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Beratung

Frühjahrsputz in der Hausapotheke

Immer für den Notfall bereit

Eine gut sortierte und aufgeräumte Hausapotheke leistet im Notfall gute Dienste. Damit sie auch stets einsatzbereit ist, sollte sie regelmäßig durchgeschaut, nicht mehr benötigte und abgelaufene Arzneimittel entsorgt oder ausgetauscht werden. | Von Constanze Schäfer

Kleinere Verletzungen, Kopfschmerzen, plötzliches Fieber oder Mückenstiche sollten in jedem Fall mit einer Hausapotheke behandelt werden können. Darüber hinaus setzt sich der Bestand der Hausapotheke aus einer sinnvollen und auch individuelle Bedürfnisse berücksichtigenden Bedarfsmedikation und einigen einfach einzusetzenden Medizinprodukten zusammen. Zu berücksichtigen ist auch, wie viele Personen im Haushalt leben und ob Kinder oder ältere Menschen versorgt werden müssen. Und auch für Tiere, die im Haushalt leben, sollte das eine oder andere Medikament griffbereit sein.

Richtige Aufbewahrung

Die Hausapotheke ist kühl und trocken aufzubewahren. Gerne werden das Badezimmer oder die Küche als Aufbewahrungsorte gewählt, beide Räume sind aber wegen hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme die denkbar schlechtesten. Schlafzimmer oder ein anderer wenig beheizter Raum sind bessere Alternativen. Wer mit Kindern oder einer dementen Person im Haushalt lebt, sollte zusätzlich darauf achten, dass die Hausapotheke für diese unzugänglich und möglichst abschließbar ist. Dann muss aber gewährleistet sein, dass die Box oder der Schrank tatsächlich abgeschlossen wird und der Schlüssel nicht einfach stecken bleibt, für den Notfall dieser jedoch stets an gleicher Stelle griffbereit liegt. Wichtig ist auch, dass Babysitter oder andere Betreuer von Familienmitgliedern wissen, wo sich Schlüssel und Hausapotheke befinden, um bei Bedarf Zugriff zu haben.

Mit ein paar Grundregeln bleibt die Übersichtlichkeit in einer Hausapotheke stets gewahrt.

  • Arzneimittel (und Medizinprodukte) immer im Umkarton und mit Beipackzettel aufbewahren.
  • Anbruchsdatum auf die Packung schreiben.
  • Anwendungsgebiet auf der Packung kennzeichnen, um sich schnell orientieren zu können.
  • Auf Packungen, die nur für ein einzelnes Familienmitglied vorgehalten werden, den Namen notieren.
  • Bei verschreibungspflichtigen Notfall-Arzneimitteln zusätzlich Name und Telefonnummer des Arztes auf die Packung schreiben.
  • Reste von Antibiotika oder anderen akut ärztlich verordneten Arzneimitteln gehören in den Hausmüll, nicht in die Hausapotheke!
  • Angebrochene Augentropfenfläschchen und -salben sowie Nasentropfen, -sprays und -salben sollen nicht aufgehoben werden. Sie gehören nach Ende der Behandlung entsorgt.
  • Nicht verwendete sterile Wundauflagen sind nach dem Öffnen zu entsorgen.
  • Regelmäßig den Inhalt der kompletten Hausapotheke überprüfen.
  • In eine Hausapotheke gehören auch die wichtigsten Rufnummern

– 112 für den Notfall

– Telefonnummer des Hausarztes, Kinderarztes, Tierarztes und des haus- bzw. tierärztlichen Notdienstes

– Telefonnummer der Giftinformationszentrale

– Telefonnummer des Apothekennotdienstes.

Die nachfolgenden Empfehlungen von Verband- und Arzneimitteln sowie Medizinprodukten dienen der Orientierung und sind bei Bedarf anzupassen.

