Aus den Ländern

Magdalene Linz verabschiedet sich

Im August wird in Niedersachsen eine neue Kammerversammlung gewählt

HANNOVER (bro) | Eine der bekanntesten und bedeutendsten Standespolitikerinnen der Apotheker tritt ab: Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, hat sich am vergangenen Mittwoch von ihrer Kammerversammlung verabschiedet. Linz blickte zurück auf mehr als 20 Jahre Berufspolitik, erhielt ein schönes Abschiedsgeschenk von den Delegierten und attackierte wie gewohnt mit spitzer Zunge die Politik und die Krankenkassen.

Die Kammerversammlung der Apothekerkammer Niedersachsen hat sich am vergangenen Mittwoch zum letzten Mal in dieser Wahlperiode getroffen. Im August wird in Niedersachsen eine neue Kammerversammlung gewählt. Kammerpräsidentin Magdalene Linz hatte schon früh angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Linz begründet ihre Entscheidung mit privaten Beweggründen. Nach 19 Jahren Berufspolitik reiche es einfach, sagte die Kammerpräsidentin im vergangenen Jahr gegenüber DAZ.online. Ihre beiden Apotheken wolle sie gemeinsam mit ihrer Tochter weiterbetreiben, als Delegierte werde sie allerdings nicht mehr kandidieren.

Foto: Apothekerkammer Niedersachsen
Rund 35 Jahre im Dienste der Standespolitik: Magdalena Linz bei ihrem letzten berufspolitischen Bericht zur Lage.

Die Versammlung in Hannover war nicht – wie sonst – geprägt von berufs- und standespolitischen Themen. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Verabschiedung von Magdalene Linz, die seit 2000 Präsidentin einer der größten Kammern in Deutschland ist: Die Kammer Niedersachsen hat rund 7000 Mitglieder, mit etwas mehr als 1900 Betriebsstätten hat Niedersachsen die viertmeisten Apotheken in Deutschland.

Seit 1984 in der Kammer aktiv

Die 64-jährige Pharmazeutin blickte zurück auf ihre Karriere in der Kammer Niedersachsens – und auf Bundesebene. Denn Linz war nach 2005 auch die erste Präsidentin der Bundesapothekerkammer, trat nach einer Wahlperiode aber wieder ab und konzentrierte sich wieder auf ihre Aufgaben in Niedersachsen. Linz wurde 1984 erstmals Mitglied der Kammerversammlung in Niedersachsen. Im Jahr 2000 war sie auch die erste Frau, die das Amt einer Landes-Kammerpräsidentin übernahm.

In ihrem Rückblick erinnerte sich die Hannoveraner Apothekerin an etliche Gesundheitsreformen, die sie und ihre Kammer diskutierten. Ebenso blickte sie auf zahlreiche Treffen mit den wichtigsten Politikern Deutschlands zurück, es wurden Bilder gezeigt von Linz mit Angela Merkel, Horst Köhler, Jens Spahn oder Stefan Weil. Letztlich bedankte sie sich bei ihren Kolleginnen und Kollegen, den Hauptamtlichen Kammermitarbeitern und den anderen Vorstandsmitgliedern der Kammer.

Die Delegierten der Kammer hatten zum Abschluss ein schönes Geschenk für die scheidende Präsidentin parat: Linz bekam von jedem anwesenden Delegierten eine Blume geschenkt, so dass sie die Gelegenheit hatte, sich von allen persönlich zu verabschieden, und am Ende mit einem riesigen Blumenstrauß vor ihrer Kammerversammlung stand und sich herzlich bedankte.

Wann kommt das Ende der ­Ungleichbehandlung?

In ihrem letzten berufspolitischen Bericht zur Lage hatte Linz zuvor die aktuelle apothekenpolitische Lage – wie gewohnt mit spitzer Zunge – kommentiert. Natürlich beschäftigte sich Linz in erster Linie mit den neuen Apotheken-Eckpunkten aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG). Dass in dem Papier nun die Gleichpreisigkeit enthalten ist, bezeichnete sie als erfreulich und erinnerte daran, dass es den Apothekern immer um das Ende der Ungleichbehandlung gegangen sei. Wichtig sei nur, dass die Lösungen rechtssicher sind, so Linz.

