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Spezialisten für Kinderarzneimittel

Weiterbildung zum Fachberater Pädiatrie

KÖLN (msw) | Im März konnten sich Apotheker und PTA erstmals in einem zweitägigen Basisseminar umfassende Fachkenntnisse zur Arzneimitteltherapie bei Kindern aneignen. Wer nach der Präsenz­veranstaltung erfolgreich eine Online-Abschlussprüfung absolviert, erhält von der PädiaAkademie das Zertifikat „Fachberater/in Pädiatrie“.

Die PädiaAkademie, ein Service von Infectopharm, bietet praxisnahe und produktunabhängige Fortbildungen im Bereich der Kinderheilkunde an. Besonders hervorzuheben ist dabei das interdisziplinäre Referententeam: Zwei Apotheker, eine Apothekerin und zwei Kinderärzte präsentierten ihr geballtes Fachwissen gemeinsam und in ständiger Interaktion miteinander sowie mit den Teilnehmern. Das Basisseminar fand an zwei Veranstaltungsorten, in Berlin und Köln, statt. Beide Termine waren innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Die hohe Nachfrage be­stätigt die Unsicherheiten, die bei der Beratung zu Kinderarzneimitteln bestehen.

Foto: DAZ/msw
Das Referententeam der PädiaAkademie:Dr. Christian Ude, Dr. Miriam Ude, Dr. med. Steffen Fischer, Dr. med. Michael Dreuw und Dr. Dirk Simonis (v. l.).

Evidenzbasierte OTC-Beratung

Was sind empfehlenswerte Präparate? Welche Arzneimittel sind nachweislich gut wirksam? Und wo bekomme ich Informationen über die Produkte? Diesen Fragen widmete sich Apotheker Dr. Christian Ude und kam dabei zu dem Schluss, dass auch in der Pädiatrie gut untersuchte OTC-Präparate zur Ver­fügung stehen. Die zentrale Aufgabe der Apotheke sei es jedoch, diese von weniger evidenten Präparaten zu unterscheiden. Hilfreich können dabei beispielsweise Leit­linien, die Homepage des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V. oder die systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Library sein. Für die Apothekenpraxis rät Ude, für unterschiedliche Indikationen, aktuell z. B. Heuschnupfen, zu schauen, welche Präparate man in der Apotheke vorrätig hat, für wen die verschiedenen Arzneimittel zugelassen sind und wer welches Produkt in welcher Darreichungsform und Dosierung bekommen darf. Anschließend könne man innerhalb des Teams einen gemeinsamen Konsens finden, welche Produkte man empfiehlt.

Foto: DAZ/msw
Das Interesse war groß. Mit 210 Teilnehmern war das Basisseminar in Köln in kurzer Zeit ausgebucht. Auf der Warteliste stehen weitere 300 Interessenten.

Kindgerechte Arzneiformen

Um sicherzustellen, dass Kinder auch über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Arzneimittel einnehmen, braucht man eine alltagstaugliche, kindgerechte Darreichungsform, die einfach anzuwenden ist, so exakt wie möglich dosiert werden kann und deren Geschmack bei oraler Anwendung toleriert wird. Am Beispiel eines Trockensaftes erklärte Apothekerin Dr. Miriam Ude, was bei der Zubereitung und Applikation schiefgehen kann und worauf man bei der Beratung unbedingt hinweisen sollte. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, stellte sie fest und rät: „So simpel es uns vorkommen mag, sagen Sie es lieber dazu!“ Auch auf die Anwendung anderer beratungsbedürftiger Darreichungsformen wie Zäpfchen, Mikroklysmen, orodispersible Tabletten, Augen- und Ohrentropfen ging Ude intensiv ein.

