Interpharm 2019 – Wissen am Mittag

NOAK richtig einsetzen

Wie Apotheker dabei helfen können, Medikationsfehler zu vermeiden

cst | Zahlreiche Indikationen, unterschiedliche Dosierungen – die Therapie mit nicht-Vitamin-K-abhängigen Antikoagulanzien (NOAK) ist verwirrend. Verordnungs- und Einnahmefehler sind vorprogrammiert. Umso wichtiger, dass Apotheker über die richtige Anwendung der verschiedenen NOAK gut informiert sind.
Foto: DAZ/Alex Schelbert
Prof. Dr. Sylvia Haas

Prof. Dr. Sylvia Haas, ehemalige Leiterin der Arbeitsgruppe für Thrombose- und Hämostaseforschung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, ließ zu diesem Thema wenige Fragen offen. Schritt für Schritt erläuterte Haas die korrekten Dosierungen der vier in Deutschland zugelassenen Substanzen Apixaban (Eliquis®), Dabigatran (Pradaxa®), Edoxaban (Lixiana®) und Rivaroxaban (Xarelto®) in den einzelnen Indikationen (s. Abb. DAZ 2019, Nr. 3, S. 26). Wichtig zu wissen: Wo immer ein Ersatz von Vitamin-K-Antagonisten durch NOAK stattfindet – beispielsweise in der Erhaltungstherapie nach einer venösen Thromboembolie –, werden Apixaban und Dabigatran zweimal täglich gegeben, Edoxaban und Rivaroxaban hingegen nur einmal täglich. Da hierbei oft Fehler passieren, sollte in der Apotheke auf die korrekte Einnahme hingewiesen werden. Doch nicht nur hier sieht Haas eine Möglichkeit, wie Apotheker dazu beitragen können, Medikationsfehler zu vermeiden. „Stellen Sie Fragen!“, so ihr Appell. Dazu gab sie den Teilnehmern ein einfaches „A bis E“ an die Hand:

  • A wie Ausweis Alle Patienten sollten einen Medikationsausweis besitzen.
  • B wie Begleitmedikation Das Interaktionspotenzial der NOAK ist hoch. Die Wirkung wird beispielsweise durch Johanniskraut-Präparate abgeschwächt. Das Blutungsrisiko wird durch zahlreiche Schmerz­mittel erhöht.
  • C wie Compliance Die Adhärenz der Patienten ist oft schlecht. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, wie wichtig die regelmäßige Einnahme ist.
  • D wie Dosierungen Aus Angst vor Blutungen wird oft unterdosiert. Daher lohnt es sich nachzufragen, ob beispielsweise eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegt, die den Einsatz einer niedrigeren Dosierung rechtfertigt.
  • E wie Erkrankung Die Kenntnis der Indikation ist Voraussetzung für die korrekte Dosierung.

So kann die Therapie mit nicht-­Vitamin-K-abhängigen Antikoagulanzien durch eine gute Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern sicherer und effektiver gestaltet werden. |

Extraportion Fortbildung statt Mittagspause

Mit „Wissen am Mittag“ gab es in diesem Jahr eine Neuerung auf der Interpharm: Nach dem „Vormittagsblock“ des wissenschaftlichen Kongresses konnten die Teilnehmer zwischen parallel stattfindenden Vorträgen bzw. Seminaren wählen – oder in eine extralange Mittagspause gehen.

Von Medikationsfehlern beim Einsatz oraler Koagulanzien über Homöopathie für geriatrische Patienten, Tipps zur Retax-Vermeidung oder zur Wundversorgung bis hin zu einem POP-Seminar zur Polymedikation im Alter reichte das Themenspektrum der Vorträge, Seminare und Workshops, zu denen die Kongressteilnehmer am Freitagmittag eingeladen waren.

Foto: DAZ/Alex Schelbert
Wissenshunger Groß war das Inte­resse, beim „Wissen am Mittag“ parallele Vorträge und Seminare zu besuchen.

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