Wichtige Arzneimittel

In die Hausapotheke gehören Arzneimittel gegen Fieber und Schmerzen. Bei der Auswahl ist im Blick zu behalten, wer versorgt werden soll. Während für Erwachsene, die keine Blutverdünner einnehmen, Acetylsalicylsäure eine Option sein kann, sollten für Kinder und Schwangere Paracetamol oder Ibuprofen in der jeweils passenden Dosierung und Darreichungsform vorhanden sein. Gegen Erkältungsbeschwerden liegen Nasenspray oder Nasentropfen bereit, bei größeren Familien können zwei Packungen sinnvoll sein. Dabei ist zu bedenken, dass Kinder niedrigere Dosierungen benötigen. Bei Erbrechen und Durchfall sind Elektrolyte für alle Altersklassen empfehlenswert. Bei der Empfehlung von Präparaten gegen Durchfall muss immer auch an das Alter der möglicherweise zu versorgenden Patienten gedacht werden. Loperamid-haltige Präparate sind im Bereich der Selbstmedikation erst ab dem zwölften Lebensjahr, Tannin-­Eiweiß-Kombinationen erst ab dem fünften Lebensjahr zugelassen. Gegen allgemeine Verdauungsbeschwerden und Blähungen reicht meist schon ein Tee mit Anis, Fenchel und Kümmel.

Insektenstiche, leichter Sonnenbrand und Juckreiz werden am besten mit einem kühlenden und juckreizstillenden Antihistaminikum-Gel behandelt. Für die Versorgung offener Wunden benötigt man eine Wunddesinfektionslösung – besonders praktisch sind hier Sprays zum Beispiel mit Octenidinhydrochlorid. Außerdem sind eine Salbe, die bei Sportverletzungen, Prellungen und Verstauchungen aufgetragen wird, und ein Brand- und Wundgel sinnvolle Empfehlungen für eine Hausapotheke. Die Packungsgrößen sollten in Relation zur Zahl der Haushaltsmitglieder und deren Hobbys stehen. Für eine alleinstehende ältere Dame reichen jeweils die kleinsten Einheiten, der sportbegeisterte Vier-Personen-Haushalt mit zwei halbwüchsigen Kindern und häufigen Outdoor-Aktivitäten wird sehr viel häufiger die Hausapotheke in Anspruch nehmen und benötigt größere Packungen.

Für Allergiker gehört außerdem ein Antiallergikum wie beispielsweise Cetirizin in die Hausapotheke, für den insulinpflichtigen und mit einem Pen eingestellten Diabetiker sind passende Insulin-Einwegspritzen, falls der Pen seinen Dienst versagt, ein Muss. Asthmatiker sollten eine Ersatzmedikation für den Notfall bevorraten und Angina-pectoris-Patienten das entsprechende Notfallspray oder die Zerbeißkapseln. Damit nichts verfällt – auch hier gilt first in, first out –, ist es sinnvoll, stets die neu verordnete Packung in die Hausapotheke zu räumen und die dort vorrätige zu nutzen.

Kontraindikationen und Interaktionen beachten!

Bei älteren oder chronisch kranken Kunden ist immer die Begleitmedikation zu beachten, die Empfehlungen für die Ausstattung der Hausapotheke muss darauf abgestimmt werden. Deshalb ist ein Brown Bag Review, bei dem der Kunde alle seine im Hause befindlichen Arzneimittel mitbringt, ein perfekter Anlass, die Hausapotheke genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei auch bestehende Kontraindikationen und Interaktionen zu bewerten. Im Einzelfall kann es durchaus notwendig sein, dass für die einzelnen Haushaltsmitglieder unterschiedliche Schmerz- oder Magenmittel als geeignete Bedarfsmedikation in die Hausapotheke gehören. Damit es zu keinen Verwechslungen kommt, sollten die Packungen wie schon erwähnt beschriftet werden.

Empfehlenswerte Verbandmittel

Folgende Verbandmittel sind für die Ausstattung einer Hausapotheke sinnvoll: Dreiecktuch, elastische und Mullbinden (in schmal und breit), Verbandklammern, ein Druckverbandpäckchen, sterile Wundauflage (10 × 10 cm, damit lassen sich auch etwas größere Wunden abdecken), Verbandtuch für Brandwunden und andere größere Wunden, Heftpflaster und Pflasterstrips.

Die Auswahl von Pflasterstrips und Heftpflastern sollte verschiedene Anforderungen wie Größe, Formen, hypoallergen oder wasserfest berücksichtigen. Bei älteren Menschen ist die Haut oft empfindlich, ebenso bei Kindern, so dass hier Pflaster für die empfindliche Haut erste Wahl sind.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz …

Vielleicht doch! Gerade bei Kindern kann ein Pflaster manchmal auch aus psychologischen Gründen ein perfektes Heilmittel sein. Für diesen Zweck oder wenn der Teddy mal krank wird, sind bedruckte bunte Kinderpflaster oder auch eine Mullbinde extra immer eine gute Ergänzung der Hausapotheke junger Familien.