In diesem Zusammenhang attackierte sie mehrere Politiker aus den Regierungsfraktionen. Zur Erklärung: Die ABDA-Mitgliederversammlung hatte im Januar beschlossen, als Reaktion auf die Pläne des BMG fortan in erster Linie das Rx-Boni-Verbot zu fordern und das Rx-Versandverbot zunächst zurückzustellen. Im Anschluss kommentierten unter anderem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Karin Maag (gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion), dass die ABDA vom Verbot abgerückt sei. Linz bezeichnete dies als „heuchlerisch“. Denn: „Wir haben einen Minister, der das partout nicht will. Wie sollen wir bitte seine Meinung ändern? Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die Aufgabe der Abgeordneten.“

Dass die Union das Rx-Boni-Verbot nun im SGB V und im Rahmenvertrag verankern will, hält Linz für ein „wichtiges Signal“. Allerdings sei es juristisch „nicht unumstritten“. Dass es – auch mit Blick auf das EU-Vertragsverletzungsverfahren – zu einem zweiten EuGH-Verfahren zum Thema Rx-Preisbindung kommt, hält auch Linz nicht für ausgeschlossen. Eine Wiederaufnahme könne aber auch positive Aspekte haben, so Linz. Denn: „Dann kommt endlich wieder Druck auf den Kessel.“ Dass die Apotheker richtig liegen, begründete die Kammerpräsidentin mit vorangegangenen EuGH-Urteilen. „Der EuGH hat beispielsweise im Verfahren zum Fremdbesitzverbot klar erklärt, dass die Gesundheitsversorgung Sache der EU-Mitglieder ist.“ Deutschland solle das Risiko eines zweiten Verfahrens daher ruhig eingehen. Und einen Plan B hat Linz auch schon: „Wenn dieses Verfahren schief geht, bleibt das Rx-Versandverbot.“

Foto: Apothekerkammer Niedersachsen
Standing Ovations aus der Kammerversammlung

„Langsam an pharmazeutische Dienstleistungen herantasten“

Die meisten anderen Punkte im neuen Eckpunkte-Papier des BMG begrüßte Linz. Beim Thema freie Apothekenwahl sei einiges passiert. Linz bezog sich unter anderem auf die Pläne des BMG, Selektivverträge zwischen Kassen und EU-Versendern zu verbieten oder die Beeinflussung von Versicherten zu verbieten. Auch dass mit der geplanten Apothekenreform vergütete pharmazeutische Dienstleistungen eingeführt werden sollen, findet Linz erfreulich. Sie mahnte aber an, dass man nicht von allen Apotheken sofort die „High-End-Variante“ erwarten könne: „Wir müssen uns da langsam rantasten“, sagte Linz.

In diesem Zusammenhang kritisierte sie den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach heftig. Lauterbach hatte gesagt, dass die SPD darauf achten werde, dass die Apotheker nicht mehr Geld für die gleiche Leistung bekommen und dass man den Versandhandel in der Fläche brauche. „Ich weiß nicht, wo er lebt, wahrscheinlich nur noch in Berlin. Aber wir sind sehr wohl in der Lage, die Patienten im ländlichen Raum qualifiziert pharmazeutisch zu beraten und zu versorgen.“

Dass die Anpassungen am Apothekenhonorar im zweiten BMG-Papier nun deutlich geringer ausfallen, kritisierte Linz ebenfalls. Während es bei Kliniken und Ärzten in den vergangenen Jahren große Honorarzuwächse gegeben habe, herrsche bei Apothekern und Großhändlern Stagnation. Sie griff daher Minister Spahn an: „Der Minister hat uns gegenüber erklärt, dass er uns das Rx-Versandverbot nicht ‚abkaufen‘ wolle.“ Das sehe durch die Absenkung im zweiten Entwurf nun aber anders aus. Linz forderte, dass man den Betrag wieder höher ansetzen solle, schließlich gehe es auch darum, dass sich junge Nachwuchsapotheker für eine Apotheke vor Ort entscheiden. Wenn allerdings gekürzt werden müsse, dann aus ihrer Sicht nicht bei den pharmazeutischen Dienstleistungen. Linz dazu: „Dass der Nacht- und Notdienstfonds nicht um weitere 16 Cent gesteigert wird, ist angemessen. Die 100 Millionen Euro für die pharma­zeutischen Dienstleistungen sind aber zu wenig. Man sollte wenigstens ein gewisses Wachstum planen.“

Schließlich teilte Linz auch noch gegen den AOK-Bundesverband aus. Dieser hatte eine Studie zur Zufriedenheit der Menschen mit den ambulanten Versorgungseinrichtungen präsentiert – die Apotheken fehlten als einzige Instanz. Zeitgleich veröffentlichte allerdings die AOK Baden-Württemberg die gleiche Studie auf regionaler Basis – mit Zufriedenheitswerten für die Apotheken, die deutlich vor allen anderen Versorgern liegen. Linz dazu: „Da kann man natürlich auf den Gedanken kommen, dass da etwas mit Absicht verschwiegen wurde.“ Martin Litsch, der Chef des AOK-Bundesverbandes, habe ihr persönlich aber zugesagt, dass zu diesem Thema eine weitere Veröffentlichung folgen solle. |

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