Gesundheitspolitik

Chancen für die Apotheke vor Ort

Warum das BMG die Digitalisierung zum zentralen Thema macht

BERLIN (jb) | „Digitalisierung im Gesundheitswesen – Chancen für die Apotheke vor Ort“ lautete das Thema einer Podiumsdiskussion, die am vergangenen Mittwoch im Rahmen des Hauptstadtkongresses in Berlin stattfand.

Zum Einstieg erklärte Dr. Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium (BMG), in einer Keynote, warum man Digitalisierung zum zentralen Thema erklärt hat.

Die Digitalisierung wird die Rolle der Apotheke im Gesundheitswesen verändern, davon ist Ludewig überzeugt. Diese werden aber weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Wunder aus dem BMG dürfe man allerdings nicht erwarten. Das setze nur den Rahmen, gelebt werden müsse das Thema von den Akteuren vor Ort, auch den Apotheken. Im BMG habe man die Digitalisierung zum zentralen Thema gemacht, nicht um blinkende Apps zu haben, sondern weil man glaube, dass man die Medizin damit besser machen könne.

Doch warum drückt das BMG so aufs Tempo bei der Digitalisierung? Die Welt warte nicht, so Ludewig. Wenn man jedoch wolle, dass das gewachsene Gesundheitssystem – in seinen Augen eines der besten – im 21. Jahrhundert Bestand habe, müsse man Innovationen vorantreiben. „Wir wollen keinen Eintritt von Amazon, also müssen wir schneller werden“, so Ludewig.

Dem BMG sind dabei vor allem vier Themen wichtig, wie Ludewig erklärt. 1. Es muss klare Verantwortlichkeiten geben. 2. Wir müssen lernen, nicht ab Tag 1 die eierlegende Wollmilchsau zu haben, sondern in kleinen agilen Schritten voranzugehen. „Da kann dann auch mal was nicht funktionieren“, so der Abteilungsleiter, „auch wenn das in unserem deutschen Wesen, mit dem wir die letzten 60 Jahre erfolgreich waren, nicht steckt.“ 3. Stärker auf das Thema internationale Standards und bestehende Systeme schauen und nicht immer alles neu entwickeln. Das wolle man jetzt beim E-Rezept umsetzen, nachdem es bei der elektronischen Patientenakte nicht gelungen ist. 4. Den Patientennutzen in den Mittelpunkt stellen. „Bei der Patientenakte mit der Stamm­datenverwaltung anfangen, war nicht das beste Beispiel.“

Für die Apotheken bedeutet das nicht nur eine Bedrohung, sondern eine enorme Chance, davon ist Ludewig überzeugt. „Die Frage ist, wie ordnen wir die Rollen neu. Es gibt neue Herausforderungen, neue Behandlungsmethoden. Mit Blick auf Entwicklungen in der Medizin werden digitale Unterstützungsangebote wichtig sein. Es geht nicht um den Ersatz eines Apothekers.“

BMG: nicht Anbietern von außen Tür und Tor öffnen

Ludewig sieht große Chancen in dieser digitalen Unterstützung, die allerdings, wie er betont, das BMG auch nicht verordnen könnte, sondern nur Räume öffne. Mit dem E-Rezept beispielsweise habe man Dinge nach vorne gebracht. Ludewig lobt in diesem Zusammenhang das GERDA-Projekt in Baden-Württemberg, wo seiner Meinung nach intelligent auf Bestehendes aufgesetzt wurde. Auch die im Digitalisierungsstärkungsgesetz geschaffene Möglichkeit, digitale Anwendungen von den Kassen erstatten zu lassen, werde dafür sorgen, dass Apotheker eine aktivere Rolle einnehmen können, als sie das aktuell tun.

Das geplante Verbot des Makelns im Apothekenstärkungsgesetz ­zeige, dass es dem BMG nicht darum gehe, Anbietern von außen Tür und Tor zu öffnen, sondern im System digitale Veränderung zu schaffen. |

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