Interpharm 2019 – Wissen am Mittag

Bedenklich, instabil, inkompatibel

Wie man Rezepturen vor der Katastrophe retten kann

az | Über die Vielfalt physikochemischer Inkompatibilitäten, die auftreten können, wenn Rezepturen unter pharmakotherapeutischen Gesichtspunkten komponiert werden, ohne dabei galenische Aspekte zu berücksichtigen, sprach Dr. Andreas S. Ziegler, Stuttgart.
Foto: DAZ/Lennart Preiss
Dr. Andreas S. Ziegler

Anhand zahlreicher Originalverordnungen aus der Praxis veranschaulichte er in einem reich bebilderten Vortrag, dass manche Rezepturver­ordnung nach der Herstellung eher an Hüttenkäse oder Tapetenkleister erinnert als an ein qualitativ hochwertiges Arzneimittel. Aber auch Lösungsvorschläge hatte er selbstverständlich parat. Bei ionischen Wechselwirkungen zwischen Wirkstoff und Grundlage sei beispielsweise der Austausch der Grundlage häufig eine einfache und praktikable Lösung, um das Rezepturproblem zu beseitigen. Gleiches gelte für Wechselwirkungen zwischen phenolischen Wirkstoffen und Grundlagen mit macrogolischen Emulgatoren.

Ausführlich erläuterte der Referent, dass ein solcher Grundlagenaustausch auch eigenverantwortlich in der Apotheke vorgenommen werden kann, wenngleich es grundsätzlich sinnvoll sei, den Arzt einzubeziehen. Auch sollte keine beliebige Alternative gewählt, sondern Galenik und Wassergehalt des ursprünglich verordneten Vehikelsystems weitgehend beibehalten werden. Eine O/W-Creme sollte also im Idealfall gegen eine ebensolche mit vergleichbarem Wassergehalt (± 10%) ausgetauscht werden.

Dass Inkompatibilitäten nicht immer sofort erkennbar sind, veranschaulichte Ziegler anhand eindrucksvoller Bilder diverser Rezepturen, die sich im Laufe der Zeit verfärben, was bei der organoleptischen Endprüfung der Apotheke natürlich nicht sichtbar sei, häufig aber bei der Literaturrecherche im Rahmen der Plausibilitätsprüfung erkannt werden könne. Durch die Wahl eines geeigneten, lichtundurchlässigen Packmittels oder durch den Zusatz von Antioxidanzien lassen sich Verfärbungen in vielen Fällen schnell und einfach verhindern. Auf unterhaltsame Art vermittelte der Vortrag praktikable Lösungsstrategien für wichtige Rezepturprobleme und machte die Teilnehmer „rezepturfit“, denn das Alleinstellungsmerkmal der pharmazeutisch-galenischen Kompetenz sei für den Berufsstand nicht nur eine Chance sich zu profilieren, betonte Ziegler, sondern auch eine Verpflichtung gegenüber den Patienten. |

Foto: DAZ/Lennart Preiss

Das könnte Sie auch interessieren

Kleinen Neurodermitis-Patienten und den Eltern helfen

Topische Therapeutika richtig auswählen

Ein Rundgang über die Pharmazeutische Ausstellung

Impressionen von der Messe

Was den Rezeptur-Retter unverzichtbar macht

„Ein Problemlöser, der bislang fehlte!“

Gemeinsame Betreuung durch Arzt und Apotheker steigert Therapieerfolg

Asthma im Kindesalter – eine therapeutische Besonderheit

30 Jahre Interpharm

Was für ein Fest!

Senioren im Umgang mit Arzneiformen sicher machen

Problemlöser Präsenzapotheker

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.