 vs. 11,0 Monate).

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Nutzen zeigt sich erst nachzusätzlichen Analysen

Die Wissenschaftler führten eine zusätzliche Analyse durch, bei der sie den primären Endpunkt mit dem Auftreten von Todesfällen kombinierten. Bei dieser Analyse war der Vorteil für die Hochdosis-Gruppe signifikant (multivariable Hazard Ratio [HR] 0,64; einseitiges 95%-Konfidenzintervall [KI] 0 bis 0,90).

Bei AMATERASU wurden Patienten mit verschiedenen Tumorentitäten eingeschlossen: Von den 471 Teilnehmern aus Japan litten 10% an Speiseröhren-, 42% an Magen- und 48% an Dickdarmkrebs. Die Vitamin-D-Gabe erfolgte postoperativ nach Tumorresektion über einen medianen Beobachtungszeitraum von 3,5 Jahren. 251 Patienten erhielten 2000 I.E. Vitamin D und 166 Placebo. Der primäre Endpunkt, eine Kombination aus rückfallfreiem Überleben oder Tod, verfehlte die Signifikanz (HR 0,76; 95%-KI 0,50 bis 1,14). Doch eine zusätzliche alters­adjustiere Post-hoc-Analyse des primären Endpunkts zeigte einen signifikanten Vorteil zugunsten der Vitamin-D-Gruppe (adjustierte HR 0,66; 95%-KI 0,43 bis 0,99).

Die Autoren des korrespondierenden Editorials sind der Ansicht, dass SUNSHINE und AMATERASU wertvolle neue Erkenntnisse liefern, die in größeren Studien bestätigt werden sollten [3]. Beide Studien wiesen allerdings Limitationen auf. So sei die Beobachtungsdauer in SUNSHINE zu kurz, das Patientenkollektiv in AMATERASU zu heterogen, die Patientenzahl in beiden Untersuchungen zu niedrig. Außerdem weisen die Kommentatoren auf eine Besonderheit hin: Bei AMATERASU verlor sich die Signifikanz in der alters­adjustierten Analyse des primären Endpunkts bei Vitamin-D-Ausgangswerten unterhalb von 20 ng/ml. Mög­licherweise sei die Dosis zu niedrig gewesen, spekulierten die Experten. |

Quelle

[1] Ng K et al. Effect of high-dose vs standard-dose vitamin D3-supplementation on progression-free survival among patients with advanced or metastatic colorectal cancer: the SUNSHINE randomized clinical trial. JAMA 2019;321(14):1370-1379

[2] Urashima M et al. Effect of vitamin D supplementation on relapse-free survival among patients with digestive tract cancers: the AMATERASU randomized clinical trial. JAMA 2019;321(14):1361-1369

[3] Barry EL et al. Vitamin D as Cancer Therapy? Insights From 2 New Trials. JAMA 2019;321(14):1354-1355

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