Wirtschaft

Sanofi beendet Diabetes-Forschung

Neuer Schwerpunkt Krebsmedikamente / Standort Frankfurt-Höchst weiter geschwächt

cha/dpa | Im Jahr 1923 erhielt die Hoechst AG die Lizenz zur Herstellung von Insulin in Deutschland und war damit das erste europäische Unternehmen, das Insulin industriell produziert. Die Hoechst AG als Pharmaunternehmen von Weltrang ist längst im französischen Sanofi-Konzern aufgegangen. Nun will dieser die Insulinforschung aufgeben, was zu einer weiteren Schwächung des Standorts in Frankfurt-Höchst führen dürfte.
Foto: imago images/IP3press

Paul Hudson wurde von Novartis abgeworben, um bei Sanofi neuen Schwung zu verbreiten.

Anfang September dieses Jahres ist Paul Hudson als neuer Vorstandsvorsitzender bei Sanofi ­angetreten, nun krempelt er den französischen Pharmariesen um. Am vergangenen Montag teilte ­Sanofi mit, dass die Forschung und Entwicklung bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingestellt wird. Zudem soll der Diabetes-Kandidat Efpeglenatide, der nur einmal wöchentlich gespritzt werden muss, an einen Partner abgegeben werden.

Hintergrund ist, dass Sanofi in den Vereinigten Staaten mit dem dort besonders ausgeprägten Preiswettbewerb, unter anderem bei Diabetes-Medikamenten, kämpft. Das Insulin-Geschäft – lange eine wichtige Domäne der Franzosen – ist längst keine sichere Bank mehr. Nach dem Patentablauf für Sanofis Blockbuster Lantus®, der das erste Insulin seiner Art auf dem Markt war, haben Anbieter von Nach­ahmern nachgezogen.

Die eigene Zukunft sieht Sanofi insbesondere bei Krebsmedikamenten, aber auch bei Impfstoffen, Mitteln gegen seltene Krankheiten und die Bluterkrankheit sowie dem bereits gut laufenden monoklonalen Antikörper Dupixent®gegen Neurodermitis. Die Pipeline sei mit vielversprechenden Kandidaten zu diesen Therapiefeldern gefüllt, außerdem sei Sanofi gut in China aufgestellt. Darüber hinaus wurde Anfang vergangener Woche die milliardenschwere Übernahme des US-Krebsmedikamentenherstellers Synthorx angekündigt.

Ebenso wird offenbar ins Auge gefasst, sich von Unternehmens­teilen zu trennen und die Sparten schlanker aufzustellen. So war erst kürzlich die Rede davon, dass das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten (Consumer Healthcare) auf dem Prüfstand stehe.

Mit diesen Maßnahmen will Hudson ehrgeizige Margenziele erreichen: Bis 2022 soll die operative Marge bei 30 Prozent liegen und ab 2025 bei mehr als 32 Prozent.

Der geplante Umbau dürfte vor allem die Mitarbeiter in Deutschland treffen. Insbesondere der Firmensitz Frankfurt werde leiden, fürchten Gewerkschafter. „Ein Ausstieg aus der Diabetes­forschung wird ­sicher nachhaltige Folgen für den Standort in Frankfurt-Höchst haben“, sagte Volker Weber, Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, der Deutschen Presse-Agentur. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Sanofi Deutschland versprach „schwere Verhandlungen und Widerstand“ gegen die Vor­gaben aus der Konzernzentrale. |

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