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Der Heilberufler 2030

Vom Halbgott in Weiß zum Dienstleister mit Vertrauen

Von Andreas Sagert | Die zunehmende Feminisierung der Heilberufe, der Trend zur Teilzeitbeschäftigung und Kooperationen verbunden mit dem demografischen Wandel und dem technologischen Fortschritt verändern die Patientenversorgung. Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut forsa Ärzte, Zahnärzte und Apotheker befragt, wie sie selbst die künftigen Entwicklungen im Gesundheitswesen einschätzen.

Zur Methodik: Für diese Studie wurden über 400 Ärzte, Zahnärzte und Apotheker im Alter von 25 bis 40 Jahren online befragt. Die Befragten hatten mindestens drei und maximal neun Jahre Berufserfahrung nach Abschluss des Studiums, es sind also diejenigen, die 2030 eine tragende Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen werden.

Die Rolle des Heilberuflers verändert sich. Über alle Heil­berufsgruppen hinweg geht die überwiegende Mehrheit der Befragten davon aus, dass der Heilberufler im Jahr 2030 als Dienstleister wahrgenommen (83 Prozent), während das Image als „Halbgott in Weiß“ endgültig überholt sein wird (79 Prozent). Insgesamt aber zeichnen die Heilberufler ein selbstbewusstes Bild von ihrem Berufsstand: 71 Prozent sind sich sicher, dass sie auch im Jahr 2030 hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießen werden. Der Patient wird anspruchsvoller. 91 Prozent der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker rechnen damit, dass der Patient in Zukunft höhere Ansprüche an ihre Leistungen stellen wird. Nicht zuletzt dadurch, weil er im Jahr 2030 informierter sein wird als heute, davon sind 85 Prozent der Befragten überzeugt. Zudem halten es 59 Prozent für wahrscheinlich, dass der Patient auch häufiger bereit sein wird, für Gesundheitsleistungen selbst zu zahlen.

Weniger Praxen und Apotheken „um die Ecke“

Die Praxis oder Apotheke „um die Ecke“ wird seltener. Die Mehrheit (55 Prozent) der Befragten sieht in der Einzelpraxis beziehungsweise der Einzelapotheke ein Auslaufmodell. Demnach wird sich auch in Zukunft der Trend zu Anstellung und Kooperation weiter fortsetzen. Die Versorgungslücke im ländlichen Bereich füllen nach Ansicht von zwei Dritteln der Heilberufler künftig Krankenhäuser, die als „Allrounder“ sowohl die stationäre als auch die ambulante Versorgung übernehmen werden.

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Trotz oder wegen der Digitalisierung im Gesundheitswesen entwickelt sich der Heilberuf verstärkt hin zum Berater, Dienstleister und Gesundheitsmanager.

Heilberufler-Patienten-Bindung bröckelt

Die Heilberufler-Patienten-Bindung bröckelt. 65 Prozent der Befragten fürchten, dass es 2030 eine geringere Bindung zwischen dem Heilberufler und seinen Patienten beziehungsweise Kunden geben wird. Dazu trägt auch die sich wandelnde Struktur der ambulanten Versorgung mit weniger Einzelpraxen und mehr Kooperationen bei: Sie führt häufiger zu einem Wechsel des Arztes und infolgedessen auch zu einer geringeren sozialen Verbundenheit mit diesem. Jeder zweite Heilberufler geht zudem davon aus, dass der Patient künftig aktiv mehr Eigenverantwortung für seine Gesundheit übernehmen und vermehrt Präventionsmaßnahmen betreiben wird als heute.

Spezialisierung und ­Kapitalisierung

Spezialisierung und Kapitalisierung prägen das künftige Gesundheitswesen. Die Heilberufler sind sich weitgehend (90 Prozent) einig, dass Spezialisierung künftig in allen Bereichen – ob Studium, Praxis oder Apotheke – eine notwendige Voraussetzung für den eigenen Erfolg darstellt. Zusätzlich erwarten mehr als 80 Prozent der befragten Ärzte, Zahnärzte und Apotheker eine zunehmende Kapitalisierung der Versorgungsstrukturen, bei der Praxen und Apotheken durch private Investoren aufgekauft und in bundesweiten Kettenkonzepten integriert werden.

Digitalisierung: evolutionär bis revolutionär

86 Prozent aller Heilberufler gehen davon aus, dass die Digitalisierung ihre Arbeit in Zukunft sinnvoll unterstützen wird. Digitale Lösungen bei der Verwaltung, die die „Zettelwirtschaft“ ablösen (wie zum Beispiel digitale Abrechnungen zwischen Apotheken und Krankenkassen, elektronische Rezepte, computergestützte Diagnostik, digitales Management der Medikamenteneinnahme oder die Online-Gesundheitsakte) gehören 2030 nach Ansicht der überwiegenden Mehrheit zum Standard. 40 Prozent der Befragten glauben sogar, dass die Digitalisierung künftig den Heilberufler in Teilen ersetzen wird.

„Die Studie offenbart, dass sich das Rollenverständnis des Heilberuflers hin zum Berater, Dienstleister und Gesundheitsmanager wandelt. Ein neues Image entsteht, das durchaus positiv besetzt und eine adäquate Antwort auf das gesteigerte Anspruchsverhalten der zu Gesundheitskunden emanzipierten Patienten sein kann“, sagt Daniel Zehnich, Direktor des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik der Deutschen Apotheker- und Ärztebank und Leiter der Studie. „Im Ergebnis sehen wir, dass Faktoren wie Digitalisierung, Spezialisierung, Kapitalisierung oder eben ein sich wandelndes Heilberufler-Patient-Verhältnis das ‚System Gesundheitsmarkt‘, wie wir es heute kennen, in den nächsten Jahren deutlich verändern werden.“ |

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