Gesundheitspolitik

Gleiche Preise nur bei Rx-Versandverbot

NRW-Gesundheitsminister Laumann: Nicht Apothekenzahl, sondern Verteilung wichtig

TRAUNSTEIN (cha) | Während in Berlin Ungewissheit über das weitere Vorgehen von Bundes­gesundheitsminister Jens Spahn herrscht, bezieht dessen Parteifreund Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, klar Stellung: Der Erhalt der Gleichpreisigkeit ist für ihn unabdingbar – und diese lasse sich nur durch ein Rx-Versandverbot erreichen.

Im Gegensatz zu Spahn, der in erster Linie europarechtliche Bedenken gegen das Rx-Versandverbot anführt, zeigt Laumann sich im Interview mit DAZ.online überzeugt, dass diese Zweifel unbegründet seien. Nur ein Rx-Versandverbot könne die Gleichpreisigkeit garantieren, und diese sei „ein grundlegender sozialrechtlicher Eckpfeiler und wichtig für den Erhalt der flächendeckenden Arzneimittelversorgung“. Dieser Meinung sei er immer gewesen – trotz Medienberichten über eine Veran­staltung, bei der er geäußert habe, derzeit keine politische Mehrheit für ein Rx-Versandverbot zu sehen.

Laumann betont, dass das Ziel die flächendeckende und ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sein müsse. Dafür sei die Apothekenanzahl jedoch von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend sei die Apothekenverteilung in der Fläche, ins­besondere im ländlichen Bereich. „Ich sehe Apothekenschließungen in Ballungsräumen mit einer hohen Apothekendichte für die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln weniger kritisch als in ländlichen Gebieten“, so Laumann.

Er setzt darauf, dass seine Be­mühungen um Landärzte auch auf Apotheken ausstrahlen: NRW bekomme als erstes Bundesland eine Landarztquote; die Teilnehmer verpflichteten sich, nach dem Studium ihre ärztli­che Tätigkeit in ländlichen Gebieten auszuüben. Hierdurch entstehe auch für Apotheken im ländlichen Raum eine wirtschaftliche Grundlage.

Foto: privat
Laumann: Keine europarechtlichen Bedenken beim Rx-Versandverbot.

Ansonsten kann Laumann Spahns Plänen viel Gutes abgewinnen: Er begrüße ausdrücklich die Übertragung weiterer Aufgaben an die öffentliche Apotheke und eine Stärkung sowie Honorierung der pharmazeutischen Leistungen. Und er glaube sogar, „dass die Apotheke vor Ort zukünftig eine noch größere Rolle in der wohnortnahen Versorgung der Patienten einnehmen muss“. Auch die Präsenzapotheken sollten die Chancen der Digitalisierung im Sinne ihrer Kunden nutzen. Eine klare Absage erteilt Laumann alternativen Versorgungsformen: „Aus meiner Sicht muss es sich bei der Apotheke vor Ort stets um eine vollversorgende Apotheke handeln. Arzneimittelabgabeautomaten oder Arzneimittelabgabestellen lehne ich ab.“ |

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