Besondere Pharmakokinetik

Von der Erwachsenendosis einfach auf die Dosierung eines Kindes „herunterzurechnen“, funktioniert in der Praxis nicht. Zu groß sind die Unterschiede in der Pharmakokinetik. Das fängt bereits bei der Resorption von Arzneistoffen an: unvollständige Organbarrieren, eine verlangsamte Magen-Darm-Passage bei Neugeborenen, Schwankungen im pH-Wert des Magens, eine unzureichende Gallensäureproduktion oder einer erhöhte perkutane Resorption führen dazu, dass Kinder Wirkstoffe schneller oder langsamer aufnehmen. Auch die Verteilung, der Metabolismus und die Elimination sind bei Kindern anders, erklärte Dr. Christian Ude an vielen interessanten Arzneimittelbeispielen. Er rät, gerade bei Rezepten mit Arzneimitteln zum Off-Label-Use mitzudenken und diese nicht einfach „blind“ zu beliefern.

Verschreibungen generell auf Plausibilität zu hinterfragen, hält auch Dr. med. Steffen Fischer, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Leiter der medizinischen Kooperationsgemeinschaft „Das Paediatricum“ in Hochheim am Main, für sinnvoll. Dass Ärzte bei der Auswahl eines Präparates auf dem Computer in der Zeile verrutschen, kann vorkommen. Er selbst sei dankbar, wenn die Apotheke sich im Zweifelsfall meldet. Gemeinsam mit Dr. Miriam Ude und Dr. Christian Ude betrachtete Fischer Fallbeispiele aus der Praxis interdisziplinär und erläuterte, welche Faktoren ihn bei der Auswahl eines Therapiekonzeptes beeinflussen und welche wichtige Rolle die Apotheken spielen, wenn es um die korrekte Anwendung von Arzneimitteln und die Therapietreue geht.

Foto: DAZ/msw
Arzt und Apotheker gemeinsam auf der Bühne. Dr. med. Steffen Fischer demonstrierte live die Anwendung eines Spacers. Dr. Christian Ude erklärte die Theorie.

Kinderhaut und ihre Probleme

Apotheker Dr. Dirk Simonis und Kinderarzt Dr. med. Michael Dreuw arbeiten seit Jahren eng zusammen, um einen optimalen Therapieerfolg für ihre Patienten zu gewährleisten. Gemeinsam stellten sie die Besonderheiten der Kinderhaut sowie typische Hauterkrankungen wie Windeldermatitis, Kopfgneis, Neurodermitis, Warzen und Scabies und deren Behandlung vor. Neben vielen Produktbeispielen und Beratungstipps hatte Dr. Dirk Simonis auch individuelle Rezepturvorschläge im Gepäck. Aus dem Publikum durften immer wieder Fragen an die Referenten gestellt werden, die für jedes Problem eine Lösung hatten. Der Austausch mit den Experten wurde von den Teilnehmern intensiv genutzt – eine solche Gelegenheit haben Apotheker und PTA schließlich nicht jeden Tag.

Erkältungsbeschwerden behandeln

Der zweite Weiterbildungstag widmete sich typischen Beratungsthemen in der Apotheke. Dr. Steffen Fischer stellte Erkältungsbeschwerden, wie Fieber, Schnupfen, Ohren- und Halsschmerzen sowie Husten, im Detail vor und erklärte, welche Therapieoptionen es gibt und wann die Grenzen der Selbstmedikation erreicht sind. Gemeinsam mit Dr. Christian Ude demonstrierte er eindrucksvoll, was bei der Anwendung verschiedener Inhalatoren und Hilfsmittel für die Applikation beachtet werden muss. Zudem ging Ude auf die pflanzlichen Arzneimittel aus der Apotheke sowie Möglichkeiten der Erkältungsprävention ein – immer mit Blick auf die Evidenzlage.

Magen-Darm-Beschwerden

Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder Obstipation sind bei Kindern keine Seltenheit. Welche Symptome auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen, erklärte Dr. Michael Dreuw auch anhand kleiner Patienten aus seiner eigenen Praxis. Passend dazu ergänzte Dr. Dirk Simonis, welche Arzneimittel in der Selbstmedikation angewendet werden können, wie sie wirken und welche zusätzlichen Hinweise bei der Beratung gegeben werden sollten. Nicht alle hält Dreuw für sinnvoll. Bei Durchfall rät er beispielsweise, sich auf die Gabe von oralen Rehydratationslösungen in ausreichender Menge zu konzentrieren. |

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