Arzneimittel und Therapie

Parodontitis und Krebsrisiko

Studie weist auf Assoziation hin

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Parodontitis mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sein könnte. Wie stark der Einfluss ist und welche Tumorarten betroffen sind, wurde nun untersucht.

Parodontitis, eine fortgeschrittene entzündliche Zahnfleischerkrankung, die durch ein orales bakterielles Ungleichgewicht verursacht wird, beeinflusst sowohl die lokale als auch die systemische Immunantwort. Forscher vermuten, dass Parodontitis durch Veränderungen der Immunantwort oder alternativ durch die Verbreitung schädlicher Bakterien die Entstehung von Krebs beeinflussen kann. In Deutschland leiden etwa 8% der Bevölkerung an einer schweren und 43% an moderater Parodontitis [1]. Dass eine Parodontitis bzw. ein Zahnverlust mit einem erhöhten Karzinomrisiko verbunden sein könnte, legt eine Reihe von Studien nahe [2 - 5]. Eine aktuelle prospektive amerikanische Kohortenstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen Parodontitis und dem Risiko verschiedener Tumorentitäten bei älteren Männern und Frauen [6]. Verwendet wurde die Population der „Atherosclerosis Risk in Communities study“ (ARIC), für die standardisierte Daten zur Zahngesundheit gesammelt wurden. Der mediane Nachuntersuchungszeitraum betrug rund 15 Jahre. Eingeschlossen waren 7466 Teilnehmer, die angaben, dass ihnen Zähne ausgefallen waren oder bei denen in einer zahnärztlichen Untersuchung Parodontitis diagnostiziert wurde. Eine schwere Parodontitis war definiert als Attachmentverlust von ≥ 3 mm bei ≥ 30% der untersuchten Zahnstellen. Verglichen mit keiner oder leichter Parodontitis war bei einer schweren Parodontitis das Krebsrisiko unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren insgesamt um 24% erhöht. Unabhängig vom Raucherstatus bestand eine deutliche Assoziation bei Lungenkrebs. Bei Nichtrauchern zeigte sich ein tendenziell erhöhtes Risiko für ein Kolonkarzinom, welches weder in dieser Subgruppe noch in der Gesamtpopulation statistisch signifikant war. Es zeigte sich kein Zusammenhang mit anderen Tumorentitäten. Weitere klinische Studien sowie Grundlagenforschung sind nötig, um einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Krebserkrankungen endgültig nachweisen zu können. Den Patienten kann man mit auf den Weg geben, dass eine gute Zahnhygiene wohl nicht nur für die Zahn­gesundheit wichtig ist. |

Quelle

[1] Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V.; http://www.dgparo.de/presse/presse_detail/article-57e392fde67e6, abgerufen am 28. Ferbuar 2018)

[2] Hiraki et al. Teeth loss and risk of cancer at 14 common sites in Japanese. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2008;17:1222-7; DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-07-2761

[3] Nwizu NN et al. Periodontal Disease and Incident Cancer Risk among Postmenopausal Women: Results from the Women‘s Health Initiative Observational Cohort. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2017;26:1255-1265; DOI:10.1158/1055-9965.EPI-17-0212

[4] Heikkilä P et al. Periodontitis and cancer mortality: Register-based cohort study of 68,273 adults in 10-year follow-up. Int J Cancer 2018; DOI:10.1002/ijc.31254

[5] Maisonneuve P et al. Periodontal disease, edentulism, and pancreatic cancer: a meta-analysis. Ann Oncol. 2017;28:985-995; DOI:10.1093/annonc/mdx019

[6] Michaud DS et al. Periodontal Disease Assessed Using Clinical Dental Measurements and Cancer Risk in the ARIC Study. JNCI J Natl Cancer Inst 2018;110:djx278; DOI:10.1093/jnci/djx278

Apothekerin Janine Naß

Das könnte Sie auch interessieren

FDA lässt Impfstoff gegen neun Subtypen zu

Neunfach gegen HPV-Infektionen

Die "biochemische Individualität" im Zeitalter von Nutrigenetik und Nutrigenomik

Jeder is(s)t anders

Ernährung kann das Risiko für ein kolorektales Karzinom reduzieren

Wir haben die Wahl

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.