Gesundheitspolitik

Teleclinic setzt auf Vor-Ort-Apotheken

BERLIN (bro) | Die an E-Rezept-Projekten beteiligte süddeutsche Telemedizin-Plattform Teleclinic hat einer Kooperation mit EU-Versendern eine klare Absage erteilt.

Das in München ansässige Unternehmen Teleclinic ist bei der ­Digitalisierung der ambulanten Gesundheitsversorgung eines der führenden Unternehmen in Deutschland. Es ist sowohl im ­E-Rezept-Projekt „GERDA“ aktiv, bietet aber auch gemeinsam mit dem Apotheken-Dienstleister apotheken.de eine E-Rezept-Lösung an. Nachdem sich die Landesärztekammer Baden-Württemberg als erste Kammer 2017 dazu entschied, vorerst im Rahmen von Modellprojekten Fernbehandlungen zu erlauben, stieg die Teleclinic direkt ein. Inzwischen ist das Fernbehandlungsverbot auch in der Musterberufsordnung der Ärzte gekippt, ebenso wie das Fernverordnungsverbot – Online-Ärzte dürfen jetzt auch wieder Arzneimittel verordnen. Für Online-Praxen gibt es also keine größeren ­Beschränkungen mehr.

Frühe Kooperation mit der KV Baden-Württemberg

Vor diesem Hintergrund ist auch der Einstieg der schwedischen Online-Praxis Kry in den deutschen Markt mit DocMorris als Partner zu verstehen (s. S. 8). Auch bei der Teleclinic war immer wieder diskutiert worden, ob sich das Unternehmen in Richtung Versandhandel ausrichtet. Zunächst hatte es dafür eigentlich keine Zeichen gegeben: Die Teleclinic kooperierte sehr früh mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und lieferte die Technik hinter der KV-eigenen Online-Praxis „DocDirekt“. Inzwischen sind an das DocDirekt-Modell auch die Apotheker angeschlossen: Die Online-Ärzte verordnen Arzneimittel, die die Apotheker derzeit in zwei Testregionen via E-Rezept beliefern können. In einem weiteren Versorgungsmodell kooperiert die Teleclinic auch bereits mit Vor-Ort-Apotheken. Gemeinsam mit apotheken.de, dem Apotheken-Dienstleister des Deutschen Apotheker Verlages, startete das Unternehmen das erste E-Rezept-Modell Deutschlands, bei dem es zunächst aber nur um Privatrezepte ging. Dem Vernehmen nach hatte die Teleclinic in den vergangenen Monaten aber auch immer wieder Verhandlungen mit großen aus- und inländischen Versandhändlern geführt – das nährte Spekulationen.

Versandhandel nicht ausblenden, aber ...

Foto: Teleclinic

Katharina Jünger, Chefin der Telemedizin-Plattform Teleclinic

Nun steht für das Unternehmen aber fest, dass man sich in Zukunft noch intensiver auf die Zusammenarbeit mit den Vor-Ort-Apotheken konzentrieren werde, erklärte Firmenchefin Katharina Jünger gegenüber DAZ.online. Ausblenden könne man den Versandhandel aber nicht. Man habe sich daher ganz bewusst dafür entschieden, jetzt mit einer deutschen, auch lokal tätigen Versandapotheke aus dem Großraum Stuttgart zu kooperieren. Etwaige Kooperationen sowie weitere Gespräche mit EU-Versendern schloss Jünger aus. Die Teleclinic-Chefin wörtlich: „Wir sind sehr froh, dass wir unsere Kooperation mit apotheken.de nicht nur beibehalten, sondern in den letzten Monaten sehr erfolgreich ausgebaut und weiterentwickelt haben. Bei Tele­clinic sind wir davon überzeugt, dass es beim E-Rezept und der weiteren Digitalisierung der Arzneimittelversorgung nationale ­Lösungen geben sollte – auch ohne europäische Großkonzerne. Denn wir sehen deutlich die Vorteile für die Patienten: Nur in Apotheken können die Patienten schnell be­raten werden und ihr Arzneimittel beziehen.“ Eine Kooperation mit EU-Versendern kommt für sie ­daher nicht infrage – die Versorgungsnachteile für Patienten seien einfach zu groß. Allerdings ist auch für apotheken.de unabdingbare Voraussetzung für die Kooperation, dass Teleclinic nicht mit ausländischen Versandapotheken zusammenarbeitet.

Das Versorgungskonzept von Teleclinic und apotheken.de läuft nach Angaben beider Unternehmen sehr erfolgreich. „Über 100 Patienten betreuen die Ärzte der Tele­clinic bereits täglich per Telefon oder Video. Verschreibt der Arzt dabei ein Rezept, kann es der Patient ­direkt im Anschluss an eine der rund 7000 angeschlossenen Apotheken senden und seine Arzneimittel in wenigen Minuten bei der Apotheke vor Ort abholen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. In ganz Deutschland seien inzwischen mehr als 10.000 digitale Verordnungen ausgestellt und abgewickelt worden.

Klarer Unterschied zu ­ausländischen Anbietern

Jünger trennt ihr Konzept deutlich ab von den Versorgungsformen, an denen EU-Versender beteiligt sind. Sie weist darauf hin, dass auch nachts und am Wochenende Ärzte für Online-Sprechstunden zur Verfügung stünden. „Wettbewerber aus dem Ausland verschicken die digitalen Rezepte an Versandapotheken im Ausland. Da ist eine ­sofortige Abholung noch in der Nacht natürlich nicht möglich.“ Außerdem hinterfragt sie den ­Datenschutz: „Da muss sich ­jeder selbst fragen, was mit seinen Daten passiert und warum er sich ­bewusst dafür entscheidet, nicht Teleclinic und damit nicht einen deutschen Anbieter mit angebundenen Apotheken in Deutschland zu nutzen.“

Thomas Koch, der das Projekt bei apotheken.de betreut, er­klärte: „Durch die Einführung des ­E-Rezeptes werden viele ­Prozesse im Gesundheitssystem effizienter, schneller und für viele Beteiligten auch komfortabler. Mit unserem Engagement ­sorgen wir dafür, dass Vor-Ort-Apotheken an den Veränderungen von Anfang an teilhaben können und der Patient die Apotheke ums Eck auch weiterhin als den wichtigsten Partner bei Rezepten und allen Fragen rund um Medikamente wahrnimmt.“ |

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