Wirtschaft

Medpex liefert am gleichen Tag

Immer mehr Versender wollen den Nachteil der langsamen Belieferung ausgleichen

ts/bro | Die sofortige Abgabe eines Arzneimittels oder zumindest die Belieferung in wenigen Stunden ist einer der großen Vorteile der Vor-Ort-Apotheke gegenüber den Onlinehändlern. Zunehmend wagen sich aber auch Versender auf dieses Feld.

So wirbt neuerdings der seit Anfang 2019 zur Schweizer Zur Rose-Group gehörende Ludwigshafener Versender Medpex mit einer tagesaktuellen Belieferung. Wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilt, werden Bestellungen, die von Montag bis Freitag bis 10.30 Uhr eingehen, gegen einen Aufpreis von 5 Euro noch am selben Tag ausgeliefert. Dabei kann der Kunde wählen, ob er die Zustellung zwischen 18 und 20 Uhr oder zwischen 20 und 22 Uhr wünscht. Das Angebot gilt für die Regionen Stuttgart, Frankfurt, Mannheim und Heidelberg. Medpex arbeitet dabei mit dem Logistikunternehmen DHL zusammen. Zum Vergleich: Der Standardversand kostet bei Medpex 2,99 Euro.

Auch die niederländische Shop Apotheke Europe bietet unter dem Titel „Shop Apotheke Now“ von Montag bis Freitag eine tagesaktuelle Belieferung an. Laut Homepage gilt dieser Dienst derzeit für ausgewählte Regionen des Ruhr­gebiets und des Rheinlands. Man arbeite aber „mit Hochdruck an der Erweiterung des Liefergebiets“. Außerdem gilt der Sofort­lieferdienst nur für entsprechend gekennzeichnete Produkte. Zudem muss die Bestellung bis 11 Uhr eingehen, die Lieferung soll dann am selben Abend zwischen 19 und 21 Uhr erfolgen. Die Premium-Abendlieferung kostet 4,99 Euro.

Expressgebühren relativieren Kostenvorteil der Versender

Einen Expressdienst bietet seit ­geraumer Zeit auch die Berliner Versandapotheke Aponeo für die Hauptstadt an. Produkte, die mit ­einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet sind und bis 12 Uhr bestellt wurden, werden laut dem Unternehmen am gleichen Abend zwischen 19 und 22 Uhr geliefert. Den Service lässt sich Aponeo mit 6,95 Euro bezahlen.

Branchenkenner schätzen, dass die Versender in Zukunft verstärkt auf die schnelle Belieferung setzen werden, um auch auf diesem Feld mit den Vor-Ort-Apotheken konkurrieren zu können. So sagte DocMorris-Chef Olaf Heinrich im Herbst 2018 anlässlich der Übernahme der spanischen E-Commerce-Seite Promofarma gegenüber der Wirtschaftswoche, dass über diese Plattform Medikamente in Spanien innerhalb einer Stunde ausgeliefert werden könnten.

Zur Erklärung: Auf der Promo­farma-Bestellplattform werden Käufer mit Verkäufern zusammengeführt. Verkäufer sind fast ausschließlich Vor-Ort-Apotheken, die das bestellte Arzneimittel schnell ausliefern können.

Vor diesem Hintergrund könnte der Vorstoß von Medpex ein Versuchsballon der Muttergesellschaft Zur Rose sein, der eines Tages seinen Niederschlag auch bei der anderen Tochter DocMorris findet.

Die logistischen Herausforderungen dafür sind allerdings hoch, vor allem wenn die Versender von einem oder wenigen zentralen ­Lagern aus operieren. Auch der Kostenvorteil, den die Versender vielfach für sich reklamieren, relativiert sich angesichts der erhöhten Expressgebühren wieder. |

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