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Fieberthermometer und Wärmeflasche

Neben den bereits aufgeführten Verbandmitteln gibt es einige weitere sinnvolle Medizinprodukte für die Hausapotheke. Dazu gehören Handschuhe, eine Splitterpinzette, eine Verbandschere und eine Rettungsdecke. Diese ist vielfältig einsetzbar, so kann sie vor Wärme schützen, große Wunden abdecken oder auch mal zum Transport benutzt werden. Wer damit umgehen kann, der sollte eine Zeckenzange oder Zeckenkarte in die Hausapotheke legen, andernfalls lieber den Arzt aufsuchen.

Ein Fieberthermometer gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Da heute ja fast nur noch elektronische Fieberthermometer im Einsatz sind (Quecksilberthermometer sollten ausgetauscht werden), muss regelmäßig überprüft werden, ob die Batterie noch funktioniert und eventuell eine Knopfzelle für alle Fälle bereitgehalten werden. Wer Kinder hat oder gelegentlich einem Haustier die Körpertemperatur messen muss, wird vermutlich ein Ohrthermometer bevorzugen. Zur Abweichung der Messwerte beim Menschen s. Tabelle. Bei Haustieren können die für die jeweilige Tierart normale Körpertemperatur und eventuell durch unterschiedliche Messverfahren abweichende Werte beim Tierarzt erfragt werden. Dank auswechselbarer Einmalschutzkappen können Mann und Maus von solch einer Anschaffung profitieren. Zusätzlich wird das Ohrthermometer nach der Benutzung mit einem Desinfektionsmittel abgewischt.

Tab.: Ergebnisse der Körpertemperaturmessung
Art der Messung
Normalwert Körper­temperatur Mensch in °C
axillär
34,7 bis 37,3
sublingual / oral
35,5 bis 37,5
rektal
36,6 bis 38,0
im Ohr
35,7 bis 37,5

Nicht gerade in der Hausapotheke, dafür aber im Tiefkühlfach oder im Gefrierschrank sollte eine Kühlkompresse liege, die bei Bedarf in ein Handtuch gewickelt auf Prellungen, Stauchungen oder Insektenstichen zum Einsatz kommt. Die Kompressen gibt es in verschiedenen Größen. Sinnvoll sind tellerhandgroße Kompressen für den allgemeinen Bedarf. Ist die Hausapotheke in einem Haushalt mit sportlich aktiven Bewohnern und damit auch häufigeren Blessuren, sind zwei Kompressen, von denen eine auch mal um das Fußgelenk gelegt werden kann, ein guter Rat.

Manchmal ist statt Kälte Wärme gewünscht – deshalb eine Wärmflasche mit Umhüllung bei Bauch- und Menstruationsschmerzen, Erkältungsgefühl oder Verspannung bereithalten. Immer darauf achten, dass sie nicht in der Nähe von Heizkörpern gelagert oder direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt wird, da das Material dann schneller ermüdet und spröde wird. Beim regelmäßigen Check auf kleine Risse achten und die Dichtung am Verschluss überprüfen.

Die Hausapotheke für unterwegs

Ähnlich wie die Hausapotheke sollte die Reiseapotheke bestückt sein. Zusätzlich kann es je nach Reiseziel noch die eine oder andere Ergänzung geben, wie eine Malariaprophylaxe, Wasseraufbereitungstabletten, Einwegspritzen und Ähnliches mehr. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, hat zusätzlich noch den Verbandskasten im Blick zu behalten. Wurde daraus etwas entnommen, sollte es möglichst wieder aufgefüllt werden. Spätestens beim TÜV muss der Kasten der Prüfung standhalten. Ob es im Einzelfall nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums günstiger ist, die einzelnen Inhaltsbestandteile auszutauschen oder den gesamten Verbandskasten, muss der Besitzer für sich selbst entscheiden. Im Rahmen der Beratung zur Reiseapotheke können Sie Ihre Kunden darauf ansprechen, ob sie mit dem Auto in den Urlaub fahren und dies zum Anlass nehmen, nicht nur an den Bremsencheck, sondern auch an die Überprüfung des Verbandskastens zu denken.

