Wirtschaft

Apotheke neu denken mit VIA

Engagierte Kollegen gründen den „Verband innovativer Apotheken“ / Bedürfnisse der Kunden sollen im Mittelpunkt stehen

STUTTGART (wes) | Engagierten Apothekern eine Stimme zu geben – das ist das Ziel des neu gegründeten Verbands innovativer Apotheken (VIA). Dieser steht laut Homepage allen offen, „die sich und ihre kreativen Ideen rund um Apotheken im 21. Jahrhundert“ einbringen möchten.
Foto: VIA

Unterstützung für innovative und engagierte Kollegen Drei der vier VIA-Vorstände (v. l.): Thomas Anthes (Vorsitzender), Dr. Ann-Katrin Gräfe-Bub (Stellvertretende Vorsitzende), Arndt Lauterbach (Schatzmeister).

Gegründet haben den neuen Verband „innovative, erfolgreiche und engagierte Apothekenleiter“, die das „Gesundheitssystem und die Arzneimittelversorgung mitge­stalten und voranbringen“ wollen, heißt es auf der Website (www.via.health) des Verbands. Eine grundlegende Strukturänderung des Apothekensystems ist damit aber nicht gemeint, wie der Verband ­gegenüber DAZ.online betont: Man stehe uneingeschränkt hinter der inhabergeführten Apotheke.

Forderung des Rx-Versandverbots

Auch beim Thema Gleichpreisigkeit hat der VIA eine klare Haltung: „Wir fordern das Rx-Versandverbot als einziges rechtssicheres Instrument, um die Gleichpreisigkeit wieder herzustellen“, betont der VIA-Vorsitzende Thomas Anthes, Apotheker aus Bremerhaven.

Aber eigentlich sei das Hauptziel des Verbandes, die Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt der Forderungen zu stellen und sowohl gegenüber der Politik wie auch gegenüber den Kostenträgern zu vertreten. Dabei sollen Kooperationen mit anderen Gesundheitsberufen eine tragende Rolle spielen. Man müsse das heilberufliche Netzwerk stärken, so Anthes, und wolle Modellprojekte zu pharmazeutischen Dienstleistungen initiieren.

Beim Impfen selbstbewusst gegenüber den Ärzten sein

Zwei Themen haben es dem VIA in diesem Zusammenhang besonders angetan: Das Impfen in der Apotheke und das Thema Pflege in all seinen Facetten. Dabei gehe es um die Unterstützung pflegender Angehöriger genauso wie um die Versorgung von Alten- und Pflegeheimen und die Zusammenarbeit mit Pflegediensten. Beim Streitthema Impfen in der Apotheke treten die innovativen Apotheker selbstbewusst auf: Man suche keinen Streit mit den Ärzten – diese müssten sich aber beispielsweise bei der Grippeimpfung schon fragen lassen, warum die Impfquoten so niedrig seien. Mit dem niedrigschwelligen Angebot der Impfung in der Apotheke könne man zudem Bevöl­kerungsgruppen erreichen, die nur selten zum Arzt gehen.

Kein „Gegen-Verband“ zur ABDA

Als „Gegen-Verband“ gegen die offizielle Standesvertretung oder andere Apothekenverbände sieht sich der VIA nicht. Es stimme zwar, so Anthes: „Wir waren und sind unzufrieden mit der Arbeit der Standesvertretung und aktuellen und abgeschlossenen Gesetz­gebungsverfahren.“ Aber eine Konkurrenz zu den Landesapothekerverbänden oder auch Verbänden wie dem der Apothekenkooperationen wolle man nicht werden. Es gehe vielmehr um eine Unterstützung innovativer und besonders engagierter Kollegen, die bisher oft die frustrierende Erfahrung gemacht hätten, ausgebremst zu werden. Die offizielle Standesvertretung richte alle Konzepte am schwächsten Glied der Kette aus. „Aber wenn alle Initiativen abgewürgt werden, weil kleinere Betriebsstätten etwas nicht leisten können, dann hemmt das alle Innovationen“, so VIA-Vorstand Dr. Ann-Katrin Gräfe-Bub. Der VIA wolle solche Initiativen dagegen fördern und sich bei der Politik und den Krankenkassen für sie einsetzen. „Es gibt einfach Apotheken, die können mehr, die wollen mehr“, so Anthes – „und vor allem wollen sie ihre Ideen in Zusammenarbeit mit anderen umsetzen.“ |

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