Gesundheitspolitik

Ärzte contra Apotheken

Engpässe in Österreich: Exporte in der Kritik

BERLIN (ks) |  Auch unser Nachbarland Österreich ist von Lieferengpässen bei Arzneimitteln nicht verschont. Die Österreichische Ärztekammer hat allerdings wenig Verständnis für Klagen seitens der Apotheken. Sie meint: Die Pharmazeuten ­haben sich die Versorgungsengpässe durch „fragwürdiges Vorgehen“ selbst zuzuschreiben.

Dass sich einige österreichische Apotheken mit dem Verkauf von Medikamenten ins Ausland ein „Körberlgeld“ verdienen, findet ­Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, schlicht „empörend“.

Steinhart greift damit eine Aussage des neu gewählten Präsidenten des Verbandes der pharma­zeutischen Industrie Österreichs (Pharmig), Philipp von Lattorff, auf. Der Chef des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna hatte kürzlich zum Thema Engpässe in der Presse erklärt: „Dass wir produktionsbedingt nicht liefern können, ist nur zu einem kleinen Teil für Probleme verantwortlich. Der größere Teil liegt im Export von Arzneimitteln. Großhändler und Apotheken machen sich ein Körberlgeld. Sie sammeln auf dem österreichischen Markt Arzneimittel ein und verkaufen sie in die EU.“ Ziel ist laut von Lattorff oft der deutsche Markt mit höheren Preisen. Das könnten bei neuen Arzneimitteln pro Packung dreistellige Summen sein.

Für Steinhart bedeutet dies, dass ein Teil der Apotheken statt Versorgungsinteressen finanzielle Ziele verfolge und dafür sogar eine schlechtere Versorgungslage in Österreich in Kauf nehme. „Auf der einen Seite Versorgungsengpässe zu beklagen und auf der ­anderen Seite zu diesem Problem durch ausschließlich finanzielle Interessen beizutragen, finde ich unaufrichtig. Das stellt meiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit infrage“, sagt Steinhart.

Vorteil Hausapotheke?

Und was ist die Lösung aus Sicht des Ärzte-Präsidenten? Es braucht deutlich mehr Anbieter im System, wie etwa Hausapotheken bei Ärztinnen und Ärzten. „Bei diesen kann man darauf vertrauen, dass für sie die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten im Vordergrund steht und nicht ein fragwürdiges Vorgehen wie den Export von Medikamenten ins Ausland, das ausschließlich dem eigenen Vorteil dient“, so Steinhart. |

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