Erinnern Sie sich an Mary Poppins?

Das supercalifragilisticexpialigetische Kindermädchen hatte einfach alles in seiner Reisetasche – auch Hustensaft. Es wird kaum eine Handtasche geben, in der nicht auch Arzneimittel zu finden sind, häufig nur einzelne Tabletten ohne Gebrauchsinformation oder gar einem Hinweis zur Haltbarkeit. Um hier sicherzustellen, dass keine abgelaufenen Arzneimittel eingenommen werden, sollten diese Solitäre einmal im Jahr komplett entsorgt und durch frische Tabletten ersetzt werden. Dafür an alle Taschen denken, in denen Arzneimittel lose transportiert werden.

Die Hausapotheke für Vierbeiner

Wer einen Hund oder eine Katze besitzt, sollte auch für diese Mitbewohner die Hausapotheke gerüstet haben. Die Gegenstände, die speziell zur Versorgung der Vierbeiner benötigt werden, sollten getrennt gelagert werden, zum Beispiel in einem eigenen Kästchen in der Hausapotheke mit entsprechender Beschriftung. Neben den bereits erwähnten Verbandmitteln, die gleichermaßen für Mensch und Tier zum Einsatz kommen können und ohnehin nach Verbrauch entsorgt werden, muss kein spezieller Vorrat angelegt werden. Auch Verbandschere, Splitterpinzette und Ohrthermometer lassen sich nach Reinigung und Abwischen mit einem Desinfektionsmittel problemlos für Mensch und Tier verwenden.

Die Hausapotheke als Thema im Schaufenster

  • Frühjahrsputz

Dekorieren Sie Putzeimer, Besen, Leiter und ähnliche Reinigungsutensilien und stellen Sie eine Hausapotheke dazwischen. Eine Checkliste mit Punkten wie „Fenster putzen, Teppich klopfen, Matratzen saugen und Hausapotheke aufräumen“ aufhängen und das Schaufenster mit dem Titel Frühjahrsputz auszeichnen.

  • Startklar mit dem Auto in den Urlaub

Koffer, Reisetasche, Klappstuhl und andere Dinge für den Urlaub dekorieren und dazwischen Autoverbandskästen.

  • Unser Service: Hausapothekencheck

Viele Kästchen, kleine Tüten und Dosen gefüllt mit alten Arzneimittelumverpackungen, Beipackzetteln und einigen Pflastern, Binden usw. im Schaufenster präsentieren und dazu das Plakat mit dem Dienstleistungsangebot: „Wir räumen Ihre Hausapotheke für Sie auf!“

Hundebesitzer sollten auf jeden Fall ein für das jeweilige Fell des Tieres geeignete Zeckenzange parat halten und einen Maulkorb. Tiere mit Schmerzen beißen gelegentlich auch ihnen vertraute Menschen. Mit einer leuchtstarken Taschenlampe können Maul, Wunden oder Ohren besser inspiziert werden. Dabei sollte man an das regelmäßige Wechseln der Batterien denken. Für die Gabe von Arzneimitteln und Spülen von Ohren oder Augen können sowohl für Hund als auch Katze Einwegspritzen (z. B. 1, 5 und 10 ml) oder eine Dosierspritze griffbereit gehalten werden. An Arzneimitteln gehören eine für die jeweilige Tierart geeignete Wund- und Heilsalbe, Kochsalzlösung zum Spülen von Wunden, Nase oder Ohren sowie bei Hunden etwas gegen Durchfall ohne Fieber und für die Katze eine Augensalbe (am besten sich etwas vom Tierarzt empfehlen lassen) in die Hausapotheke. |

Literatur

bei der Verfasserin

Autorin

Apothekerin Dr. Constanze Schäfer, Studium der Pharmazie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, seit 1999 Abteilungsleiterin für den Bereich Aus- und Fortbildung der Apothekerkammer Nordrhein. Freiberufliche Autorin zahlreicher Zeitschriftenartikel und Fachbücher. Im Deutschen Apotheker Verlag sind von ihr die Kitteltaschenbücher „Hilfsmittel und Medizinprodukte“ und „Gifte und Vergiftungen“ erschienen. Sie ist Mitherausgeberin des Buches „Geriatrische Pharmazie“.

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