Arzneimittel und Therapie

Im Dreierpack gegen Alzheimer

Ansätze aus der Diabetologie sind Gegenstand aktueller Forschung

Typ-2-Diabetes mellitus gilt als Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. So ist es durchaus denkbar, dass antidiabetische Therapiestrategien bei Alzheimer-Patienten ebenfalls wirksam sind. Ein neu­artiger Triple-Rezeptor-Agonist, der auch bei Diabetes mellitus vielversprechend scheint, zeigte nun im Mausmodell neuroprotektive Eigenschaften.

Es wird vermutet, dass das erhöhte Alzheimer-Risiko von Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus auf die gestörte Insulinwirkung im Gehirn der Patienten zurückzuführen ist. Substanzen, die den Insulinstoffwechsel beeinflussen, könnten sich daher auch bei Alzheimer positiv auswirken. Tatsächlich zeigten präklinische Studien, dass das Inkretinhormon Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) und das Glucose-abhängige insulinotrope Polypeptid (GIP) neuroprotektive Eigenschaften besitzen. Glucagon (Gcg), der „Gegenspieler“ des Insulins, wirkt über seinen Rezeptor im Gehirn ebenfalls neuroprotektiv. Aufgrund dieser Zusammenhänge wurde ein Triple-Rezeptor-Agonist im Tiermodell untersucht, der gleichzeitig GLP-1-, GIP- und Gcg-Rezeptoren aktiviert. Ursprünglich wurde der Wirkstoff zur Behandlung von Diabetes entwickelt.

GLP-1 / GIP / Glucagon-Agonist bei Mäusen effektiv

Um mehr über die Effekte bei Alzheimer zu erfahren, wurden Experimente mit transgenen Mäusen durchgeführt, welche die Symptome der Alzheimer-Erkrankung aufweisen. Die Resultate zeigen, dass die Behandlung mit dem Triple-Rezeptor-Agonisten das Gedächtnisdefizit der Mäuse signifikant besserte. Darüber hinaus reduzierte das Medikament pro-apoptotische Moleküle und erhöhte anti-apoptotische Signalstoffe. Erhöhte Spiegel des Wachstumshormons Brain-derived neurotrophic factor (BDNF) wurden ebenfalls gefunden. BDNF gilt als Schlüsselwachstumsfaktor, der zum Schutz der synaptischen Funktion beiträgt. Weiterhin reduzierte die Behandlung mit dem Triple-Rezeptor-Agonisten die Gesamtmenge an β-Amyloid, die Neuroinflammation und den oxidativen Stress in Hirnregionen, die für das Gedächtnis relevant sind. Damit könnte der Triple-Rezeptor-Agonist in Zukunft für die Therapie der Alzheimer-Krankheit interessant werden. Erst einmal muss sich dieser Ansatz allerdings in klinischen Studien beweisen.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten werden klinisch geprüft

Greifbarer scheint da der Einsatz der GLP-1-Rezeptor-Agonisten, die bereits seit einigen Jahren zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus eingesetzt werden. Pilotstudien mit Vertretern dieser Substanzklasse zeigten bereits positive Effekte. Ob größere Studien diese Ergebnisse bestätigen können, bleibt abzuwarten. Eine Phase-II-Studie mit Liraglutid läuft derzeit. |

Quelle

Tai J. et al. Neuroprotective effects of a triple GLP-1/GIP/glucagon receptor agonist in the APP/PS1 transgenic mouse model of Alzheimer’s disease. Brain Res 2018;1678:64–74

Apothekerin Janine Naß

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